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Asien

Kommentar: Deutschland und Indien rücken zusammen

Bei seinem Deutschlandbesuch vertiefte Indiens Premier Modi nicht nur die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder. Auch in anderen Politikfeldern sind Indien und Deutschland enger zusammengerückt, meint Mahesh Jha.

Indiens Premierminister Narendra Modi reiste eigens zur Eröffnung der Hannover-Messe nach Deutschland. Und das hatte durchaus Symbolkraft. Indien ist das diesjährige Partnerland der größten Industriemesse der Welt. Es folgten drei Tage voller intensiver Gespräche mit Kanzlerin Merkel und wichtigen Vertretern aus der deutschen Politik und Wirtschaft, die ein neues Kapitel der deutsch-indischen Beziehungen aufschlagen könnten.

In Modis Vision spielt Deutschland eine wichtige Rolle

Dass Modis lang erwarteter Staatsbesuch in Deutschland gerade zum Start der Hannover-Messe erfolgte, passt gut zu seinen derzeitigen Anstrengungen, mit denen er versucht, Indiens wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, Millionen Arbeitsplätze zu schaffen und den Produktionssektor zu stärken. Hierbei kann Indien deutsches Wissen und deutsche Hilfe sehr gut gebrauchen. Ob es um regenerative Energien geht, um nachhaltige Stadtplanung oder um die Modernisierung der Infrastruktur – in vielen Bereichen wollen Indien und Deutschland in Zukunft deutlich enger zusammenarbeiten. Auf der anderen Seite ist Deutschland aufgrund seines demografischen Wandels auch auf junge indische Fachkräfte angewiesen.

DW-Redakteur Mahesh Jha. (Foto: DW)

DW-Redakteur Mahesh Jha

In Modis politischer Vision spielt Deutschland eine sehr wichtige Rolle für die Entwicklung seines Landes. Die mehr als 1,2 Milliarden Menschen in Indien leben zu fast 60 Prozent auf dem Land, weshalb Indien bis heute vom Agrarsektor abhängig ist. Um den Lebensstandard zu erhöhen, wird das Land seine Produktionsbasis vergrößern und in Industrien mit höherer Wertschöpfung investieren müssen. Nur so wird der Lebensstandard von Millionen Menschen steigen, Modi sein Wahlversprechen einlösen und seine Partei an der Macht bleiben. Das erklärt, warum er schon letztes Jahr auf seinem Rückweg von Brasilien unbedingt nach Deutschland kommen und Angela Merkel treffen wollte. Das Treffen kam nur deshalb nicht zustande, weil die Kanzlerin bereits auf dem Weg nach Brasilien war, um dort der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zuzujubeln.

Indien muss noch viele Hausaufgaben machen

Jetzt endlich hatten beide Regierungschefs Zeit für ein dreitägiges Treffen, auf dem sie genügend Möglichkeiten hatten, sich auszutauschen. Es ist offensichtlich, dass beide Länder ihre bilateralen Beziehungen stärken wollen. Angela Merkel hat ganz offen erklärt, was sich die deutsche Wirtschaft von Indiens Regierung wünscht: Weitergehende Reformen und faire Bedingungen für alle Akteure sind Bedingungen für ein größeres Engagement. Im Gegenzug sagte sie die Unterstützung bei den Verhandlungen über das indisch-europäische Freihandelsabkommen zu.

Man sollte meinen, dass ein Land mit einem prognostizierten Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent keine Ratschläge braucht. Aber Indien muss noch viele Hausaufgaben machen, bevor die Investoren dem Land die Tür einrennen. Eine schlechte Infrastruktur, schwierige Vorschriften beim Erwerb von Grundstücken und ein kompliziertes Steuersystem sind die größten Sorgen der deutschen Wirtschaft in Indien. Modi versprach schnelle Reformen. Kanzlerin Merkel nahm den Ball schnell an und will die Chance nutzen, sich an diesen Prozessen zu beteiligen. Sie schlug vor, die aktuellen Fragen bei den nächsten gemeinsamen Regierungskonsultationen, die für den Herbst angesetzt sind, noch einmal zu besprechen.

Der Zeitplan für die hochrangigen Regierungskontakte in diesem Jahr zeigt, wie eilig es beide Länder haben. Nun ist der Reset-Knopf gedrückt worden. Es ist Zeit zum Handeln. Neben verbesserten Rahmenbedingungen für Investitionen wäre es notwendig, eine breit angesetzte Infrastruktur für den gegenseitigen menschlichen Austausch zu schaffen. Denn Menschen fördern, erhalten und erweitern die bilateralen Beziehungen. Modi ist ein Mann, der sich seiner Mission bewusst ist. Beim Gespräch hat er seine Leidenschaft für die Entwicklung unter Beweis gestellt. Er hat einen Löwen zum Maskottchen für das Markenzeichen "Make in India" gemacht. Bundeskanzlerin Merkel hat versprochen, auf ihrem nächsten Indienbesuch in diesem Jahr einen Adler mitzubringen. Der "König der Tiere" und der "König der Lüfte" sind gute Partner für eine ganz besondere Beziehung.

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