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Kultur

Kommentar: Die fetten Jahre des Radsports sind vorbei

Der Telekom-Konzern hat die Konsequenz aus dem Dopingsumpf im Profi-Radsport gezogen und sich nach 16 Jahren als Sponsor zurückgezogen. Stefan Nestler kommentiert.

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Themenbild Kommentar

Und wieder saust der Hammer auf den deutschen Radsport nieder - und gibt ihm wahrscheinlich erst einmal den Rest. Mit dem Telekom-Konzern verabschiedet sich der Sponsor, der wie kein zweiter für den Aufschwung des Profi-Radsports hierzulande gesorgt hat und über ein Jahrzehnt lang stellvertretend für Erfolg stand.

16 Jahre Magenta-farbene Trikots, zunächst im Team Telekom, später im T-Mobile-Team: Eine Ära geht zu Ende. Höhepunkte waren sicher die Tour de France-Siege von Bjarne Riis 1996 und ein Jahr später Jan Ullrich. Gerade Ullrichs Triumph 1997 sorgte für einen Radsport-Boom in Deutschland. Doch auch später fuhren die Profis in Magenta Erfolge ein, wurden bejubelt und verhätschelt.

Inzwischen aber sind nicht nur die Helden, der gesamte Radsport ist gefallen. Ausgerutscht auf seiner endlosen Dopingspur. Die ehemaligen Stars in Magenta, Bjarne Riis, Jan Ullrich, Erik Zabel, Rolf Aldag - allesamt geständige oder, im Fall Ullrich, so gut wie überführte Dopingsünder.

Noch im August hatte T-Mobile, gewiss auch aus Dankbarkeit für gute Jahre, angekündigt, trotz der Dopingkrise sein Engagement als Sponsor bis mindestens 2010 fortsetzen zu wollen. Ein Ausstieg wäre ein falsches Signal, hieß es damals noch. Die Fernmelder aus Bonn wollten den Neuanfang, ein junges, sauberes T-Mobile-Team.

Das war der letzte Strohhalm, den der Konzern dem im Dopingsumpf versinkenden Profi-Radsport hinhielt. Dann verpflichtete das Team jedoch ohne Not den US-Amerikaner George Hincapie, der als langjähriger Mannschaftskollege des ständig dopingverdächtigen Lance Armstrong nicht gerade den Ruf eines Saubermanns genießt.

Das Fass zum Überlaufen brachte die Aussage des T-Mobile-Profis Patrick Sinkewitz. Der offenbarte, dass selbst nach dem Ausschluss Jan Ullrichs zu Beginn der Tour de France 2006 noch mit Eigenblut gedopt wurde.

Der Ausstieg der Deutschen Telekom kommt also nicht überraschend. Auf dem hart umkämpften Telekommunikationsmarkt kann sich ein Konzern auf Dauer Negativschlagzeilen nicht leisten, wie sie der Radsport derzeit fast chronisch produziert.

Bitter ist die Entscheidung für die neue Garde junger ambitionierter deutscher Radprofis wie Tour-de-France-Etappensieger Linus Gerdemann oder Sprinthoffnung Gerald Ciolek, die um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen. Nach dem Ausstieg von Gerolsteiner, Wiesenhof und jetzt auch Telekom stehen aber nicht nur die Teams, sondern auch Rennen wie die Deutschland-Tour auf der Kippe. Die fetten Jahre des deutschen Radsports sind endgültig vorbei.

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