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Standpunkt

Kommentar: Das Ende des Dinos

Spätestens nach dem 2:5 im Bundesligaspiel gegen Dortmund ist der Hamburger SV Abstiegskandidat Nummer eins. Und das ist völlig verdient und gut so, kommentiert DW-Sportredakteur Tobias Oelmaier.

War es ein Riesen-Meteorit? War es der Klimawandel? Oder die Verschiebung der Kontinente? Vor 65 Millionen Jahre sind die letzten Dinosaurier ausgestorben. Warum, ist bis heute nicht geklärt.

Im Fußballjargon wird der Hamburger SV gern als "Bundesliga-Dino" bezeichnet. Als einziges Gründungsmitglied sind die Hamburger ohne Unterbrechung dabei. Über 53 Jahre. In dieser Zeit hat der HSV tolle Zeiten erlebt. Den Gewinn des Landesmeister-Pokals, drei Meisterschaften, Topstars wie Kevin Keegan oder Franz Beckenbauer, Urgesteine wie Manfred Kaltz oder Uwe Seeler.

Ob Uwe Seeler an diese schönen Momente dachte, als er an seinem 80. Geburtstag bei der 2:5-Demütigung durch Borussia Dortmund auf der Tribüne im Volkspark saß? Oder ob er sich über die Gegenwart ärgerte? Was ist nur aus diesem stolzen Verein geworden? Tabellen-Schlusslicht, zehn Spiele ohne Sieg. Ein Konzept? Nicht zu erkennen. Weder auf dem Spielfeld noch im Vorstand.

Oelmaier Tobias Kommentarbild App

DW-Sportredakteur Tobias Oelmaier

16 Trainer hat Seeler in den letzten neun Jahren kommen sehen, vier Sportdirektoren in den letzten vier Jahren. Auf der Trainerbank sitzt Markus Gisdol, sicher kein Schlechter, aber hilflos. Wurde er doch kurz nach Saisonbeginn für den gefeuerten Bruno Labbadia ins kalte Wasser geworfen und darf sich jetzt mit einem völlig verunsicherten Kader herumschlagen, auf dessen Zusammensetzung er keinen Einfluss hatte nehmen können.

Stattdessen mischt sich Investor Klaus-Michael Kühne regelmäßig in sportliche Belange ein, und der mit der Doppelrolle als Vorstandschef und Sportdirektor sichtlich überforderte Dietmar Beiersdorfer findet noch nicht einmal einen fähigen Sportdirektor, der ihn entlasten könnte. Ex-HSV-Profi Nico-Jan Hoogma hat schon abgesagt, und dass sich die zur Diskussion stehenden Horst Heldt und Jens Todt auf das Hamburger Chaos einlassen werden, steht zu bezweifeln. Wer will schon in seiner Vita einen Abstieg mit einem eigentlich "Unabsteigbaren" stehen haben?

So scheint der Niedergang des einst besten deutschen Fußballklubs unausweichlich, ist vielleicht sogar die einzige langfristig heilsame Lösung. Denn so ganz scheinen sie in Hamburg immer noch nicht realisiert zu haben, dass sie nur noch ein Kellerkind sind. Obwohl der HSV in den letzten Jahren dem Abstieg mehrmals erst im letzten Moment von der Schippe gesprungen ist.

Diesmal wird es dieses Happy End nicht geben. Aber in der Zweiten Liga könnten sie sich komplett neu ordnen, Struktur in den Verein bringen, den Kader aufräumen. Denn im Gegensatz zum Ende der Dinosaurier ist das des Hamburger SV in der Bundesliga ganz leicht zu erklären: Der Dino ist an seiner Hybris zugrunde gegangen.

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