1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Kommentar: Das Töten in Beirut geht weiter

Im Libanon ist erneut ein syrien-kritischer Politiker ermordet worden. Der Zeitpunkt des Anschlags, kurz vor dem zweiten Mehlis-Bericht zu den Ermittlungen im Mordfall Hariri, war kein Zufall. Peter Philipp kommentiert.

default

Das ausgebrannte Autowrack

Fernschreiber Autorenfoto, Peter Philipp

Auch der zweite Untersuchungsbericht des Berliner Staatsanwalts Detlev Mehlis lässt keinen Zweifel aufkommen: Syrien kooperiert nicht wie gefordert bei der Untersuchung des Mordes am libanesischen Ex-Premier Rafik Hariri. Und der Verdacht ist naheliegend, dass Damaskus auf die eine oder andere Weise in den Mord verwickelt ist.

Mit Sicherheit kein Zufall

Dass es nicht mit rechten Dingen zugeht, mussten die Libanesen am Montag (12.12.) erneut erfahren: Während Mehlis bei der UNO in New York seinen Bericht übergab, detonierte in einem östlichen Vortort von Beirut eine fern gezündete Autobombe und riss vier Menschen in den Tod - unter ihnen den 47-jährigen christlichen Abgeordneten Dschubran Tueini. Der Ermordete, Herausgeber und Enkel des Gründers der prominenten Tageszeitung "An-Nahar", war gerade aus Paris zurückgekommen, wohin er sich zum Schutz vor möglichen Anschlägen zurückgezogen hatte.

Die Mörder warteten auf ihn und schlugen zu. So, wie sie es seit dem Hariri-Attentat im Februar bereits 14 Mal getan hatten: Immer waren die Opfer syrien-kritische Libanesen - vor allem Journalisten und Politiker. An einen Zufall will da niemand glauben in Beirut. Ganz besonders nicht im Fall Tueini: Er war einer der ersten gewesen, der bereits vor fünf Jahren in aller Öffentlichkeit einen Abzug der syrischen Truppen gefordert und Präsident Emile Lahoud als Marionette der Syrer bezeichnet hatte.

Inzwischen haben die syrischen Truppen den Libanon verlassen. Aber das Gedächtnis der Machthaber in Damaskus ist gut. Und die Bereitschaft zu verzeihen nur sehr gering. Der Libanon war von Syrien immer schon als eigentlicher Teil des Mutterlandes betrachtet worden - und wer dies ablehnte, der galt als Verräter. Mit allen Konsequenzen, die solche angeblichen Verräter zu tragen haben.

Das Töten geht weiter

Nach außen hin hat Damaskus freilich ein anderes Gesicht: Da beteuert der junge Präsident Baschar al-Assad, nicht in die Morde im Libanon verwickelt zu sein - obwohl die Spuren bis in den engsten Kreis der syrischen Macht führen. Assad verspricht Zusammenarbeit mit Mehlis; dann aber widerruft plötzlich ein wichtiger Zeuge; der einst für den Libanon zuständige Ghazi Kanaan begeht Selbstmord; und dann heißt es, alle Unterlagen in Sachen Libanon seien "verbrannt".

Und das Morden in Beirut geht weiter. Die Täter müssen nicht unbedingt Syrer sein, sondern - wahrscheinlicher - libanesische Kollaborateure. Zu eng und lange waren beide Länder miteinander verbunden, als dass Damaskus im Libanon nicht über eine Truppe willfähriger Sympathisanten verfügte. Bis in die Sicherheitskräfte hinein - von denen vier wichtige Kommandanten bereits festgenommen sind - und bis zum Präsidentenpalais in Baabda, wo Staatschef Lahoud nur mit syrischer Hilfe länger im Amt bleiben konnte: Vor ihrem Abzug sorgten die Syrer noch dafür, dass die Verfassung entsprechend verändert wurde.

Wer klärt auf, wenn Mehlis nicht mehr da ist?

Dies alles aufzuklären und die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, wird mehr als die beiden Berichte von Detlev Mehlis erfordern. In Beirut fordert man eine Verlängerung der Untersuchung und einen internationalen Prozess. Mehlis wird dafür nicht mehr zur Verfügung stehen: Er kehrt dieser Tage nach Berlin zurück.

Die Redaktion empfiehlt