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Deutschland

Kommentar: Der Nationalismus hat keine Zukunft

Der Bundestag gedachte des Beginns des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren. Die Reden von Parlamentspräsident Norbert Lammert und des deutsch-französischen Publizisten Alfred Grosser lassen nur eine Lehre zu, meint Martin Muno.

In der Gedenkstunde des Bundestags zum Beginn des 1. Weltkriegs ging es nicht nur darum, der rund 17 Millionen Toten, der Verstümmelten und Verletzten zu gedenken. Es ging auch um die Frage, die Parlamentspräsident Norbert Lammert stellte: "Was geht uns heute der 1. Weltkrieg an?"

Dabei geht es um mehr als die Erinnerung an unermessliches Leid oder an die Verblendung der damaligen Machthaber, die blindlings in die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" gestolpert sind. Es geht auch um mehr als nur anzuerkennen, dass der 1. Weltkrieg der Konflikt war, der den Beginn der industriellen Apokalypse darstellte. Die Apokalypse, an deren Ende die Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki ebenso stehen wie die industrielle Ermordung von sechs Millionen Juden in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern.

Es geht darum, weltweit zu lernen, dass der Nationalismus schon seit langem keine Zukunft mehr hat. Der deutsch-französische Publizist Alfred Grosser, der die Gedenkrede im Bundestag hielt, brachte es auf den Punkt, indem er sagte: "Die totale Niederlage 1945 hat ein anderes Deutschland hervorgebracht. Die Bundesrepublik ist nicht auf Grundlage einer Nation aufgebaut worden, sondern aufgrund einer politischen Ethik." Jürgen Habermas bezeichnete dieses Konzept einmal als "Verfassungspatriotismus".

Beitrag zum Frieden leisten

Überall, wo der Nationalismus gedeiht, ist Krieg nicht weit: Sei es in den 90er Jahren auf dem Balkan oder heutzutage im Südchinesischen Meer und im russisch-ukrainischen Konflikt. Und damit sind wir bei einer Konsequenz aus dieser Lehre: Wer entschieden gegen Nationalismus eintritt, muss seinen Beitrag zur Konfliktlösung leisten. Das tat Bundestagspräsident Lammert, indem er auf der Gedenkveranstaltung sagte: "Deutschland ist verpflichtet, sich um friedliche Konfliktlösungen zu bemühen." Dies allerdings mit Augenmaß und Zurückhaltung.

Das war nicht nur eine leise Kritik an den jüngsten Äußerungen von Bundespräsident Joachim Gauck.

Dass zur Konfliktlösung supranationale Institutionen notwendig sind, liegt auf der Hand. Schon Helmut Kohl hat immer wieder betont, dass die Europäische Einigung keineswegs nur ein wirtschaftliches Projekt sei, sondern eine Frage von Krieg und Frieden. Und wenn am Ende der Gedenkstunde die Europahymne gespielt wurde und nicht die deutsche Nationalhymne, zeigt das, dass die Lektion gelernt wurde. Und der Konkurrenzkampf zwischen Nationen nicht mehr auf Schlachtfeldern, sondern auf dem Fußballplatz stattfindet.

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