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Kommentare

Kommentar: Das Phänomen Trump

Er beleidigt Frauen, überzieht Gegner mit Spott und Häme und macht den US-Wahlkampf zu einer rhetorischen Schlammschlacht. Und dennoch führt Donald Trump in fast allen Umfragen. Weshalb? Miodrag Soric kommentiert.

Donald Trump hat Nehmerqualitäten. Bei der letzten Debatte der republikanischen Bewerber feuerte Senator Marco Rubio einen Angriff nach dem anderen auf den Milliardär aus New York. Es waren Attacken, die saßen. Sie waren böse, persönlich, verletzend, so wie es Trump selbst oft ist. Die Schadenfreude im Publikum war groß. Zum ersten Mal seit Monaten wagte das Parteiestablishment der Republikaner zu hoffen, dass "der Donald" schwächelt. Am Tag danach ist allerdings klar: Man wird ihn nicht los. So wie ein Kaugummi, das sich unter die Schuhsohle festgeklebt hat und nicht verschwinden will.

Einen Tag nach der Debatte holte Trump zum Gegenschlag aus und präsentierte als neuen Unterstützer Gouverneur Chris Christie. Ausgerechnet Christie, der früher ebenfalls Präsidentschaftskandidat werden wollte, aber vorzeitig aus dem Rennen schied. Ausgerechnet Christie, der den US-republikanischen Gouverneuren vorsitzt. Christie, der Marco Rubio bei früheren Debattenschlachten das Fürchten lehrte - und ihn jetzt erneut angreift. Kurzum, nach diesem Coup bestimmt Trump erneut die Schlagzeilen in den USA. Er lässt sich nicht unterkriegen. Solche Geschichten lieben Amerikaner. Das Parteiestablishment ist weiterhin ratlos, frustriert: Donald Trump scheint nicht zu stoppen. Mit Bangen blicken sie auf den Super-Tuesday, den Trump laut Umfragen für sich entscheiden wird.

Trumps Erfolgsrezepte

Donald Trump reagiert auf die Emotionen der Wähler, ihre Wut über Washington, emotional. Er schimpft in der profanen Sprachen eines Halbstarken aus Brooklyn. Er verspricht Washington "aufzumischen", Filz und Verschwendung zu stoppen. Dabei gibt er nicht vor, ein Saubermann zu sein. In den vergangenen Jahrzehnten habe er allen Politikern, auch Hillary Clinton, Geld gespendet; und sie damit "gekauft". Allein diese Haltung macht den Geschäftsmann in den Augen vieler Amerikaner glaubwürdiger als seine Mitbewerber, die vorgeben nicht käuflich zu sein. Dabei weiß jeder in den USA: Politiker brauchen sehr viel Geld, um überhaupt gewählt zu werden. Einen Milliardär wie ihn, der seinen Wahlkampf selbst finanziert, könne man nicht kaufen, behauptet dagegen Trump. Was natürlich Unfug ist. Wo steht geschrieben, dass er als amerikanischer Präsident nicht weiter "Politiker" kauft?

Miodrag Soric, Studioleiter Washington (Foto: DW)

Miodrag Soric, Studioleiter Washington

Zum Phänomen Trump gehört seine einfache, verständliche Sprache. Er liebt Superlative. Die angeblichen politischen Lösungen, die er seinen Anhängern präsentiert, sind plakativ. Zum Beispiel soll eine Mauer entlang der Grenze zu Mexiko die "illegalen Einwanderer" stoppen. Dass ihn deshalb mexikanische Spitzenpolitiker oder Papst Franziskus angreifen, stärkt Trump nur noch mehr. Er nährt die unterschwellige Paranoia einfach gestrickter Gemüter, der zufolge die USA von außen bedroht würden.

Programm ohne Maß und Mitte

Völlig wirr ist Trumps Ankündigung, zwölf Millionen Einwanderer aus Lateinamerika ausweisen zu wollen, also auch Frauen und Kinder. Wie soll das bewerkstelligt werden? Will er die Menschen mit Flugzeugen ausfliegen oder mit Bussen nach Kolumbien oder Argentinien fahren lassen? Wer nachfragt, bekommt keine Antwort, sondern wird beschimpft. Einzelheiten sind Trumps Sache nicht; das gilt für alle Politikfelder. Keine Details, wie er den US-amerikanischen Schuldenberg abbauen und die Gesundheitsreform Obamas abschaffen will.

Trump liebt das Schrille und Laute. Er begeht bewusst Tabubrüche, um in die Nachrichten zu kommen. Er nennt Dinge beim Namen, die sich die Politiker in Washington nur heimlich zuflüstern. Etwa, dass die US-Interventionen der vergangenen 25 Jahre Billionen Dollar teure Fehlschläge waren und niemand dafür zur Rechenschaft gezogen wird.

Trump wird nicht einfach so verschwinden. Er ist eine Gefahr, nicht nur für die USA. Er ist Protektionist, so wie es einst Franklin D. Roosevelt oder Abraham Lincoln waren. Doch diese beiden Präsidenten regierten in anderen Zeiten. Trump spricht ganz offen von Strafzöllen gegen asiatische oder lateinamerikanische Staaten. Trump ist, um mit Goethe zu sprechen, der Geist, den die Republikanische Partei rief. Und jetzt nicht mehr los wird.

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