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Standpunkt

Kommentar: Der Europäische Filmpreis - Nicht so glamourös wie die Oscars

Er steht im Schatten der Oscars: der Europäische Filmpreis. An diesem Samstag wird er in Breslau zum 29. Mal verliehen. Die mangelnde Popularität liegt aber nicht an der Qualität der Filme, meint Jochen Kürten.

Verdient hätte er sie längst, mehr Beachtung und Aufmerksamkeit der Filmwelt. Doch der Europäische Filmpreis steht immer noch im langen Schatten der Oscars. 1988 wurde er nach dem Vorbild des traditionsreichen US-amerikanischen Preises ins Leben gerufen. Man orientierte sich damals an den Amerikanern, vergab Auszeichnungen in verschiedenen Kategorien. Bis 1997 hieß der Preis Felix, hatte also wie sein US-amerikanisches Pendant auch einen männlichen Vornamen.

Berlin war der erste Schauplatz der Film-Gala. Doch die Schauplätze der Gala wechselten. Europa und seine vielfältige Kultur sollten auch geografisch abgebildet werden. In diesem Jahr findet die Preisverleihung im polnischen Breslau statt, der Kulturhauptstadt 2016. Auch die Kategorien waren nicht von Anfang an dieselben. Manchen verschwanden wieder, einige existieren erst seit ein paar Jahren.

Zersplittertes Interesse

Warum hat der Europäische Filmpreis auch im 29. Jahr seines Bestehens nicht die Popularität seines amerikanischen Vorbildes? Das hat vornehmlich zwei Gründe. Es liegt natürlich auch daran, dass sich Filmschaffende aus allen europäischen Nationen bewerben. Das zersplittert das Interesse. Die Filme sind nicht immer in allen anderen europäischen Nationen bekannt. Wenn ein Film bei der Preis-Gala zum Jahresende als bester Spielfilm ausgezeichnet wird, heißt das noch lange nicht, dass dieser in den Kinos anderer europäischer Nationen überhaupt zu sehen war oder sein wird.

Ein US-Film kommt dagegen mit der Power eines landesweiten Kino Einsatzes daher, über 320 Millionen US-Amerikaner (abzüglich Kinder und Jugendliche) können die ausgezeichneten Filme sehen. Europa bringt zwar mehr als das doppelte Zuschauer-Potential mit, doch die Sprachenvielfalt steht einem großen kommerziellen Erfolg und einer übergreifenden Popularität fast immer im Weg.

Kuerten Jochen Kommentarbild App

DW-Kulturredakteur Jochen Kürten

Auch in Sachen Glamour kann Europa natürlich nicht mithalten. Schon Wochen vor der Oscar-Verleihung fiebern Millionen Zuschauer nicht nur in den Vereinigten Staaten dem TV-Ereignis entgegen. Gerade auch weil das Defilee der Stars auf dem roten Teppich so zugkräftig ist, nimmt sich das Interesse am europäischen Pendant eher bescheiden aus. Die Top-Stars aus Hollywood sind weltbekannt, weil die Milliarden schwere Hollywood-Industrie dahinter steht.

Doch wer kennt schon einen Filmstar aus Estland oder Griechenland? Selbst in ihren Heimatländern lassen sich noch so populäre Schauspielerinnen und Schauspieler aus Italien oder Deutschland lassen nicht so gut vermarkten wie eine Scarlett Johanssonoder ein Brat Pitt. Nur die Kino-Nation Frankreich kann da annähernd mithalten - und exportiert seine Stars regelmäßig nach Hollywood.

Europa mangelt es an kulturellem Selbstbewusstsein

Doch es gibt auch hausgemachte Gründe für das Hinterherhinken in Sachen Popularität. Europa fehlt das Selbstbewusstsein, der Stolz auf die eigenen kulturellen Stärken! Das wird allein an der bescheidenden TV-Präsenz deutlich. Während die Oscar-Gala trotz Zeitverschiebung auch in Europa ein Ereignis ist und in europäischen Kinos live übertragen wird, konnte und kann man sich den Europäischen Filmpreis meist nur in Spartensendern, in zeitversetzten Aufzeichnungen oder per Live-Stream im Internet ansehen.

An der Qualität der Filme und an der künstlerischen Ausdruckskraft der Schauspieler und dem Können der vielen filmischen Handwerke liegt das nicht. Sieht man sich die Oscar-Preisträger der letzten Jahre an und vergleicht sie mit den Gewinnern der Europäischen Filmpreise, so liegen die Europäer weit vorn.

Bei den Europäern werden meist Filme ausgezeichnet, die deutliche Spuren in der Filmgeschichte hinterlassen haben. Viele Oscar-Gewinner in der Kategorie "Bester Film" sind dagegen heute kaum noch beachtenswert. Das Fazit und der Appell kann also nur lauten: Europäer, setzt Euch in Sachen Marketing und Werbung zusammen und bastelt an einem professionelleren Konzept. Seid selbstbewusster! Die Regisseurinnen und Regisseure liefern euch mit ihren ausgezeichneten Filmen genügend Argumente.

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