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Standpunkt

Kommentar: Der Präsident, der Weihnachten rettete

Der Streit zwischen den USA und Russland um Hackerangriffe während der US-Wahl endet mit einem Sieg des russischen Präsidenten. Putin hat US-Präsident Obama ausgekontert, meint Nicholas Connolly.

So gibt sich Wladimir Putin, ein Tag vor Silvester und dem Beginn  der Weihnachtsferien im größten Land der Welt: Die eigenen Diplomaten kommen noch rechtzeitig mit einer Regierungsmaschine aus den USA nach Moskau. Den Jahreswechsel müssen sie nicht über dem Atlantik verbringen. Auch die Vertreter der verhassten Obama-Regierung dürfen die zwei Wochen andauernde Ferienzeit in gewohnter Umgebung verbringen. Sie müssen das Land gar nicht erst verlassen. Mehr noch: Sie bekommen eine Einladung in den Kreml. Sie sollen mit ihren Kindern den festlich geschmückten Tannenbaum bestaunen.

Das Drohen überlässt Putin anderen

Der Schlagabtausch zwischen Moskau und Washington endet mit einem Punktsieg für Putin. Angefangen hat er mit einem Bericht der US-Nachrichtendienste: Russlands Regierung habe nachweisbar Hackerangriffe gegen amerikanische Ziele, angeordnet um den Ausgang der Präsidentenwahl zu beeinflussen. Als Reaktion lässt der noch amtierende US-Präsident Barack Obama 35 russische Diplomaten und ihre Familien ausweisen.

DW Nicholas Connolly Kommentarbild

DW-Redakteur Nicholas Connolly

Die Antwort Russlands folgt einer offenbar durchdachten Dramaturgie. Zunächst kündigt Außenminister Sergei Lawrow Vergeltung an. Man werde ebenfalls 35 US Diplomaten ausweisen und zwei Botschaftsanwesen schließen lassen. Die russische Botschaft in London verhöhnt Obama via Twitter als "lahme Ente". Und Premierminister Dmitri Medwedew wünscht der Obama-Regierung höhnisch, sie möge in Frieden ruhen.

Die Kunst des "Trolling"

Dann legt Putin großmütig sein Veto öffentlichkeitswirksam ein. Man habe zwar das Recht auf Vergeltung, werde aber Obamas verantwortungslose "Küchendiplomatie" nicht nachahmen. Die Sanktionen hätten das Ziel die Beziehungen zwischen den USA und Russland nachhaltig zu belasten. Das werde man nicht zulassen, unter der künftigen Regierung Trump würden sie erneut an Fahrt gewinnen. Und doch wünscht der russische Staatschef trotzig seinem noch amtierenden amerikanischen Amtskollegen Obama und der First Family ein frohes Neues Jahr. Vom künftigen Bewohner des Weißen Hauses erntet Putin begeistertes Lob: „Very smart" sei das gewesen twittert Trump.

In seiner Reaktion bleibt Putin letztendlich pragmatisch, lässt sich aber nicht die Freude nehmen, über seine Minister rhetorisch gegen die Obama Regierung auszuteilen. Die frommen Neujahrsgrüße an Obama werden von der russische Netzgemeinde gefeiert. Die Kunst des "Trolling", der emotionalen Provokation wie sie aus den sozialen Netzwerken bekannt ist, beherrsche Putin inzwischen perfekt.

Wer spricht jetzt noch von Hackerangriffen?

Nicht nur das. Der Kreml hat aus der Vergangenheit gelernt. Vorbei sind die Zeiten in denen die Öffentlichkeit in Krisenzeiten auf eine knappe Pressemeldung warten muss und der erste Mann im Staat vom Bildschirm verschwindet. Es werden alle Kanäle professionell bespielt. Dabei kommt ihm Russlands "gelenkte Demokratie" zugute. Über loyale Amtsträger lassen sich gut Botschaften erteilen, die der Präsident selber nicht aussprechen mag. Das Wirrwarr der Meinungsäußerung kann aber auch sehr schnell wieder auf Wunsch von oben beendet werden. Bei großen Entscheidungen reden weniger Leute mit, der russische Präsident kann schneller agieren.

Und wer spricht jetzt noch von den amerikanischen Ermittlungsergebnissen? Von Hackerangriffen?  Die Strategie zeigt Erfolg. Zumindest in Russland ist nur noch von Tannenbäumen und Landsleuten die unerwartet Silvester in der Heimat erleben die Rede. Auch wenn die amerikanischen Botschaftskinder doch nicht den Weg in den Kreml finden sollten.

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