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Fußball

Kommentar: Der Sieg des Herzens

Kurz vor dem Derby gegen Dortmund gibt Schalke die Vertragsverlängerung mit Kapitän Höwedes bekannt. Ein kluger Schachzug und eine Motivationsspritze zum rechten Zeitpunkt, meint DW-Sportreporterin Olivia Fritz.

Portraitfoto Olivia Fritz (DW) (Foto: Michael Palm, Palm-Pictures)

Olivia Fritz (DW)

Was haben sich Fußballexperten, -trainer und -fans schon alles überlegt, um vor wichtigen Spielen das entscheidende Quäntchen mehr aus der eigenen Mannschaft herauszukitzeln: Trainingslager, die ganz heimlich in einem Kloster abgehalten werden, Mut machende Spruchbänder beim Abschlusstraining oder ganz besondere Siegprämien, gern auch mal in flüssiger Form. Aber es geht auch anders: Der FC Schalke 04 hat für das Derby gegen den Erzrivalen Borussia Dortmund offenbar genau das richtige Mittel gefunden. Unmittelbar vor dem Anpfiff verkündete der Verein unter donnerndem Applaus über die Stadionlautsprecher die Vertragsverlängerung mit seinem Kapitän und Publikumsliebling Benedikt Höwedes bis 2017. Dessen Vertrag wäre nächstes Jahr ausgelaufen, zuletzt hatte es immer wieder Gerüchte über starkes Interesse des FC Bayern München gegeben. Welch gelungenes Kunststück: Auf dem Platz war noch gar nichts geschehen und dennoch glich das Stadion bereits einem Tollhaus – von Jubelschreien begleitet ging es in die Partie, und die Schalker Spieler bekamen ein Gefühl dafür, was bei einem Tor zu erwarten wäre.

Die Identifikationsfigur und ihr kleiner Bruder

Es sind Identifikationsfiguren wie Höwedes, die jeder Verein und vor allem die Fans brauchen. Ein mit 25 Jahren noch junger Leistungsträger, der die Mannschaft als Kapitän anführt. Ein Junge aus der Region (Höwedes stammt aus dem gut 30 Kilometer entfernten Haltern). Ein Bundesligaprofi, der bei dem Verein bleiben will, für den er seit zwölf Jahren spielt. Trotz Krise, trotz Querelen um den Trainer, trotz lockender Angebote anderer europäischen Topklubs. Warum immer in die Ferne schweifen, wenn es zu Hause so schön ist? Schalke sei seine Heimat und seine Liebe, erklärte Höwedes. Er fühle sich sehr, sehr wohl.

Sein "Ja" zu Schalke hat nicht nur die Fans beglückt: Auch die Kollegen werden das sehr wohl zur Kenntnis nehmen. Kollegen wie Youngster Julian Draxler. Der ist 19 Jahre jung, stammt aus Gladbeck, also auch aus dem Umfeld Gelsenkirchens und hat ebenfalls die Jugendabteilung bei Schalke durchlaufen. Draxler ist also genau wie Höwedes ein königsblaues Eigengewächs und man nimmt ihm das auch ab: Nach dem Derby-Treffer gegen Dortmund deutete er auf das Schalke-Logo seines Trikots. Eine ehrliche Geste, die von vielen leider zu oft missbraucht wird.

Höwedes und Draxler – das sind zwei junge Typen, die mit Herz, Leidenschaft und Stolz ihre Vereinsfarben tragen. Und für die Spiele gegen den Reviernachbarn noch echte Derbys sind. Eine Waffe, die Schalke-Boss Tönnies nicht hergeben wird: Höwedes und Draxler seien unverkäuflich, sagte er kürzlich. Benni sei das Gesicht von Schalke. Und Julian Draxler sei sein jüngerer Bruder. Der Liebesbeweis kam jedenfalls zum perfekten Zeitpunkt: Denn vielleicht hat er für das berühmte Quäntchen gesorgt, das Höwedes, Draxler und allen anderen Schalkern einen erfolgreichen Tag und den vielleicht schönsten Sieg des Jahres beschert hat.