Kommentar: Deutsche Bank - wird das jemals besser? | Kommentare | DW | 02.02.2018
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Standpunkt

Kommentar: Deutsche Bank - wird das jemals besser?

Und wieder keine guten Nachrichten von der Deutschen Bank. Schuld ist zwar dieses Mal Donald Trump, aber das reicht als Ausrede nicht. Die Bank braucht einen Befreiungsschlag - und zwar bald, meint Henrik Böhme.

Was für Volkswagen die Abgastests mit Affen sind, das sind für die Deutsche Bank die Bonus-Zahlungen für ihre Investmentbanker.

Gleich zu Beginn des Jahres sorgte Deutschlands Geldhaus Nummer Eins für schlechte Nachrichten: Dass man 2017 keinen Gewinn, sondern Verlust gemacht hat. Nur ein paar Tage später kam heraus, dass die Bank den Bonus-Topf trotzdem wieder ordentlich gefüllt hat: Auf gut eine Milliarde Euro dürfen sich die Investmentbanker im März freuen.

Dabei hatte die Führung der Bank sich und anderen doch Enthaltung verordnet. Funktioniert aber nicht, weil die Investmentbanker offenbar mit einem extrem starken Willen ausgestattet sind, dorthin zu gehen, wo es mehr zu verdienen gibt.

Das verflixte Boni-Problem

Deswegen hat sich die Bank nun entschlossen, eine "Halteprämie" zu zahlen. Von Boni sprechen sie in den Türmen zu Frankfurt eher nicht, sie sagen lieber "flexible Vergütung". Vielleicht müsse er, so sagte es Bankchef John Cryan (Artikelbild), doch mal wieder nach Berlin fahren, um dort zu kommunizieren. Wohl mit den Politikern, die die neuerlichen Bonuszahlungen lautstark kritisiert hatten. Aber die reden ja zurzeit über ganz andere Dinge und werden keine Zeit dafür haben.

Boehme Henrik Kommentarbild App

Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

Nun also hatte die Bank nach Frankfurt geladen, um Analysten und Journalisten zu erläutern, warum es trotz eines erneuten Jahresverlustes - schon der dritte in Folge - langsam besser wird, und wie der Umbau des Hauses, das einst so wahnsinnig wichtig und von sich überzeugt war, vorankommt.

In der Tat ist in den vergangenen zwei Jahren wirklich einiges passiert. Blöd nur, dass das Umfeld nicht passt. Nullzinsen machen nicht nur der Deutschen Bank zu schaffen, aber die Frankfurter leiden eben am meisten darunter. Das liegt auch an den im Branchenvergleich zu hohen Kosten, die die Bank zu stemmen hat. Für Rechtsstreitigkeiten, für den IT-Umbau (Cryan hat das mal als Steinzeit-IT bezeichnet). Heute sagt er stolz, statt mit 45 verschiedenen Systemen würde man nur noch mit 32 arbeiten. Andersherum zeigt das aber, was da noch zu tun ist, bis es flutscht.

Draghi, Trump und ein Jubiläum

Klar, würde Mario Draghi, der EZB-Chef vom Bankenturm um die Ecke, die Zinsen anheben, würde das der Deutschen Bank helfen. Ein Prozentpunkt rauf, und die Bank könnte 1,4 Milliarden Euro zusätzlich erlösen. Macht Herr Draghi aber nicht, auch nicht in diesem Jahr.

Dafür macht ein anderer Mann etwas, und auch das ärgert die Deutschbanker. Donald Trump, der Dealmaker im Weißen Haus, hat mit seiner Steuerreform allen Banken, die in den USA unterwegs sind, ein Ei ins Nest gelegt. Einmalig müssen sie hohe Abschreibungen vornehmen, das sorgt bei allen für Kratzer in der Bilanz. Einzig der Deutschen Bank versaut es die Stimmung so richtig, sie muss einen Verlust vermelden, die anderen verdienen genug, um das auszugleichen. Es ist also wie schon oft geschrieben: Es muss erst noch schlechter werden, bevor es wieder besser wird.

Da kann John Cryan, 57 Jahre, Brite, Typ nüchterner Arbeiter, noch so auf Erfolge verweisen, die es zweifelsohne gibt. Aber es scheint ein Fluch auf den Frankfurter Zwillingstürmen zu liegen. Wird irgendwo eine Baustelle fertig, tut sich anderswo ein neue auf. Beispiel gefällig: Da hatte man sich gefreut über einen neuen Großinvestor aus China, jetzt zeigt sich, dass das Firmenkonglomerat namens HNA in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Das wäre an sich nicht schlimm, blöd nur, dass die Chinesen mit knapp zehn Prozent neben den Scheichs aus Katar zu den größten Anteilseignern der Bank gehören.

John Cryan hatte nach seinem Amtsantritt im Sommer 2015 das Jahr 2018 als das "Jahr der Trendwende" ausgerufen. Er hat jetzt die Hälfte seines Fünf-Jahres-Vertrages erfüllt. 2020 feiert die einst so stolze, große, wichtige Deutsche Bank ihren 150. Geburtstag. Ob John Cryan das noch erleben wird als Vorstandschef? Die großen Gläubiger und die Kleinaktionäre - sie alle warten sehnlichst auf gute Nachrichten. Kann Cryan liefern? Die Wetten laufen.  

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