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Kommentare

Kommentar: Die Angst vor dem Crash

Die Börsen rund um den Globus werden derzeit kräftig durchgeschüttelt. Kein Wunder - bei der Gemengelage. Warnungen vor einer neuen Finanzkrise sind aber übertrieben, findet Henrik Böhme.

Endlich geht es abwärts an den Börsen! Und das schon seit Anfang des Jahres. Einen so schlechten Start in ein neues Börsenjahr hat es schon ewig nicht mehr gegeben. Und wer irgendwie die Hoffnung hatte, das werde sich schon alles wieder einpendeln in den gewohnten Höhenlagen, der wurde spätestens am Anfang dieser Woche bitter enttäuscht. Da wurde es für einige sogar tiefrot, Aktien von Banken kamen ganz heftig unter die Räder - und alles andere wurde mit hinein gezogen in den Abwärtsstrudel.

Das alles kommt nicht wirklich überraschend.

Weil an den Börsen die Zukunft gehandelt wird, und weil das viele Geld, welches die Zentralbanken ohne Unterlass in die Märkte pumpen, irgendwo angelegt werden muss und weil Aktien auf lange Sicht noch immer eine gute Anlage sind, floss eben eine Unmenge Geld in Wertpapiere. Das übertünchte eine ganze Weile lang die vielen Probleme, die die Weltwirtschaft umtreiben: Der nach wie vor ungelöste Konflikt in der Ukraine. Der nicht enden wollende Krieg in Syrien und das dadurch forcierte und ungelöste Flüchtlingsproblem. Der nur vorrübergehend beigelegte Schuldenstreit mit Griechenland. Chinas Wachstumssorgen. Und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, dümpelt auch der Ölpreis in Untiefen herum, die zwar die vor allem ölverbrauchenden Volkswirtschaft wie die deutsche erfreuen, ansonsten aber hauptsächlich Unheil anrichtet. Denn Instabilität in wichtigen Schwellenländern wie Russland und Brasilien kann niemand wirklich brauchen.

So geht die Angst um.

Boehme Henrik Kommentarbild App

DW-Redakteur Henrik Böhme

Bleiben wir noch kurz beim Ölpreis. Keines der Förderländer kann mit dem derzeitigen Niveau leben. Alle, egal ob Saudis, Russen, Venezuelaner, US-Amerikaner, haben damit ein riesiges Problem. Die Scheichs könnten das lösen, indem sie den Hahn mal eine Weile etwas zudrehen und damit den Preis nach oben treiben. Wollen sie aber nicht, weil sie die Fracking-Konkurrenz in den USA und den Erzfeind Iran klein halten wollen. Im Falle der Amerikaner sind sie recht erfolgreich: Etliche Fracking-Firmen mussten bereits das Handtuch werfen. Und das ist einer der wesentlichen Gründe für den derzeitigen Absturz an den Börsen. Die Fracking-Firmen haben sich hoch verschuldet für ihr aufwändiges Geschäft. Je nach Quelle, die man bemüht, stehen sie bei den Banken mit 250 bis 400 Milliarden Dollar in der Kreide.

Finanzkrise reloaded?

Und da ist sie wieder, die Angst vor einer neuen Finanzkrise. Die Banken, von denen ein Großteil derzeit vor allem mit sich selbst zu tun hat, müssten womöglich auf eine Menge Geld verzichten. Das macht den Anlegern derzeit am meisten Angst. Am schlimmsten getroffen davon ist die Deutsche Bank. Obwohl kaum im Energiesektor investiert, rutschte der Kurs der Aktien zu Wochenbeginn auf ein neues Allzeittief. Das alles zeigt, wie groß die Nervosität der Anleger im Moment ist. Mit der Wirklichkeit hat das nur noch wenig zu tun.

Was wir jetzt erleben ist, dass sich die Aktienkurse nach den Übertreibungen der letzten Monate nun an eben diese Realität annähern. Es wird mit ziemlicher Sicherheit noch eine ganze Weile schlechter, ehe es wieder besser wird. Wer sowieso schlecht schläft, sollte für eine Zeit lieber nicht nachschauen, wie die Aktien stehen. Für alle anderen gilt: Ruhe bewahren, Augen zu und durch.