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"Tschö", Poldi!

Kommentar: Der letzte Instinktfußballer

Nun geht auch der Letzte der Sommermärchen-Generation: Lukas Podolski sagt nach 13 Jahren Nationalmannschaft "Tschö". Damit geht auch eine Ära zu Ende, findet DW-Sportredakteurin Olivia Gerstenberger.

Für viele war Lukas Podolski zuletzt nur noch ein Streichkandidat, ein lustiger Sprücheklopfer und offensichtlich Liebling des Trainers. Sportlich konnte er schon lange nicht mehr an seine Hochzeit zur Heim-WM 2006 anknüpfen, als er gemeinsam mit Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Miroslav Klose Fußball-Deutschland verzauberte. Damals, als es endlich wieder Spaß machte, Fußball zu gucken, mit der Nationalelf zu fiebern - und als man sich selbst über einen dritten Platz ausgelassen freute. 

Gemeinsam mit Schweinsteiger hatte Podolski sein DFB-Debüt 2004 bei der 0:2-Niederlage gegen Ungarn gegeben. Auch die folgende EM verlief alles andere als erfolgreich: Deutschland schied bereits nach der Gruppenphase aus. Doch was folgte, war die Wiederauferstehung der DFB-Elf. Und Podolski löste damals zusammen mit seinem Kumpel Schweinsteiger das Versprechen ein, das das Konglomerat "Poldi" und "Schweini" gab: Eine neue Generation Sportler war geboren, die der Spaßfußballer. Die Lausbuben-Generation, die auf dem Platz so natürlich und nassforsch kickte wie noch eben in ihrer Kindheit auf der Straße.

Viel mehr als nur der Pausenclown

Gerstenberger Olivia Kommentarbild App

DW-Sportredakteurin Olivia Gerstenberger

Nun liegen exakt 4672 Tage zwischen Debüt und Ende. Eine lange Karriere mit dem Höhepunkt des WM-Titels 2014, an dem Podolski rein sportlich nicht mehr allzu großen Anteil hatte. Dennoch hielt Bundestrainer Joachim Löw stets an ihm fest, wusste um die Wichtigkeit seiner Präsenz im Team. Denn der Vollblutstürmer mit dem wuchtigen Linksschuss verkörperte mehr als nur den Schelm. Mit seiner Heimatverbundenheit zu seinem Geburtsland Polen und zum Rheinland, in dem er aufwuchs, zeigte er sich stets volksnah. Und so war er auch auf dem Platz: unverkrampft, authentisch und nachvollziehbar ehrlich - ohne Kalkül. Das danken ihm die Menschen - in Köln und in Polen.

Für seinen Lieblingsverein in Polen arrangierte er einen lukrativen Ausrüstervertrag. In Warschau ließ er ein Waisenhaus errichten. Nach dem verheerenden Flugzeugabsturz 2010, als unter anderem der polnische Staatsprädsident Lech Kaczynski starb, lief er mit Trauerflor auf. Seiner alten deutschen Heimat Bergheim spendierte er einen neuen Rasenplatz und engagierte sich auch sonst für die Jugendabteilung des FC Bergheim. Seine Stiftung fördert sozial benachteiligte Kinder, will Integration und Inklusion vorantreiben. Auch das ist Podolskis Werk.

Die Ohrfeige der Nation

Die Ohrfeige für den damaligen Kapitän Michael Ballack während der WM-Quali 2009 war der einzige Skandal, den Podolski auslöste, aber auch diese Handlung kam offenbar aus tiefstem Herzen und demonstrierte der Fußballwelt, was die "angepassteren" Nationalmannschafts-Kollegen im Stillen dachten. Nie gab es Alkohol-Exzesse, Frauengeschichten, sonstige Eskapaden.

Podolski bewahrte sich und den Fans den unverstellt staunenden Blick auf die große Glitzerwelt des Fußballs, die viel zu oft, viel zu ernst genommen wird. Und wenn man seinen Weggefährten zuhört, die in diesen Tagen Anekdoten zum Besten geben, wird immer wieder deutlich: Schon als kleiner Junge wollte Podolski nur eines: Fußball spielen, so oft und so lange wie möglich. Mit Podolski verlässt der Letzte der Sommermärchen-Generation die DFB-Elf. Ein echtes Original. Diese leidenschaftliche Spielfreude, dieser Instinktfußball, dieses sonnige Gemüt - sie werden uns fehlen.

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