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Politik

Kommentar: Deutsche Tornados lösen die Probleme am Hindukusch nicht

405 von 573 Abgeordneten haben im Bundestag für den Einsatz von Tornado-Aufklärungsflugzeugen in Afghanistan gestimmt. Die Mehrheit ist das Ergebnis sehr nüchterner Überlegungen, meint Nina Werkhäuser.

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Auch die deutschen Tornados werden die Probleme nicht lösen, die die NATO in Afghanistan hat. Das ist allen Beteiligten bewusst - der Bundesregierung, der Bundeswehr und den Parlamentariern, die den Einsatz der Aufklärungsflugzeuge abgesegnet haben. Es war eher eine pragmatische Entscheidung nach dem Muster: Wer A sagt, muss auch B sagen. Die mehr als 150 Gegenstimmen sprechen für sich. 3000 deutsche Soldaten sind schon in Afghanistan, jetzt werden 500 weitere geschickt, um die Luftaufklärung der NATO-Truppe zu verbessern. Wer kann schon Nein sagen, wenn das Bündnis um Hilfe ruft. Die Bundesregierung sicher nicht. Aber auch sie ließ bisher im Vagen, wie der Auftrag der Tornados genau aussehen wird und was er bewirken kann.

Klare Aufklärungsfähigkeiten

Das Schlagwort von der "Aufklärungslücke" klingt dramatisch, sagt aber wenig. Bekannt ist: Die Tornados können aus großer Höhe die kleinsten Details am Boden fotografieren, bei Tag und bei Nacht. Bekannt ist aber auch: Die Fotos müssen nach der Rückkehr der Flugzeuge erst entwickelt und ausgewertet werden, bevor sie den Bodentruppen der NATO nützen können. Im Bosnien-Krieg entdeckten deutsche Tornado-Piloten die Besatzung eines abgeschossenen französischen Kampfflugzeugs.

Während der Elbe-Flut im Sommer 2002 fanden sie die Risse in den Deichen. Niemand bestreitet die Aufklärungsfähigkeiten der Tornados, die sicher auch in Afghanistan hilfreich sein können. Aber gegen Selbstmordattentäter oder kleine Gruppen von Taliban, die sich in unwegsamem Gelände rasch bewegen, helfen auch noch so gute Luftaufnahmen nur bedingt. Vermutlich geht es mehr um das große Lagebild, das die NATO-Truppe bei ihrer Frühjahrs-Offensive gegen die Taliban unterstützen soll.

Ein Scheitern ist nicht ausgeschlossen

Vom Erfolg dieser Offensive hängt viel ab - ein Teil dessen, was in den letzten fünf Jahren in Afghanistan erreicht wurde, steht auf dem Spiel. Aus militärischer Sicht ist es also nur konsequent, dass die NATO alles aufbietet, was die Truppensteller an Fähigkeiten zu bieten haben. Es zeugt aber auch von einer gewissen Ratlosigkeit im scheinbar endlosen Kampf gegen die Taliban. Ein Scheitern am Hindukusch ist nicht ausgeschlossen, das wissen auch die Parlamentarier in Berlin.

Der kaltblütige Mord an einem deutschen Entwicklungshelfer belegt einmal mehr: Aufs Militär kann noch nicht verzichtet werden, so wünschenswert es auch wäre. Aber der lange Kampf und die zivilen Opfer bringen Teile der Bevölkerung gegen die NATO-Soldaten auf. Und nicht nur gegen sie, sondern gegen Ausländer insgesamt - ein Teufelskreis. Also wird das deutsche Kontingent eher murrend als aus tiefer Überzeugung noch einmal aufgestockt. Auch in der stillen Hoffnung, dass die NATO in den nächsten Monaten keine weiteren Anforderungen an die Bundesregierung stellen wird.