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Wirtschaft

Kommentar: Der Ölpreis darf gerne weiter steigen

Der Preis für Rohöl ist auf ein Rekordhoch gestiegen. Dies kann eine heilsame Wirkung haben, denn die steigenden Preise sollten zur verstärkten Suche nach Alternativen zwingen, meint Rolf Wenkel in seinem Kommentar.

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Aufgeregte Händler in New York

Die Nachrichten klingen beunruhigend. Lieferausfälle in Nigeria und die Unsicherheit wegen des Atomstreits mit dem Iran treiben den Ölpreis über 70 Dollar pro Barrel. Und die Internationale Energieagentur schätzt, dass der weltweite Ölverbrauch, der sich seit den 70er Jahren verdoppelt hat, in den nächsten 25 Jahren noch einmal um 50 Prozent steigen wird.

Keine besseren Zeiten

Knappes Angebot, wachsende Nachfrage - rohstoffarme Industrieländer wie Deutschland werden sich der daraus resultierenden Preisexplosion kurzfristig nicht entziehen können angesichts einer Importquote von 97 Prozent bei Mineralöl. Und die deutschen Autofahrer merken es überdeutlich an der Tankstelle. Es nutzt jedoch nichts, die Schuld auf die Spekulanten zu schieben, die angeblich die Preise künstlich in die Höhe treiben.

Denn auch an den Termin-Märkten gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage, dort werden nur künftige Entwicklungen schon vorweggenommen, man will sich gegen steigende Preise absichern. Die Märkte funktionieren also völlig normal, und sie senden ein eindeutiges Signal aus: Öl ist eben ein knappes, mithin teures Gut. Da hilft kein Jammern und kein Hoffen auf bessere Zeiten - sie werden nicht kommen.

Umdenken in der Energiepolitik

Steigende Preise sollten aber eine heilsame Wirkung erzielen. Natürlich kann man darüber lamentieren, dass zehn Dollar mehr pro Barrel Rohöl der Wirtschaft eine Wachstumseinbuße von rund einem halben Prozentpunkt bescheren. Aber steigende Preise führen uns auch vor Augen, dass unsere endlichen Energiereserven viel zu wertvoll sind, um damit schlecht gedämmte Häuser zu heizen, mit dem Auto zum Briefkasten zu fahren oder mit dem Billigflieger kreuz und quer durch Europa zu fliegen.

Ja, man kann dieser Preisexplosion auch etwas Gutes abgewinnen. Sie zwingt uns, in der Energiepolitik umzudenken. Sie zwingt die Industrie, noch effizientere Produktionsverfahren einzusetzen, zwingt die Verbraucher, sich nach sparsameren Autos und Heizungen umzusehen, zwingt die Energieerzeuger, stärker als bisher in die Erforschung und Nutzung erneuerbarer Energien zu investieren. Gerade bei den erneuerbaren Energien ist noch viel Spielraum, denn sie machen heute in Deutschland noch nicht einmal fünf Prozent des Verbrauchs an Primärenergie aus - und in vielen anderen Ländern ist ihr Anteil noch geringer. Nur mit Energien aus unendlichen Quellen wie Sonne, Wasser, Wind, Erdwärme und Biomasse kann man sich langfristig von unkalkulierbaren Abhängigkeiten lösen. Je teurer das Öl wird, desto lohnender wird jede Innovation, die unsere Abhängigkeit vom Öl verringert. So gesehen, könnte der Ölpreis ruhig noch weiter steigen - auch wenn sich der Autofahrer an der Tankstelle darüber ärgern mag.

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