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Standpunkt

Kommentar: Die Rebellen müssen Aleppo aufgeben!

Die syrischen Regierungstruppen sind in Aleppo weiter auf dem Vormarsch. Die Soldaten haben inzwischen die gesamte Altstadt unter ihre Kontrolle gebracht. Der Kampf um die Stadt ist entschieden, meint Carsten Kühntopp.

Ost-Aleppo steht vor dem Fall. Seit 2012 ist dieser Teil der einstigen Wirtschaftsmetropole in der Hand der Aufständischen. Nun ist es wohl nicht mehr eine Frage von Monaten oder Wochen, sondern nur noch von Tagen, bis die Rebellen dort geschlagen sind und die Stadt wieder vollständig in der Hand von Machthaber Baschar al Assad ist.

Assad-Truppen rücken überraschend schnell vor

Das Tempo, in dem die Aufständischen in den vergangenen Wochen Wohnviertel um Wohnviertel an die Assad-Einheiten verloren haben, ist überraschend. Kaum jemand hatte damit gerechnet, dass ihr Widerstand gegen die Angreifer auf einmal so schnell kollabieren würde. Denn es ist nur wenige Monate her, dass es den Rebellen gelang, eine schmale Bresche in den Belagerungsring zu schlagen. Da sah es auf einmal so aus, als würden sie es schaffen, Assad eine empfindliche Schlappe zuzufügen.

Pausenloser Beschuss macht Leben in Aleppo zur Hölle

Doch dann kam es ganz anders. Der Grund: Seit Monaten ist Ost-Aleppo von der Außenwelt abgeschnitten, es gibt kaum noch etwas zu essen und zu trinken, unablässig greifen Kampfflugzeuge an, begleitet von einem ebenso pausenlosen Artilleriebeschuss, Krankenhäuser und Kliniken wurden gezielt angegriffen und beschädigt oder zerstört. Das zermübt auch den erfahrensten Bewaffneten, der in Ost-Aleppo Widerstand leistet. Und es macht das Leben für jeden in der Enklave zur Hölle.

Carsten Kühntopp (BR/Foto: Theresa Högner)

Carsten Kühntopp ist ARD-Korrespondent in Kairo

Eine brutale, aber wirksame Strategie

Diese Kriegstaktik Assads ist mittelalterlich, wie die Vereinten Nationen immer wieder beklagten, fürchterlich brutal. Und sie verstößt gegen die Menschenrechte, zeigt jetzt aber Wirkung. Die Unterstützung durch Russland und den Iran hat Assad einen entscheidenden Vorteil gebracht, den er voll ausspielt.

Mitten zwischen den Fronten steckt die Zivilbevölkerung fest, mehrere Zehntausend Menschen, die entweder nicht fliehen wollen oder nicht fliehen können. Dass die Rebellenenklave, in der sie leben, immer kleiner wird, ist wie die buchstäbliche Schlinge, die sich immer weiter zuzieht. Mit jedem Tag, den die Gefechte andauern, wird sie enger und enger.

Schicksal von Aleppo ist nicht mehr zu ändern

Das Schicksal von Aleppo hat sich entschieden und ist nicht mehr zu ändern. Die Opposition hat diese Stadt verloren. Die Aufständischen haben keine Möglichkeit mehr, militärisch das Blatt noch zu wenden. Weiterer Widerstand gegen die Assad-treuen Einheiten ist deshalb zwecklos.

Gewiss: Niemand weiß, was den Menschen in Ost-Aleppo bevorstünde, wenn die Rebellen jetzt aufgäben. Folter, Verschleppung, Racheakte - das ist nicht auszuschließen. Als gesichert darf jedoch gelten, dass Assad gnadenlos weiterbombt, wenn die Aufständischen weiterkämpfen. Das Leben von Zehntausenden ist dann in Gefahr. Deshalb müssen die Rebellen in Aleppo nun aufgeben. Das schulden sie den Zivilisten, in deren Mitte sie leben und kämpfen. Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

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