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Fußball

Kommentar: Die Lücke wird größer

Mit der geplanten Kapitalerhöhung stärkt sich der BVB für das Duell mit dem FC Bayern. Doch der Deal vergrößert auch die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in der Bundesliga, meint DW-Sportredakteur Joscha Weber.

Es war an einem lauen Maiabend im Jahr 2012. Borussia Dortmund hatte gerade den FC Bayern München im Pokalfinale mit 5:2 aus dem Berliner Olympiastadion gefegt und tief gedemütigt. Der Rekordmeister war nur noch zweite Wahl im deutschen Fußball. Nach zwei Meistertiteln in Folge für Schwarz-Gelb schien die Wachablösung vollzogen. Noch am Abend der Erniedrigung fasste der damalige Bayern-Präsident Uli Hoeneß den Entschluss für den Gegenschlag, so ist es von ihm überliefert. Zwei Haupt-Protagonisten des Gegners, Robert Lewandowski und Mario Götze, sollten weggekauft werden. Der Plan ging auf - da konnte man bei Borussia Dortmund vor Wut schnauben wie man wollte. Es fehlten dem BVB schlicht die wirtschaftlichen Gegenargumente.

DW-Sportredakteur Joscha Weber (Foto: DW)

DW-Sportredakteur Joscha Weber

Was wir nun erleben, ist die schwarz-gelbe Gegenwehr auf den Angriff des FC Bayern. Mit der

geplanten Kapitalerhöhung von 114,4 Millionen Euro

arbeitet die Borussia gewissermaßen an ihrer finanziellen Defensive. Dank des frischen Geldes, das Sportausrüster Puma, Versicherer Signal Iduna und Chemiekonzern Evonik mit dem Kauf von größeren BVB-Aktienpaketen in die Kassen der Dortmunder spülen, hat Hans-Joachim Watzke nun bald neue Munition im Kampf um begehrte Spieler wie Marco Reus. Vor diesem Hintergrund ist die Kapitalerhöhung beim einzigen börsennotierten deutschen Fußballklub logisch und richtig.

Wie es geht, zeigt der FCB

Denn de facto ahmen die Westfalen damit das erfolgreiche Modell von Konkurrent FC Bayern nach: Dort halten Adidas, Allianz und Audi insgesamt knapp 25 Prozent der Anteile. Mit dem eingenommenen Geld haben sich die Münchener einen Kader von vielleicht einmaliger Qualität gekauft. Und die Borussia musste ohnmächtig zusehen. Mit dem frischen Geld kann der BVB nun nicht nur weiter Schulden abbauen, sondern den finanziellen Abstand zum FCB verkürzen - und muss dies auch tun, um einen weiteren Ausverkauf zu verhindern. Auch im europäischen Kräftemessen der Top-Vereine braucht der BVB finanzielle Potenz, um bestehen zu können. Wer dort langfristig Erfolg haben möchte, braucht nicht nur ein paar gute Spieler, sondern vor allem einen stattlichen Etat.

Borussia Dortmund und Bayern München im Duell (Foto: Revierfoto)

Das Titelrennen nur ein Duell zwischen FCB und BVB? Deren wirtschaftliche Dominanz nimmt zu

Wenn sich vor diesem Hintergrund nun ein Bundesligaverein innerhalb von nur neun Jahren von der Beinahe-Insolvenz zum millionenschweren Mitbewerber um den Titel in der europäischen Königsklasse mausert, ist dies eine gute Nachricht für den deutschen Fußball - und zugleich leider auch eine schlechte. Denn die Millionen für den BVB vergrößern weiter die Kluft zwischen Arm und Reich in der Bundesliga. Dem Aufsteiger SC Paderborn steht im Vergleich zum FC Bayern nur ein Zehntel dessen Etats für den Kader zur Verfügung. Chancengleichheit im modernen Fußball? Träum weiter…!

Das Opfer des Wettrüstens: die Spannung

Wenn nun schon aus der turbo-kommerzialisierten englischen Premier League, namentlich von Trainerstar José Mourinho, gefrotzelt wird, dass man in der Bundesliga ja eh wisse, wer Erster und Zweiter wird, sollten bei der Deutschen Fußball-Liga langsam die Alarmglocken läuten. Das vielleicht wichtigste Gut der Liga steht auf dem Spiel: die Spannung. Je mehr sich die Großen von den Kleinen der Liga wirtschaftlich absetzen, desto wahrscheinlicher wird auch deren sportliche Dominanz auf dem Rasen. Jahrelang rühmte sich das deutsche Fußball-Oberhaus als sportlich ausgeglichen und als der sympathische Gegenentwurf zu einseitigen Ligen wie der Primera División. Dieses Image ist nun ausgerechnet im Jahr des Weltmeister-Booms in Gefahr. Der Bundesliga droht die Langeweile. So nachvollziehbar das finanzielle Aufrüsten von Dortmund und München im Hinblick auf den internationalen Wettbewerb auch ist, so sehr stellt sich auch diese Frage: Gibt es ein Financial Fairplay im Wortsinne überhaupt?

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