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USA

Kommentar: Der gefährliche Handelsreisende

Auf seiner ersten Auslandsreise brüskiert US-Präsident Trump Verbündete in Europa und lässt sich von Autokraten umschmeicheln. Das weckt Zweifel an der Verlässlichkeit Amerikas, meint Alexandra von Nahmen.

Mit seiner ersten Auslandsreise wollte US-Präsident Trump beweisen, dass sein "Amerika First"-Anspruch kompatibel ist mit der amerikanischen Führungsrolle in der Welt. Die Choreografie dieses Trips war klug konzipiert, die Reise wochenlang vorbereitet: Von Riad ging es - historisch einmalig - direkt nach Jerusalem. Aus dem Heiligen Land führte die Route in den Vatikan, um unter Freunden und Partnern in Brüssel und Taormina ihren Abschluss zu finden. 

Ein Trip, der dem amerikanischen Präsidenten die Chance bot, auf der Weltbühne zu glänzen – als Staatsmann, der beeindruckt, inspiriert und überall respektiert wird. Der aber vor allem ein Ziel verfolgt: die Interessen der Amerikaner zu wahren und zu verteidigen. Das war das Narrativ der Reise. Trumps Presseleute und Berater übertrafen sich geradezu in Superlativen, um ihre Erfolge zu beschreiben. 

Schöne Bilder, aber keine Substanz

Die bittere Wahrheit aber ist, dass hinter den schönen Bildern und großen Ankündigungen wenig Substanz steckt. Bisher hat das Weiße Haus es versäumt, die Versprechen und Initiativen des Präsidenten mit inhaltlichen Details zu untermauern. Wie will man den Beschluss von Riad umsetzen, die Finanzquellen von Extremisten und deren Unterstützern trockenzulegen? Wie konkret ist der Plan für einen Frieden im Nahen Osten?

von Nahmen Alexandra Kommentarbild App

DW-Korrespondentin Alexandra von Nahmen

Viel schlimmer noch: Die Reise demonstrierte einmal mehr, wie stark Trump auf eine transaktionale Außenpolitik setzt. Eine Politik, die geprägt ist vom Wettstreit der Interessen, die immer wieder ausgehandelt werden. Mit gefährlichen Folgen: Um die Herrscher und Regierungen in den überwiegend moslemischen Ländern zum Mitmachen in seiner Allianz gegen Extremismus zu bewegen, hat der Präsident ihnen so gut wie freie Hand beim Regieren ihrer Länder gegeben. Menschenrechte, Frauenrechte und eine Stärkung der Zivilgesellschaft spielen kaum eine Rolle.

Gefährliches Zündeln

Um in Saudi-Arabien und Israel Zuspruch zu bekommen, wetterte Trump während seiner Reise wiederholt gegen den Iran. Doch seine Drohungen bedeuten wohl kaum, dass die USA tatsächlich das von mehreren Partnern beschlossene Nuklearabkommen mit Teheran kündigen. Die konfrontative Rhetorik Trumps könnte aber zu neuer Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten in der Region führen. Der US-Präsident zündelt, die Folgen sind ihm offenbar gleich.

Ratlos und entsetzt sahen US-Verbündete in Europa diesem Schauspiel zu. Ihre Hoffnung, Trump in persönlichen Gesprächen von gemeinsamen Werten und den unter seinem Vorgänger Obama beschlossenen Initiativen zu überzeugen, verpuffte. In Brüssel brüskierte der neue US-Präsident zudem viele Nato-Partner mit seiner rüden Kritik an deren Verteidigungsausgaben, und das in einer Zeremonie, die die Allianz als ein historisches und zukunftsgewandtes Bündnis feiern sollte. 

Ad-hoc Bündnisse contra alte Allianzen 

Dass der US-Präsident beim G7-Gipfel in Taormina die gemeinsamen Gespräche de facto torpedierte, und in vielen Fragen unnachgiebig blieb, zeigt die eigentliche Tragik und Gefahr seiner Präsidentschaft: "Amerika First" kann bedeuten, ad-hoc neue Bündnisse zu bilden – und gleichzeitig langjährige, treue Partner zu verprellen. Amerikas Verlässlichkeit steht damit auf dem Spiel. Das ist es, was von Trumps erster Auslandsreise bleibt.

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