1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Kommentar: Der Anfang vom Ende des Aufschwungs

Der hohe Ölpreis und die Wirtschaftsflaute in Amerika haben den Aufschwung in Deutschland ausgebremst. Der IFO-Geschäftsklimaindex stürzte im Juli von 101,2 auf 97,5 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit drei Jahren.

default

Auch der schönste Aufschwung hält nicht ewig, die Konjunktur verläuft in Wellen. Dem Aufschwung der Wirtschaftstätigkeit folgt unweigerlich ein Abschwung, in dem die vorherigen Übertreibungen korrigiert werden. Offensichtlich hat der Abschwung eingesetzt, nachdem die unseriös finanzierte Immobilienblase in den USA, aber auch in Großbritannien und Spanien, geplatzt ist und die Banken in Amerika und Europa in ihren Bilanzen riesige Wertberichtigungen vornehmen müssen.

Wieder einmal hatte die Gier über den Verstand gesiegt. Das geht nur eine Weile, aber nicht auf Dauer gut. Der Abschwung hat durchaus positive Wirkungen, wenn nämlich im konkreten Fall die Banken sich von unseriösen Geschäften und unseriösen Geschäftsmodellen verabschieden. Dieser Prozess ist schmerzhaft, aber unumgänglich. Gerade die Banken als Spinnen im Netz der Wirtschaft haben in großem Umfang nicht nur Geld, sondern vor allem auch Vertrauen und Kredit verspielt - und zwar zum Schaden der Volkswirtschaften.

Schlechtester Wert seit drei Jahren

Der IFO-Geschäftsklimaindex, der die Stimmung und Erwartungen auf den Chefetagen der Unternehmen registriert, ist regelrecht eingebrochen. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer ist auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gefallen. Der noch vor ein paar Monaten vorherrschende Optimismus ist verflogen, Pessimismus macht sich breit. Im Frühjahr hat die Wirtschaftsleistung nicht mehr zugenommen, sondern abgenommen.

Für die Talfahrt der Erwartungen und der realen Wirtschaft gibt es Gründe: Die US-amerikanische Wirtschaft schrammt bestenfalls knapp an einer Rezession vorbei, was den deutschen Export nach den USA beeinträchtigt. Hinzu kommt der Verfall des Dollars, der den Euro nicht nur im Dollar-Raum, sondern auch gegenüber dem japanischen Yen und anderen Währungen verteuert. Das stärkt die Kaufkraft deutscher Touristen in Amerika oder Asien, schwächt aber die preisliche Wettbewerbsfähigkeit europäischer Produkte außerhalb der Euro-Zone.

Alarmierende Folgen

Hinzu kommen der hohe Ölpreis und der kräftige Preisanstieg in Europa. Aus konjunkturellen Gründen hätte die Europäische Zentralbank die Zinsen senken müssen, aber entsprechend ihrer Verpflichtung auf die Preisstabilität hat sie den Leitzins angehoben. Erst einmal war das lediglich ein Schuss vor den Bug der Inflationserwartungen, um zum Beispiel eine Preis-Lohn-Spirale erst gar nicht entstehen zu lassen. Doch werden die inflationären Tendenzen nicht gebrochen, droht über weiter steigende Zinsen eine von der EZB verursachte Stabilisierungskrise. Den Ernst der Lage markiert die Mitteilung der Bundesagentur für Arbeit, wonach der Aufschwung am Arbeitsmarkt seinen Höhepunkt überschritten hat.

Da sie sich auf schwerere Zeiten einstellen, lässt die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen nach; gerät die Konjunktur in schweres Fahrwasser, wird die Arbeitslosigkeit wieder steigen. Es mehren sich die Indizien dafür, dass wir derzeit den Anfang vom Ende des Aufschwungs erleben. Das bedeutet nicht, dass die Wirtschaft in eine Rezession abgleitet; sie kann auch auf kleiner Flamme weiter kochen. Aber der konjunkturelle Höhenflug ist erst einmal vorbei. Jetzt werden die Übertreibungen und Auswüchse korrigiert.

Die Redaktion empfiehlt