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Finanzwirtschaft

Kommentar: Deutsche Bank versucht Großumbau - mal wieder

Die Deutsche Bank begräbt ihren Traum, in der Weltliga mitzuspielen. Um endlich wieder auf einen grünen Zweig zu kommen, besinnt man sich auf den Heimatmarkt. Das kann klappen, muss aber nicht, meint Henrik Böhme.

Bei der Deutschen Bank lieben sie Sonntage. Als man im Sommer 2015 den glücklosen Vorstandschef Anshu Jain in die Wüste schickte, da tat man dies an einem Sonntag. Und nun wieder: Ein gewaltiger Umbau samt milliardenschwerer Kapitalerhöhung - verkündet an einem Sonntag. Die sieben Seiten lange Pressemitteilung, verschickt um 16:42 Uhr, sie hat es in sich. Das Ziel der geplanten Operation: Die Deutsche Bank soll wieder deutscher werden. 

Postbank bleibt

Dafür sprechen die Fakten: Die Postbank mit ihren vielen Millionen Privatkunden soll nach langem Gezerre nun doch eine Tochter der Deutschen Bank bleiben. Nicht etwa, weil die Frankfurter plötzlich einen großen Gefallen an den Bonnern gefunden hätten. Nein, das nicht. Es fand sich einfach kein Käufer, nicht mal in China, der sich in Zeiten von Niedrigzinsen und inmitten des digitalen Umbruchs - der auch die Bankenbranche erfasst hat - eine Filialbank antun wollte. Zumindest nicht für den Preis, den die Deutsche Bank erzielen wollte.

Boehme Henrik Kommentarbild

Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

Zudem wird die neue Ausrichtung auf den Heimatmarkt mit zwei Personalentscheidungen untermauert: Vorstandschef John Cryan bekommt mit Marcus Schenck und Christian Sewing zwei deutsche Stellvertreter - man könnte auch sagen: Kronprinzen, die sich ab sofort um die Nachfolge von John Cryan bewerben dürfen. Denn der, das ist nach diesem Sonntag klar, wird seinen Vertrag, der bis 2020 läuft, wohl nicht verlängern. Schenck war bislang Finanzvorstand, Sewing Deutschland-Chef der Bank. Einer der beiden wird ihn beerben.    

Ungeliebte Kapitalerhöhung

Aber natürlich muss die neue Strategie auch finanziell untermauert werden. Denn zuletzt hat die Bank vor allem Verluste gemacht - und zwar gigantisch hohe. Der Druck auf den Vorstandschef, endlich mit einer neuen Strategie aus der Deckung zu kommen, er war immer größer geworden, vor allem auch vom Großaktionär Katar. Den Scheichs gehören mittlerweile über zwei Investmentgesellschaften über acht Prozent der Aktien von Deutschlands größtem Geldhaus.  

Denen wird nicht wirklich gefallen, was die Bank außerdem mitzuteilen hatte: Drei Jahre nach der letzten Kapitalerhöhung muss die Bank erneut ihre Anleger anzapfen. Acht Milliarden will man durch die Ausgabe neuer Aktien einnehmen. Das wollte man unbedingt vermeiden - und jede Nachfrage auf den Pressekonferenzen der letzten Monate wurde abgeblockt. Nein, das haben wir nicht nötig, wir sind gut aufgestellt, haben 200 Milliarden Barreserven im Tresor. Auch die sogenannte Eigenkapitalquote - das ist die wichtigste Kennzahl, was die finanzielle Stabilität im Krisenfalle angeht - sie hatte sich in der Tat positiv entwickelt. Kapitalerhöhungen, also die Ausgabe neuer Aktien, sehen Anleger nie gerne, weil dies den Wert ihrer Papiere mindert. Damit die Anleger das einigermaßen verschmerzen, kündigte die Bank die Zahlung einer zumindest kleinen Dividende an. Darauf hatte man angesichts der Milliardenverluste der letzten Zeit zuletzt verzichtet.

Zudem plant die Bank, Teile der gut laufenden Vermögensverwaltung abzuspalten und an die Börse zu bringen - auch das dürfte einige Milliarden in die Kassen spülen. 

Kleinere Brötchen

Bleibt festzuhalten: Die Deutsche Bank besinnt sich auf ihre alten Stärken. Sie will in Deutschland "klarer Marktführer" im Firmen- und Privatkundengeschäft sein, sie will dabei sein, wenn Unternehmen große oder kleine Investitionen planen - oder Übernahmen und Fusionen stemmen wollen. Denn mal ehrlich: Es kann doch nicht angehen, dass der deutsche Chemiekonzern Bayer einen 66-Milliarden-Dollar Deal einfädelt - und die Deutsche Bank an der Finanzierung nicht beteiligt ist. Das soll wieder anders werden.

Bei der Deutschen Bank werden ab sofort kleinere Brötchen gebacken. Eine Garantie, dass dieser erneute Strategieschwenk von Erfolg gekrönt ist, gibt es freilich nicht. Die Zeiten, gerade auch in der Bankenbranche, ändern sich aktuell radikal. Nur wenn es den Frankfurtern gelingt, diesen Spagat zu schaffen - Restrukturierung und Digitalisierung - nur dann können sie ihren 150. Geburtstag im März des Jahres 2020 in einigermaßen gelöster Stimmung feiern.  

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