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Politik

Kommentar: Das neue Gesicht Amerikas

Weit über eine Million Amerikaner haben die Amtseinführung von Barack Obama zum 44. Präsidenten der USA in Washington live miterlebt. Sie waren Zeuge eines wahrlich historischen Moments. Christina Bergmann kommentiert:

Christina Bergmann (Foto: DW)

Christina Bergmann, DW-Studio Washington

Millionen Menschen in den USA und auf der ganzen Welt haben auf diesen Tag gewartet. Mit Barack Obamas Amtseinführung als 44. Präsident der Vereinigten Staaten bekommt Amerika ein neues, ein anderes Gesicht. Eines, das nicht stur in die einmal gewählte Richtung blickt, ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Gesicht, das nach links und rechts schaut, und die Freunde am Wegesrand genauso wahrnimmt wie die Kritiker. Und das Feinden in die Augen sieht und zumindest ein Stück auf sie zugeht.

Abgrenzung zu Vorgänger Bush

Die Zeiten der politischen Alleingänge, so hat es Barack Obama versprochen, sind vorbei. Die Rede des neuen amerikanischen Präsidenten war denn auch eine klare Absage an die Politik seines Vorgängers. Obama warnte seine Landsleute davor, im Streben nach Sicherheit die amerikanischen Werte aufzugeben. Die Tatsache, dass Amerika die mächtigste Militärmacht der Welt ist, könne nicht bedeuten, dass es nach eigenem Gutdünken handeln kann. Und der Präsident erklärte, dass er sich eher an wissenschaftlichen Erkenntnissen als an Ideologien orientieren wird. Wegen dieser Überzeugung haben ihn seine Anhänger gewählt. In seiner Rede ist er ihren Ansprüchen genauso gerecht geworden wie den Erwartungen der restlichen Welt.

Obama dämpft Hoffnungen

Barack Obama hat zugleich die in vielen Fällen überzogenen Hoffnungen gedämpft. Kein Mensch wäre in der Lage, sie zu erfüllen. Dazu ist die Krise zu tiefgreifend, sind die Probleme zu vielfältig. Aus der Verantwortung will er sich aber nicht stehlen. Ein organisierter Rückzug aus dem Irak, Frieden für Afghanistan, atomare Abrüstung, Kampf gegen den Klimawandel – all das hat er in seiner ersten Rede als Präsident vergesprochen. Er wird sich schon bald an Erfolgen oder zumindest Fortschritten bei diesen Fragen messen lassen müssen – allen voran bei der Bewältigung der wirtschaftliche Misere, in der das Land steckt.

Dass er das nicht allein kann, hat er in seiner Rede deutlich gemacht. Er hat seine Landsleute dazu aufgefordert, die Ärmel hochzukrempeln. Jeder und jede einzelne ist gefragt. Obama steht damit ganz in der Tradition von John F. Kennedy und Franklin D. Roosevelt.

Das neue Gesicht Amerikas blickt aber nicht nur in eine andere Richtung, es hat auch eine andere Hautfarbe. Nur knapp 60 Jahre zuvor, sagte Obama in seiner Rede, wäre sein Vater in den meisten Restaurants wohl nicht bedient worden. Dass dies nicht mehr so ist, habe die Nation ihrem unermüdlichen Streben nach den Idealen der Gründungsväter zu verdanken.

Kampf um Gleichberechtigung

Für die Afro-Amerikaner erfüllte sich mit Obamas Amtsübernahme eine Hoffnung, an die viele nicht geglaubt hatten. Dabei ist der Kampf der Afro-Amerikaner um Gleichberechtigung nicht zuende. Noch immer verdienen die schwarzen Erwachsenen weniger als ihre weißen Landsleute, noch immer bekommen schwarze Kinder eine schlechtere Schulbildung als ihre weißen Altersgenossen. Doch dem Traum, dem der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King bei seinem Marsch auf Washington Ausdruck verliehen hat, dem Traum vom friedlichen Nebeneinander von Schwarzen und Weißen, sind die USA mit der Amtsübernahme von Präsident Barack Obama ein großes Stück näher gekommen.