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Kommentar: Der nächste Wolf im Schafspelz

Der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino zerschlägt Porzellan, statt alte Scherben aufzukehren, meint DW-Redakteur Stefan Nestler und rechnet damit, dass der Schweizer zum nächsten Problemfall des Weltfußballs wird.

Normalerweise gilt für neue mächtige Frauen und Männer in verantwortungsvollen Positionen eine Schonfrist von 100 Tagen. Die läuft für Gianni Infantino, seit dem 26. Februar Präsident des Fußball-Weltverbands FIFA und damit Nachfolger des im Korruptionssumpf versunkenen Joseph Blatter, erst am kommenden Sonntag ab. Doch schon jetzt wird aus allen Rohren gegen den 46 Jahre alten Schweizer geschossen. "Es gibt so viele Verdachtsmomente gegen den Präsidenten, man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht", zitiert die Zeitung "Welt am Sonntag" einen Mitarbeiter Infantinos.

Falsches Laufwerk

Empört weist die FIFA die neuen Vorwürfe zurück. Bei der Tonaufzeichnung der FIFA-Council-Sitzung Mitte Mai, die auf Anweisung Infantinos gelöscht worden sei, handele es sich nur um eine Kopie, die auf einem falschen Laufwerk gelandet sei. Das Original existiere nach wie vor. Mag sein, aber es stellt sich die Frage: Seit wann kümmern sich FIFA-Präsidenten höchstpersönlich darum, wo Dateien abgelegt werden?

Wenig bis nichts gelernt

Die 98-Tage-Bilanz Infantinos wirkt nicht wie der versprochene Neuanfang, sondern vielmehr so, als hätten er selbst und die anderen Leute an der Spitze des Weltverbands aus der korrupten Vergangenheit wenig bis nichts gelernt. Statt den Scherbenhaufen aufzukehren, den sein Vorgänger Blatter angerichtet hat, zerschlägt Infantino offenkundig neues Porzellan und gebärdet sich dabei wie der nächste Wolf im Schafspelz.

Wink mit dem Zaunpfahl

Die Fakten sprechen für sich: Nach dem ersten ordentlichen FIFA-Kongress unter Infantinos Leitung wirft FIFA-Chefaufseher Domenico Scala die Brocken hin. Sein Vorwurf: "Die Gremien werden ihrer Unabhängigkeit beraubt und drohen zu Erfüllungsgehilfen derjenigen zu werden, die sie eigentlich überwachen sollten." Ein Wink mit dem Zaunpfahl Richtung Infantino. Der hat offenkundig gegen Scala Stimmung gemacht. Auf dem Kongress zaubert Infantino auch die neue FIFA-Generalsekretärin Fatma Samoura aus dem Hut - angeblich ohne den eigentlich vorgeschriebenen Integritätscheck. Vor dem Council soll sich Infantino zudem über das aus seiner Sicht viel zu niedrige Jahresgehalt von immerhin zwei Millionen Schweizer Franken beschwert haben.

Neues, altes Problem

Angeblich liegen bei der Ethikkommission mehrere Anzeigen gegen den neuen FIFA-Boss vor. Auch der zurückgetretene Scala soll Infantino angeschwärzt haben. Angeblich droht dem FIFA-Präsidenten sogar eine Suspendierung von 90 Tagen, innerhalb derer die Ethikkommission die Vorwürfe überprüfen soll. Selbst wenn es nicht so weit kommen sollte, liegt eines auf der Hand: Die FIFA hat ein neues Problem. Fast könnte man sagen: Es ist das alte.

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