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Sport

Kommentar: Das Rumpeln von Wien

Es war ein Pflichtsieg, mehr nicht. Gegen Portugal muss eine andere Mannschaft spielen, will die deutsche Elf nicht untergehen, meint Stefan Nestler in seinem Kommentar.

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Ein Sonntagsschuss Michael Ballacks reichte, um bemühten, aber harmlosen Österreichern den Zahn „Das Wunder von Wien“ zu ziehen. Deutschland ist weiter, Österreich raus. Der Blick muss jetzt nach vorne gerichtet werden: auf das Viertelfinale gegen Portugal. Der Blick zurück könnte eher verunsichern. Die deutsche Mannschaft startete zwar verheißungsvoll in das Turnier.

Rumpelfußball überwunden geglaubter Zeiten

Doch die überzeugende Leistung beim 2:0-Erfolg gegen Polen führte nicht zu Sicherheit und Selbstbewusstsein, sondern bewirkte das Gegenteil. Beim 1:2 gegen Kroatien fiel das deutsche Team in den Rumpelfußball längst überwunden geglaubter alter Zeiten zurück.

Eine desolate Abwehr um einen verunsicherten Torwart Lehmann; ein uninspiriertes Mittelfeld um einen Kapitän Ballack ohne Führungsqualität; ein Sturm Klose/Gomez, der nicht einmal ein laues Lüftchen, sondern Flaute war. Eine ähnliche Leistung gegen Österreich - und Deutschland wäre, wie bei den beiden vorangegangenen EM-Turnieren, bereits nach der Vorrunde nach Hause gefahren.

Zumindest die Einstellung stimmte

Ganz so schlimm kam es nicht, weil zumindest die kämpferische Einstellung stimmte. Doch spielerisch bestehen die Probleme weiter. Selbst harmlose Österreicher erarbeiteten sich gegen die deutsche Abwehr Chancen. Ballack blieb blass, abgesehen von seinem kurzen Geniestreich zum 1:0. Überraschende Spielzüge aus dem Mittelfeld waren Mangelware. Und die Angreifer Klose und Gomez müssen sich fragen lassen, wo ihre Treffsicherheit geblieben ist.

Gegen die technisch versierten und schnellen Portugiesen muss sich eine andere deutsche Mannschaft präsentieren, will sie nicht im Viertelfinale untergehen. Bundestrainer Löw sollte den Mut haben, seine Elf auf der einen oder anderen Position umzubesetzen. Eine Stammplatzgarantie hat sich bisher nämlich kaum einer erkämpft. Und bitte, bitte, spielt wie bei der WM 2006 oder auch in vielen Partien danach: Schnelle Kombinationen, kurzer Weg in die Spitze, energischer Abschluss. Anders gesagt: Spielt modernen Fußball!

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