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Kommentar: Den IS-Terror leugnen, ist keine Lösung

Die jüngste Eskalation des islamistischen Terrors in Bangladesch zeigt klar die Handschrift des IS. Die Regierung aber bleibt dabei, dessen Präsenz im Lande abzustreiten. Eine unheilvolle Haltung, meint Arafatul Islam.

Die Eskalation des islamistischen Terrors in Bangladesch lässt sich auf ein Datum zurückführen: Am 5. Februar 2013 gingen Tausende Bürger in Shahbat, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka, auf die Straße. Sie verlangten die Höchststrafe für die Kriegsverbrecher, die an Massakern im Unabhängigkeitskrieg von 1971 gegen Pakistan beteiligt waren. Nun muss man wissen, dass eine Reihe von Führern islamistischer Parteien in Bangladesch den Unabhängigkeitskrieg nicht unterstützten. Sie standen und stehen teilweise sogar im Verdacht, bei Kriegsverbrechen der damaligen pakistanische Armee an Zivilisten mitgewirkt zu haben.

Es war also folgerichtig, dass die Islamisten des Landes in der "Shahbag-Bewegung" ein neues Feindbild sahen. Da diese Bewegung - eine Premiere in dem südasiatischen Land - vor allem über soziale Netzwerke wie Facebook ins Leben gerufen wurde, sahen die Islamisten in den Bloggern die Verkörperung des Bösen. Pro-islamistische Zeitungen brandmarkten einige von ihnen als Atheisten - ein schwerer Vorwurf in der Gesellschaft Bangladeschs. Zum Beweis veröffentlichten sie Screenshots von islamkritischen Kommentaren.

Nun gingen auch radikale Islamisten auf die Straße und verlangten die Todesstrafe für Blogger. Im Mai 2013 veröffentlichten die Islamisten einen Steckbrief mit den Namen von 84 Bloggern und kritischen Aktivisten, die für vogelfrei erklärt wurden. Eine ganze Reihe von ihnen wurden von Fanatikern seither mit Hiebwaffen ermordet, andere flohen ins Ausland.

Fatale Passivität der Regierung

Die regierende Awami-Liga von Ministerpräsidentin Sheikh Hasina stellte sich dieser Woge der islamistischen Gewalt nicht entgegen, sondern setzte auf Kompromisse mit den Islamisten. Anstatt Angriffe auf Blogger klar zu verurteilen, wurden letztere ermahnt, den Islam nicht zu kritisieren. Morde an Bloggern wurden zum Anlass genommen, die politische Opposition zu unterdrücken, anstatt die Täter zu verfolgen.

DW Bengali Arafatul Islam

Arafatul Islam ist Redakteur in der Bengali-Redaktion

Diese passive Haltung der Regierung gegenüber den radikalen Islamisten war geradezu eine Einladung an den international operierenden "Islamischen Staat", einen strategischen Stützpunkt in dem südasiatischen Land zu errichten. Mehrere Anschläge auf Ausländer, Minderheiten und "vom Glauben Abgefallene" schrieb sich der IS auf seine Fahne. In seiner Propaganda-Publikation "Dabiq" sind in diesem Jahr schon drei längere Artikel über die Pläne der Gruppe erschienen, ein "Kalifat" in Bangladesch zu errichten.

Auch zu dem Überfall auf ein vor allem bei Ausländern beliebten Café in Dhaka mit 20 Todesopfern hat sich die Terrormiliz bekannt. Und während der IS bereits Fotos von ermordeten Café-Besuchern auf seinen Seiten zeigte, versuchten die Einsatzkräfte Bangladeschs angeblich noch, mit den Besetzern des Cafés zu verhandeln, um Blutvergießen zu vermeiden. Das Vorgehen der Einsatzkräfte und die wiederholten Falschinformationen während des zwölfstündigen Dramas machen deutlich, dass der Sicherheitsapparat Bangladeschs in keinster Weise auf die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus vorbereitet ist.

Einheimische aus wohlhabenden Familien

Diese Bedrohung erscheint besonders unheimlich angesichts dessen, was über die Biographien der Angreifer auf das Café bekannt geworden ist: Demnach handelte sich um junge Männer aus wohlhabenden Elternhäusern, einer war Student an einer teuren Universität in Malaysia, der Vater eines anderen ist ein hoher Funktionär in der Regierungspartei. Keiner der bisher identifizierten Attentäter war älter als 22. Sie galten etwa sechs Monate vor dem Überfall als vermisst.

Wie konnten sie sich innerhalb dieser Zeit radikalisieren? Wer hat sie für den Terrorüberfall ausgebildet und bewaffnet? Wie wurde ihre Kommunikation mit dem Terrornetzwerk vor und während des Überfalls aufrechterhalten? Alles drängende Fragen, die doch eindeutig in Richtung IS weisen, und keineswegs in Richtung einheimischer radikaler Gruppen, wie die Regierung glauben machen will. Die Führung des Landes muss endlich aufhören, die Bedrohung des Landes durch den internationalen Terrorismus zu leugnen. Und sie sollte sich offen zeigen für dringend benötigte Unterstützung durch befreundete Länder im gemeinsamen Kampf gegen diese Geißel.

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