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Sport

Kommentar: Die Brause-Mission

Der Rekord-Fallschirmsprung des Extremsportlers Felix Baumgartner war beeindruckend, aber auch eine gigantische Inszenierung, findet DW-Sportredakteur Stefan Nestler.

Stefan Nestler, DW Sport. Foto DW/Per Henriksen

Stefan Nestler, DW Sport

Keine Frage, es waren beeindruckende Bilder, die via Internet- oder Fernseh-Liveübertragung in die Wohnzimmer der Welt gesendet wurden: der Mann in der Kapsel, der Blick in die und aus der Stratosphäre, der Absprung, der Körper als weißer Fleck, der in atemberaubendem Tempo Richtung Erde rast, kurz beängstigend trudelt, sich dann aber wieder fängt, schließlich die problemlose Landung.

Und es war trotz der eingesetzten Hochtechnologie auch eine bemerkenswerte sportliche Leistung. Felix Baumgartner bewies großen Mut, aus 39 Kilometern abzuspringen, denn ein Restrisiko blieb, das ihn womöglich auch sein Leben hätte kosten können. Der Fallschirmsprung-Profi aus Österreich fiel mit 1342 Stundenkilometern deutlich schneller als sich der Schall fortbewegt. Und der 43-Jährige meisterte alle Probleme, die auftauchten. Experiment geglückt, Patient lebt.

Mega-Event

Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich auch um eine gigantische Inszenierung handelte, auf neudeutsch ein "Mega-Event". Die PR-Strategen des Hauptsponsors leisteten ganze Arbeit. Das Bodenpersonal hieß nicht umsonst "Mission Control" und saß in Reihe wie NASA-Wissenschaftler bei Weltraumfahrten. Die Botschaft: Der Fallschirmsprung hat eine ähnliche Dimension wie die erste Mondlandung. Seht her, hier riskiert ein Mensch sein Leben zum Wohle der Menschheit! Dazu passte auch der immer wiederkehrende Kameraschwenk auf die bangenden Angehörigen Baumgartners.

Viel Geld, wofür?

In erster Linie profitierte jedoch nicht die Menschheit, sondern der Hauptsponsor, auf dessen Ticket der Abenteurer in die Stratosphäre schwebte und dessen Logo in beinahe jeder Einstellung zu sehen war. Die "Mission Stratos" war auch eine "Mission Brause". Der weltweite Werbeeffekt für den Getränkehersteller aus Österreich dürfte die Kosten bei weitem übertroffen haben. Und die lagen hoch. Nach Schätzungen pumpte der Konzern in den vergangenen Jahren zwischen 25 und 50 Millionen Euro in das Projekt, das so perfekt in unsere rundum medial vernetzte Zeit passte. Der propagierte wissenschaftliche Nutzen ist zumindest umstritten und muss sich erst einmal erweisen. Bis dahin bleibt Baumgartners Rekordsprung ein Abenteuer mit großem PR-Schirm.

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