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Kultur

Kommentar: Der Papst und die Karnickel

Papst Franziskus hat sich auf dem Rückflug von den Philippinen auf ungewohnte Weise für Familienplanung und Geburtenregelung ausgesprochen. Amüsante Verpackung mit bekanntem Inhalt, meint Klaus Krämer.

"Manche Menschen glauben - entschuldigen Sie den Ausdruck -, dass sich gute Katholiken wie Karnickel vermehren müssen", sagte der Papst mit Blick auf das Verhütungsmittelverbot in der katholischen Kirche. Mit dieser Aussage auf dem Rückflug von den Philippinen nach Rom erstaunte Franziskus nicht nur die mitreisenden Journalisten. Und dann erklärte er, manchmal sei es nicht mehr zu verantworten, noch mehr Kinder zu bekommen. Es gehe um "verantwortliche Elternschaft". Beim Wort "Karnickel" hört jeder hin – bei "verantwortlicher Elternschaft" wohl nur dann, wenn ihnen die hoppelnden, fruchtbaren Vierbeiner verbal vorangestellt werden. Clevere Dramaturgie!

'Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen', sagt der Volksmund. Für Papst Franziskus klingt das geflügelte Wort so: Wenn er eine Reise tut, hat er viel zu Plaudern. Nicht erst seit dieser Asienreise spitzen die Journalisten unterwegs die Bleistifte. Es könnten ja Schlagzeilen dabei herausspringen. Man erinnere sich an den Rückflug vom Weltjugendtag 2013. "Wenn jemand schwul ist und guten Glaubens den Herrn sucht - wer bin ich, über ihn zu urteilen?", fragte er damals und bekannte sich zu Homosexuellen in der Kirche.

Konservativ bleibt konservativ

Klaus Krämer, Fachredakteur der Deutschen Welle für Religion

Klaus Krämer, DW-Fachredakteur für Religion

Jetzt also plädiert Franziskus für Familienplanung im Rahmen der Ehe. Drei Kinder pro Ehepaar seien ideal, lässt er wissen. Eltern könnten die Zahl ihrer Kinder durchaus planen. Es gebe viele von der Kirche erlaubte Methoden, so der 78-Jährige.

Im Klartext heißt das: Die katholische Lehre verbietet auch weiterhin künstliche Verhütungsmittel wie Pille oder Kondom. Etwas anderes wäre auch eine Sensation. Franziskus bleibt also bei der konservativen Haltung von Papst Paul VI., der einst als Gegner der Anti-Baby-Pille als "Pillen-Paul" in die Geschichte einging. Immerhin gesteht der Papst mit seiner Äußerung ein, dass auch Katholiken Freude am Sex haben dürfen und dass nicht jeder Geschlechtsakt gleich ein Kind zur Folge haben müsse. So formuliert, klingt das volksnäher und freundlicher als die eher dozierende Sprache seines Professoren-Vorgängers Benedikt XVI.

Papstworte ein Vorspiel?

An dem Umstand, dass viele Gläubige die Haltung der katholischen Kirche zur Empfängnisverhütung für überkommen halten, hat sich gleichwohl nichts geändert. Auch nicht daran, dass viele Katholiken ihrem Papst in dieser Hinsicht die Gefolgschaft verweigern. Das hat die Umfrage zur außerordentlichen Familiensynode in Rom im vergangenen Herbst überdeutlich gezeigt. Die Synode selbst brachte dann wenig Neues. Beim Abschluss der Familiensynode im kommenden Herbst soll das Thema Sexualität erneut eine zentrale Rolle spielen. Zahlreiche Gläubige knüpfen daran die Hoffnung, dass die Kirche für den Bereich südlich des menschlichen Körperäquators eine neue Haltung findet.

Mit Blick auf diese Debatten haben Franziskus' geflügelte Worte etwas von einem - entschuldigen Sie den Ausdruck - Vorspiel. Reformbedarf ist da. Die katholische Kirche sollte zur Tat schreiten. Warum nicht mit dem Elan eines Kaninchens?