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Fußball

Kommentar: Den nackten Arsch versohlen

Nach den Ausschreitungen Kölner Hooligans in Mönchengladbach fordert DW-Redakteur Tobias Oelmaier drakonische Strafen. Wenn es sein muss, auch mit unkonventionellen Methoden.

Manchmal wünscht man sich nach Singapur. Kaugummi auf die Straße spucken: hohe Geldstrafe. S-Bahn verschmieren: Stockschläge bei runtergezogenen Hosen. Das sind Strafen, die abschrecken. Fragen Sie doch mal die beiden Leipziger, die sich da kürzlich auf Nahverkehrszügen per Graffiti verewigt haben, ob sie das nochmal machen würden! Jetzt, wo sie dem Urteil entgegenzittern. Drei Stockhiebe oder doch vier?

Nun stammt diese drakonische Strafe aus der britischen Kolonialzeit und ist mit unserem Rechtsverständnis nicht vereinbar, aber träumen wird man wohl noch dürfen, angesichts der Hooligan-Ausschreitungen beim rheinischen Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln. Während der Partie hatten vermummte Kölner "Fans" schon schwer gezündelt, Bengalos entfacht und Feuerwerksraketen abgeschossen. Nach der Niederlage ihres Klubs stürmten sie dann das Spielfeld und versetzten Spieler, Betreuer, Fans und Ordnungshüter in Angst und Schrecken.

Tobias Oelmaier (Foto: DW)

DW-Redakteur Tobias Oelmaier

Bilder, die keiner sehen möchte von Vollidioten, die nie dazulernen. Und da es die Stockhiebe bei uns nun nicht gibt, müssen andere, extrem harte Strafen her! Gladbachs Manager Eberl fordert sogar Gefängnis, wie in England. Doch allzu oft scheitert es schon daran, die Täter überhaupt zu ermitteln. Dass die sich nicht selber stellen, ist klar. Aber es gibt immer auch die, die daneben stehen, die sehen, wer sich da gerade eine Maske überstreift. Da sind die, die die Fahnen und Banner zur Tarnung ihrer Kameraden über deren Gesichter halten. Und die, die die weißen Overalls ins Stadion schmuggeln. Alles Mitttäter!

Offiziell distanzieren sich die Vereine immer schnell vom Fehlverhalten ihrer Anhänger. Zahlen die Geldstrafen an die Verbände. Aber tatsächlich geschieht all das oft eher halbherzig. Wissen die Klubbosse doch zu gut, dass die Ultras die Stimmung ins Stadion bringen. Dass sie singen, brüllen, sich Choreographien ausdenken. Gedankt wird das den Hardcore-Fans unter anderem mit niedrigen Eintrittspreisen. Dabei müsste man doch längst erkannt haben: Kein Stadion, kein Verein, keine Mannschaft braucht solche Unterstützer. Der Fußball hat sich gewandelt seit den 80er-Jahren.

Kinder sind da, Familien, Geschäftsleute. Und die können auch Stimmung machen. Die singen halt nicht von "Hurensöhnen", von "schwulen Säuen" oder von der "Bahnhofsmission". Aber sie leiden auch mit, freuen sich, wenn ihre Mannschaft gewinnt. Ohne das Selbstverständnis der Ultras und Hooligans, die inzwischen allzu oft meinen, sie seien das wichtigste am Verein.

Der 1. FC Köln täte also gut daran, seine wahren Fans unter Druck zu setzten: Verratet die Täter von Mönchengladbach, oder keiner von euch kommt mehr ins Stadion! Dann bleibt eben der komplette Block leer, so lange, bis die Hooligans überführt sind. Fordert ein echtes Bekenntnis zu eurem Verein ein! Omertá und Gaunerehre oder wahre Liebe zum Klub? Zugegeben, das wäre eine Art von Sippenhaft. Aber wohl immer noch besser als Stockhiebe auf den nackten Hintern!

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