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Standpunkt

Kommentar: Deutschlands wichtigster Sportler

Basketball-Superstar Dirk Nowitzki ist nun einer von nur sechs NBA-Spielern, die mehr als 30.000 Punkte erzielt haben. Eine unglaubliche Leistung, die aber gewiss kein Zufall ist, meint Max Hofmann.

Nach dem Interview im Frühjahr 2011 konnte es sich der Autor dieses Kommentars nicht verkneifen, noch ein Foto knipsen zu lassen - vom Kameramann Ingo Becker, von sich selbst und natürlich vom großen Dirk Nowitzki. Aus heutiger Sicht sieht dieses Bild mehr als komisch aus: Nowitzki ist riesig, der Rest der Truppe zu klein, was soll eigentlich die Krawatte und last but not least - es geht gegen alle Regeln der journalistischen Distanz.

Dirk Nowitzki Maximilian Hofmann Ingo Becker (DW/I.Becker/M.Hofmann)

Dirk Nowitzki und die beiden Zwerge (links: Ingo Becker, rechts: Max Hofmann)

Aber: Deutschlands Basketball-Lichtgestalt bietet kaum Angriffsfläche, nicht nur auf dem Feld. Kritik wirkt an den Haaren herbeigezogen angesichts der Lebensleistung, der viel beschriebenen Bodenständigkeit, der Verehrung, die sich dieser Mann vor allem in Dallas 19 lange Jahre hart erarbeitet hat. Selbst der Journalist kann sich da kaum zurück halten und ist auch immer ein bisschen Fan.

Letzter großer Meilenstein

Aber zurück in die Vergangenheit. 2011 war das Jahr, in dem aus Nowitzki nur noch "Dirk" wurde. Diese höchste Stufe des Superstar-Daseins haben US-Sportler erreicht, wenn zur Identifikation maximal zwei Silben ausreichen: Magic, Jordan, Kobe. 2011 gewann Dirk den wichtigsten Titel im Basketball, er wurde NBA-Meister und als wertvollster Spieler der Finalserie ausgezeichnet. Anders ausgedrückt: Er zwang seinen Verein, die Dallas Mavericks, förmlich zum Sieg.

Seither wurde es wieder ruhiger um den großen Blonden, mit fast 39 Jahren ist er nun im Spätherbst seiner Karriere. Das Durchbrechen der 30.000 Punkte-Schallmauer ist wohl der letzte große Meilenstein seiner außergewöhnlichen Geschichte. Und es ist der richtige Zeitpunkt, nicht nur die Deutschen daran zu erinnern: Dirk Nowitzki ist in vielerlei Hinsicht Deutschlands wichtigster Sportler.

Und zwar aus diesen Gründen:

  • Er hat im Alleingang eine der erfolgreichsten Sportarten weltweit für eine ganze Nation definiert. Sein Name ist Synonym für deutschen Basketball.
  • Er hat den Weg geebnet für alle ihm folgenden ausländischen Spieler in der National Basketball Association (NBA), vor allem die aus Europa. Vor ihm galten die Importe als "soft" - zu weich - und schienen nicht auf Augenhöhe mit den US-Stars.
  • Er hat das Spiel an sich revolutioniert, indem er eine ganze Position neu definiert hat (was bei nur fünf Positionen nicht so einfach ist). Die sogenannte "Stretch Four", also der lange Lulatsch, der nicht nur unter dem Korb herumlungert, sondern auch jenseits der Dreipunkte-Linie tätig ist, geht maßgeblich auf ihn zurück.
  • Er hat seinen eigenen, ikonischen Wurf kreiert, den "Fadeaway Jump Shot" (Sprungwurf im Rückwärtsfallen mit angezogenem Knie, siehe Video unten). Dieser Wurf steht nun in einer Reihe mit Kareem Abdul-Jabbars legendärem Skyhook und wird von nachfolgenden Spielergenerationen fleißig kopiert. 
  • Er war durch seine angenehme, bodenständige Art (Ja, so ist er wirklich, trotz rund 230 Millionen Euro Gesamteinnahmen bisher) auch der beste Botschafter Deutschlands, den es in den USA je gab. Sein Arbeitsethos und sein Erfolg haben in Dallas eine ganze Stadt inspiriert und im Meisterschaftsjahr Millionen Sportfans in den ganzen USA.

Schaut auf diesen Dirk

Wer sich Interviews und Auftreten junger Fußballer in Europa heute anschaut, mit ihrem perfekten Styling, mit den nichtssagenden Interviews direkt aus der Worthülsen-Klonfabrik, der kann ihnen nur zurufen: "Leute, schaut auf diesen Dirk!".

Nowitzki ist manchmal brummig, manchmal fröhlich, immer professionell. An manchen Tagen Weltklasse, an anderen guter Durchschnitt - aber immer hart arbeitend. Er ist authentisch, schlecht angezogen und trotzdem eine Legende. Nun steht sein Name endgültig in einer Reihe mit Michael Jordan, Karl Malone und Kareem Abdul-Jabbar. Nur fünf Spieler haben in der Geschichte der NBA mehr Punkte erzielt als Nowitzki. Das ist Wahnsinn. 30.000 Punkte. Dirk!

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