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Wirtschaft

Kommentar: Der neue Buhmann der Deutschland AG

Nach der Pleite des Handyherstellers BenQ steht Siemens-Chef Klaus Kleinfeld unter Beschuss. Zu Recht meint Henrik Böhme. Doch auch die frühere Siemens-Chefetage verdient Kritik.

Josef Ackermann ist seinen Job los. Denn bislang war der Deutsche-Bank-Chef der oberste Buhmann unter Deutschlands Top-Managern. Sein Victory-Zeichen im sogenannten Mannesmann-Prozess war nur die Spitze der kommunikativen Ungeschicktheiten. Die gleichzeitige Verkündung massiver Stellenstreichungen und neuer Rekordgewinne brachte das Fass zum Überlaufen. Aber Ackermann hat jetzt einen würdigen Nachfolger: Er heißt Klaus Kleinfeld und ist seit bald zwei Jahren Vorstandschef des Siemens-Konzerns. In dieser relativ kurzen Zeit hat er eines von Deutschlands Vorzeige-Unternehmen radikal umgebaut.

Und zwar nicht mit Sinn und Verstand, sondern nur getrieben von der schnellen Rendite. Verlustbringer hatten da keinen Platz mehr – so auch die chronisch defizitäre Mobil-Telefon-Sparte. Weil sich kein Käufer fand, wurde sie vor einem Jahr verschenkt an den taiwanischen BenQ-Konzern – plus millionenschwerer Mitgift. Schon damals machte das böse Wort vom Sterbegeld die Runde.

Fehler sind schon vor Jahren gemacht worden

Und nun, fast auf den Tag genau ein Jahr nach dem offiziellen Start der neuen Firma, der Gang zum Insolvenzrichter. Der Mutterkonzern in Taipeh sah sich nicht mehr in der Lage, die massiven Verluste aufzufangen und drehte kurzerhand den Geldhahn zu. Was bleibt, ist der Verlust von 3000 Jobs. Und eine große Wut. Vor allem auf den alten Eigentümer Siemens: Erst verkauft und dann verraten, so der Vorwurf.

Denn die Fehler sind in der Tat in der Siemens-Chefetage gemacht worden, und zwar nicht erst heute, sondern schon vor Jahren: Erst als sich Nokia und Motorola den Weltmarkt mehr oder weniger aufgeteilt hatten, wachte man in München auf. Aber richtig auf die Beine kam die Siemens Handy-Sparte nie. Den Markt falsch eingeschätzt, mit Design und Bedienbarkeit stets auf Kriegsfuß – zuletzt schrumpfte der Weltmarktanteil auf magere drei Prozent.

Und hier kommt Klaus Kleinfeld ins Spiel. Denn bevor er zum Vorstandschef berufen wurde, war er auch mal Chef der Telefonsparte – und hat viele Fehlentscheidungen der Vergangenheit zu verantworten. Genau wie sein Amtsvorgänger und heutiger Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer. Dass von Pierer nun gerade eine saftige Gehaltserhöhung für den Siemens-Vorstand durchgewunken hat, ist eines von diesen kommunikativen Missgeschicken, wie sie in deutschen Konzernen immer wieder zu bewundern sind.

Von der Konkurrenz lernen

Ob es dem heftig beschädigten Image von Siemens helfen wird, dass der Vorstand angesichts der jüngsten Entwicklung und des massiven Drucks aus der Öffentlichkeit auf die Gehaltserhöhung verzichtet hat – und das Geld stattdessen in einen Hilfsfonds für betroffene BenQ-Mitarbeiter steckt, muss man abwarten.

Vielleicht nutzen die Siemens-Manager die Zeit, um mal bei der Konkurrenz vorbei zu schauen. Denn Nokia und Motorola zeigen seit Jahren, wie man auch in Deutschland profitabel Handys produzieren kann. Und vielleicht sollte es beim nächsten Siemens-Manager-Meeting mal nicht nur um Zahlen gehen, sondern auch um Begriffe wie Anstand, Moral und Ehrlichkeit.

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