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Fußball

Kommentar: Denkzettel für den Dino

Wie kann man nur in der Bundesliga mit 2:9 untergehen? Nicht weil man gegen ein absolutes Spitzenteam spielt. Sondern weil man das Spiel im Kopf verliert, meint DW-Sportreporterin Olivia Fritz.

Inhalt: Portraitfoto Olivia Fritz (DW) Fotograf: Michael Palm, Palm-Pictures, 2011

Olivia Fritz (DW)

Noch nie hat der Hamburger SV, der einzige Verein, der seit Ligagründung mit dabei ist, fünf Gegentore in einer Halbzeit kassiert. Und noch nie in seinen 50 Jahren Bundesligazugehörigkeit hat der Bundesliga-Dino höher als 2:9 verloren. Wie konnte das nur passieren? Natürlich kann man jetzt anführen, dass die Bayern in dieser Saison in der Bundesliga eine Klasse für sich sind. Dass der "zweite Anzug" mit Spielern wie Arjen Robben (!), der im kongenialen Doppelpack mit dem Vierfachtorschützen (!) Claudio Pizarro (normalerweise nur dritte Wahl nach Mario Mandzukic und Mario Gomez) genauso maßgeschneidert sitzt wie der erste. Natürlich kann man gegen Bayern München verlieren. Man darf auch mal vier Gegentore bekommen. Aber doch nicht neun!

Die Hamburger haben ohne Herz, ohne Leidenschaft und ohne Kampfgeist gespielt, sich überrollen lassen und sich aufgegeben. Das von Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen geformte Team hat erneut seine Inkonstanz unter Beweis gestellt. Dennoch, die Ursache muss woanders liegen als nur auf dem Platz. Intern läuft seit Saisonbeginn immer wieder vieles ziemlich schief.  Es sind einige Baustellen, die der HSV in dieser Saison zu bearbeiten hat: Stürmerprobleme, vielleicht auch ein Starproblem um Rafael van der Vaart, finanzielle Engpässe.

Ohne Leidenschaft und Gelbe Karten

Man musste sich nur die Körpersprache der HSV-Spieler (außer die des  bedauernswerten Schlussmanns René Adler) anschauen: Hängende Schultern, ausdruckslose Gesichter. Dazu kaum Kampfbereitschaft und nicht mal eine einzige Gelbe Karte! "Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt", hat einst Rolf Rüßmann gesagt. Den HSV-Spielern war selbst das zuviel. Sie hatten nach dem frühen Gegentor wohl eher im Kopf: "Okay, das Spiel ist sowieso schon entschieden, denn es sind ja die Bayern", und ließen sich abschlachten. Die Schuld hatte natürlich stets der Teamkollege. Wer sich auf dem Platz so anschreit wie die Hamburger, der offenbart einiges, aber keine Geschlossenheit.

Immerhin gab es auch Positives zu vermelden: Der HSV hat es geschafft, zwei Tore gegen Bayern zu erzielen und dabei die Schwäche des Rekordmeisters nach gegnerischen Ecken offenzulegen. Juventus Turin wird sich dafür bedanken. Auch das Statement von HSV-Kapitän Heiko Westermann lässt hoffen: Er schäme sich, das HSV-Trikot getragen zu haben, offenbarte er. Scham ist eine zutiefst menschliche Emotion. Psychologen halten sie für notwendig, um in Gruppen zusammenzuleben und Menschen zusammenzuhalten. Hoffentlich schämt sich der ganze Verein! Der HSV hat eine mehr als deutliche Lehrstunde bekommen. Nun sollte er daraus auch die richtigen Schlüsse ziehen.