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Welt

Kommentar: Der Schneeball kommt ins Rollen

Zum ersten Mal seit dem Debakel von Kopenhagen 2009 kommt Bewegung in die internationale Klimapolitik, meint DW-Klimakorrespondentin Irene Quaile.

Wer hätte das gedacht? Die Routinegespräche des UN-Klimasekretariats in Bonn lösten in letzter Zeit selten Begeisterungsstürme aus. Frustration bis hin zu Verzweiflung waren eher an der Tagesordnung. Seit Kopenhagen 2009 fällt es überhaupt schwer, Optimismus in der Klimadebatte zu spüren. Die Erde erwärmt sich weiter, der CO2-Ausstoß steigt an, die Polkappen schmelzen, Stürme, Überflutungen und Dürren machen den Menschen schon längst nicht mehr nur in Entwicklungsländern zu schaffen. Gleichzeitig bewegen sich die zähen UN-Verhandlungen mit der Geschwindigkeit eines Riesengletschers. Diese waren bisher nicht für ihr schnelles Tempo bekannt. Aber mit der zunehmenden Erderwärmung kommen auch sie langsam in Fahrt. Und mit der schneller werdenden Eischmelze und dem dadurch ansteigenden Meeresspiegel legen auch die UN-Klimaverhandlungen vielleicht doch langsam einen Zahn zu.

Hoffnungsschimmer von den Klimasündern

Für die Medienkollegen sind die sommerlichen Arbeitstreffen der Klimaverhandler am Rhein sonst höchstens etwas fürs Sommerloch. Aber diesmal war es anders. Kurz vor Anfang der Bonner Gesprächsrunde brachte US-Präsident Barack Obama den 'Schneeball' ins Rollen. Um die Opposition der Republikaner zu umgehen, nutzt er Umweltregulationen und seine Umweltagentur, die EPA, um den Treibhausgas-Ausstoß von Kohlekraftwerken zu mindern. Innovative Lösungen sind gefragt. Wetterextreme zu Hause haben den Amerikanern das Fürchten vor dem Klimawandel gelehrt. Obama will als Klimapräsident in die Geschichte eingehen. Das kann der Erde nur gut tun.

Als China dann auch noch den Willen zu festen Emissionseinschränkungen in Aussicht stellte, horchte die Welt erst richtig auf. Auch das Hin und Her über die Details - das Wann, das Wie, ob nur die persönliche Meinung eines hochrangigen Vertreters oder Regierungspolitik - das alles kann die Hoffnung nicht wirklich dämpfen. Zum ersten Mal sieht es so aus, als könnten die größten Verursacher der klimaschädlichen Emissionen bereit sein zu handeln. Und während in den vergangenen zwei Wochen in Bonn verhandelt wurde, kamen weitere Hoffnungszeichen aus Indien und Lateinamerika.

Erneuerbare Energien auf dem Vormarsch

Zum Auftakt der Bonner Verhandlungen hatte eine breite Koalition aus Umweltschützern, Menschenrechtlern, Indigenen Völkern und Frauenrechtlern für einen weltweiten Umstieg auf erneuerbare Energien demonstriert. Im Laufe des Treffens bekannten sich 60 Länder zu einem kompletten Umstieg bis 2050. Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks hat zugegeben, dass das Land seine Ziele zurzeit nicht einhält. Sie kündigte aber an, Deutschland werde sich anstrengen, um ihr ehrgeiziges Ziel von einer 40-Prozent-Reduktion bis 2020 doch noch zu erreichen.

Wenn auch Europa es noch schafft, seine Ziele zu verschärfen und seine alte Position als Klimavorreiter wieder einzunehmen, wenn die Energiekrise in der Ukraine zur Erkenntnis führen könnte, dass erneuerbare Energien auch der Schlüssel zu Energieunabhängigkeit sind, dann wären die Weichen für eine erfolgreiche Klimakonferenz in Paris gestellt.

Aber selbst wenn die UN-Strukturen sich nicht schnell genug bewegen: Erneuerbare Energien sind auf dem Vormarsch. Im vergangenen Jahr gab es laut Angaben der UNEP mehr Investitionen in erneuerbare Energien als in Öl, Kohle und Gas zusammen. Auch außerhalb der UN-Gespräche finden Regierungen, Firmen und Verbraucher Gründe genug, um das Klima zu schonen. Der Klimaschneeball nimmt Fahrt auf. Noch ist das ewige Eis nicht verloren.

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