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Kommentare

Kommentar: Die Chinesen kommen? Gut so!

Da staunt der Fachmann und der Laie wundert sich: China kauft sich für Milliarden bei europäischen Firmen ein. Manchen macht das Angst. Aber was soll daran schlimm sein? Gar nichts, meint Henrik Böhme.

Das ist mal eine klare Ansage: 43 Milliarden Euro. So viel will es sich der chinesische Staatskonzern China Chemical National Corp., kurz ChemChina, kosten lassen, den auf Pflanzenschutzmittel und Saatgut spezialisierten Schweizer Chemiekonzern Syngenta zu übernehmen. Sollte der Deal zustande kommen, wäre es die bislang größte Investition aus dem Reich der Mitte in einem europäischen Land. 43 Milliarden: Damit wären die 22 Milliarden, die chinesische Investoren im vergangenen Jahr in Europa insgesamt ausgegeben haben, mit einer einzigen Übernahme schon glatt verdoppelt. Auch im vergangenen Jahr schon war ChemChina einer der umtriebigsten Akteure: Für sieben Milliarden kaufte man sich beim italienischen Reifenhersteller Pirelli ein, für knapp eine Milliarde beim deutschen Maschinenbauer Krauss-Maffei. So manchem läuft da der kalte Schauer über den Rücken, wird doch der Ausverkauf des Abendlandes beschworen.

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Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

Doch das ist glatter Unsinn.

Die chinesischen Unternehmen machen nur ihre Hausaufgaben. Sie setzen um, was die Kommunistische Partei sich als Plan ausgedacht hat. Und in China, da hat die Partei noch immer Recht. Zum einen wollen die Chinesen weg vom Image als Werkbank der Welt, die eben diese Welt mit billigen Produkten überschwemmen. Auch wenn Apples iPhones trotz Made in China alles andere als billig sind. Nein, im Ernst: die Chinesen müssen auf Gedeih und Verderb ihre Wirtschaft umbauen, sie müssen und wollen stärker in den High-Tech-Bereich vordringen und sehen sich daher auch in Europa gezielt nach High-Tech-Unternehmen um. Firmen, die zum Beispiel auf dem Gebiet der vernetzten Produktion (Stichwort Industrie 4.0) führend sind. Da liegt es nahe, sich beispielsweise auch in Deutschland umzuschauen.

Und keiner muss sich fürchten.

Als vor drei Wochen der Deal der Chinesen mit Krauss-Maffei geschlossen wurde, geschahen wundersame Dinge: Management UND Belegschaft begrüßten einhellig den neuen Eigentümer. Sogar die zuständige Gewerkschaft war angetan. Kein Wunder: ChemChina versprach den Erhalt der Standorte und der Jobs, sogar neue Stellen sollen geschaffen werden. Freilich muss erst die Zukunft zeigen, was solche Versprechen wert sind. Schließlich ist in Frankreich gerade zu besichtigen, wie es auch anders geht: Statt versprochene Stellen zu schaffen, baut der US-Riese General Electric beim übernommenen Unternehmen Alstom gerade massiv Jobs ab. Aber das nur am Rande. Natürlich muss man aufpassen, dass nicht einfach nur Knowhow ins Reich der Mitte transferiert wird. Bislang jedenfalls haben übernommene deutsche Mittelständler mit chinesischen Eigentümern überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Die meisten von ihnen sehen das vor allem auch als Chance, ist es doch auf diesem Weg auch leichter, den chinesischen Markt zu erobern. Und dieser Markt, auch wenn er gerade eine Schwächephase durchmacht, bleibt noch immer einer der attraktivsten der Welt.

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