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Amerika

Kommentar: Der Besonnene

Bei Obamas Außenpolitik geht es nicht um Demonstration von Stärke oder die Supermachtstellung der USA. Es geht darum, sich vom Schwarz-Weiß-Denken der Vergangenheit zu verabschieden, meint Max Hofmann.

DW-Korrespondent Maximilian Hofmann

Max Hofmann, DW-Korrespondent in Washington, D.C.

Die Hauptsorge des US-Präsidenten Barack Obama bei seiner Ankündigung zum Irak am Donnerstag war nicht, außenpolitische Hardliner wie John McCain davon zu überzeugen, dass auch er ein ganz harter Hund sein kann. Obama versuchte vielmehr seine Landsleute davon zu überzeugen, dass es keinen "Mission Creep" geben wird, also eine ungewollte Ausweitung des Einsatzes. Die Sorge in großen Teilen der US-Bevölkerung ist, dass den jetzt eingeplanten 300 militärischen Beratern später doch wieder amerikanische Kampftruppen folgen.

Obama ist vorsichtig, wenn es um Verwicklungen im Nahen Osten geht. Auch entschlossenem Auftreten, zum Beispiel bei der berühmten "roten Linie" für Syriens Diktator Assad, folgte dann doch wieder sein oft als zögerlich beschriebenes Handeln. Aber im Gegensatz zu seinem Vorgänger hat der jetzige US-Präsident früh erkannt, dass er viel mehr Möglichkeiten hat, die Dinge vor Ort zu verschlechtern als sie zu verbessern. Er weiß, dass jede Entscheidung zugunsten einer der zahlreichen religiösen oder politischen Gruppierungen in Syrien oder im Irak fatale Folgen haben kann.

Was passiert, wenn er tatsächlich der Anfrage des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki nachkommt und ihn mit Luftschlägen unterstützt? Das würde die sunnitische Minderheit gegen die USA aufbringen. Es würde auch das erklärte Ziel der USA, nämlich eine Regierungslösung im Irak, die alle religiösen und politischen Richtungen einbezieht, untergraben. So kann man das übrigens auch für alle anderen Gruppen und Subgruppen, die in der Region wirken, durchdeklinieren.

Obama kann also nur verlieren. Ein klassisches "Gut" und "Böse", wie es die Amerikaner instinktiv suchen, gibt es hier nicht. Warum sollte er jetzt Luftangriffe starten, ohne genaue Kenntnis der verschiedenen Positionen und möglicher Ziele. Mit den US-Truppen verließ Ende 2011 auch wichtige militärische Information das Land. Wie Obama am Donnerstag noch einmal betonte, marschierten die Amerikaner nicht aus freien Stücken aus dem Irak ab. Er hatte dem irakischen Premier angeboten, ein Restkontingent vor Ort zu behalten, zu den gleichen Bedingungen zu denen amerikanische Truppen auf der ganzen Welt stationiert sind.

Manche Republikaner sind sich nun nicht zu schade, dem US-Präsidenten den Vorwurf zu machen, er sei verantwortlich für das Chaos im Irak. Zumindest was die US-amerikanische Rolle angeht, hat das aber ganz klar ein Präsident ihrer Partei zu verantworten, da hilft auch keine Geschichtsklitterung. Obama anzukreiden, er sei schwach oder gar ein "Narr", wie einer der Hauptarchitekten des Irak-Krieges, der ehemalige Vizepräsident Dick Cheney, jetzt schrieb, ist politischer Opportunismus. Denn auf die Frage, was die USA machen könnten, um die Lage vor Ort tatsächlich zu verbessern, kommen in der Regel nur hohle Phrasen. Obama ist kein Narr, er ist auch nicht schuld am Chaos im Irak. Er ist vor allem eines: besonnen.