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Standpunkt

Kommentar: Deutschland braucht autonom fahrende Autos auf seinen Straßen

Der Bundestag diskutiert die Zulassung autonom fahrender Autos. Dieses Gesetz ist Voraussetzung dafür, dass Deutschland auch künftig in der Automobil-Innovation führend bleibt, meint Fabian Schmidt.

Am Freitag hat der Bundestag in erster Lesung über eine Änderung des Straßenverkehrsgesetzes diskutiert, die keinen Autofahrer in Deutschland kalt lässt: Der Gesetzentwurf sieht vor, dass der Mensch hinter dem Lenkrad in Zukunft die Verantwortung über das Fahrzeug einem Autopiloten überlassen darf.

Für ein Land, in dem das Automobil vor über 130 Jahren erfunden wurde und in dem weltweit führende Forschung und Entwicklung betrieben wird, war das längst überfällig. Im Silicon Valley fahren vollautonome Autos schon seit Jahren auf allen möglichen Straßen. Deutsche Autohersteller betreiben bisher dort ihre entsprechende Forschung und Entwicklung. Warum also nicht auch hier?

Autonomes Fahren ist auf gut ausgebauten Straßen schon jetzt sehr sicher. Die langen Versuchsreihen in den USA zeigen: Die Zahl der Unfälle liegt deutlich unter dem, was menschliche Fahrer anrichten.

Schmidt Fabian Kommentarbild App

DW-Wissenschaftsredakteur Fabian Schmidt

Wenn der Computer steuert, haftet der Hersteller

Das wichtigste an der geplanten Gesetzesnovelle ist, dass der Mensch künftig Rechtssicherheit hat: Es gibt Straßensituationen, in denen er den Autopiloten einschalten darf - etwa bei guter Sicht und schönem Wetter auf der Autobahn. Dann haftet der Hersteller des Autos, falls es doch zu einem Unfall kommt.

Fordert indes der Computer den Menschen auf, das Steuer zu übernehmen, muss er das "unverzüglich" tun. In diesem Moment trägt dann wieder der Mensch die Verantwortung. Eine Black-Box zeichnet für drei Jahre auf, was genau passiert.

Aus der Perspektive des Datenschutzes ist das zwar viel zu lang und müsste noch strenger geregelt werden. Aber eine Aufzeichnung ist zweifellos nötig: So lässt sich nach einem Unfall oder wenn der Wagen geblitzt wurde, feststellen, wer die Schuld hatte: Fahrer oder Computer?

Was wäre wenn?

Berufsbedenkenträger bemängeln, dass die Regelung, wann der Mensch das Steuer zu übernehmen habe, zu schwammig sei. Das stimmt aber nicht: Was "unverzüglich" bedeutet, ist zwar eine Interpretationsfrage, wenn es um Reaktionszeiten von wenigen Sekunden geht. Dennoch ist eine solche Regelung sicher auch für Juristen handhabbar. Die haben ähnliche Güterabwägungen ja auch bei den vielen Unfällen mit menschlicher Beteiligung tagtäglich zu treffen.

Nicht alles im Leben lässt sich eben haarklein regeln. Mit der Einführung der Technik werden auch die entsprechenden Erfahrungen kommen. Das gleiche gilt übrigens auch für ein oft konstruiertes Konflikt-Szenario: Wie soll der Computer reagieren, wenn ein Kind in den fließenden Verkehr läuft, ein Ausweichen aber zu einer Kollision mit dem Gegenverkehr führen würde?

Für menschliche Fahrer können sich Gesetzgeber und Juristen das einfach machen. Sie sagen einfach: Niemand hat ein Recht zwischen dem einen oder dem anderen Leben abzuwägen. Das heißt: Der Fahrer handelt irgendwie instinktiv - entweder er überfährt das Kind, oder kracht in den Gegenverkehr. Ein Urteil, ob er in dem Moment richtig gehandelt hat, wird kein Richter fällen.

Grundsätzlich muss das auch für Computer und ihre Programmierer gelten: Solange die Entwickler nach jeglichem menschlichen Ermessen alles getan haben, dass der Rechner eine irgendwie geartete Unfallgefahr frühzeitig erkennt, bremst, ausweicht und eine Kollision vermeidet, trifft sie keine Schuld - selbst wenn es durch eine unglückliche Fügung doch dazu kommt.

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Roboter fahren rücksichtsvoller

In den allermeisten Fällen wird das auch nicht passieren, denn die Erfahrung zeigt, dass computergesteuerte Autos viel rücksichtsvoller fahren als Menschen und kaum Unfälle verursachen. Eher ist zu befürchten, dass rücksichtslose Raser und Drängler es den autonomen Autos schwer machen - sie abdrängen und ausbremsen. Und weil die autonomen Autos ja - anders als viele Menschen - die gesetzlichen Sicherheitsabstände respektieren, werden sie dann in dichtem Verkehr immer langsamer werden.

Der Löwenanteil aller Unfälle geht auf Raserei, Alkohol und Drogen, Telefonieren am Steuer oder Übermüdung zurück. Und das trifft einen Punkt, an dem die Gesetzgeber in Deutschland ruhig doch noch etwas besser machen könnten: Ein allgemeines Tempolimit würde die Autobahnen für alle sicherer machen - für Computer und Menschen am Steuer gleichermaßen. Und trotzdem kämen alle schnell und sicher ans Ziel.

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