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Standpunkt

Kommentar: Das andere China

Immer erfolgreicher hatte Peking in jüngster Zeit versucht, sein internationales Image aufzupolieren. Der Tod Liu Xiaobos erinnert an das China, das friedliche Oppositionelle einsperrt, meint Philipp Bilsky.

Norwegen China Friedensnobelpreis Verleihung an Liu Xiaobo in Oslo (AP)

Den Friedensnobelpreises 2010 durfte er nicht persönlich entgegen nehmen - Li Xiaobos Platz blieb leer

Die Nachrichten über den gesundheitlichen Zustand Liu Xiaobos waren in den vergangenen Tagen immer dramatischer geworden. Seine Leberfunktion verschlechterte sich zunehmend. Dann setzten die Organe aus, dann der Atem. Jetzt ist bekannt geworden: Der chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist gestorben.

Der bekannteste politische Gefangene Chinas

Liu Xiaobo war der wahrscheinlich bekannteste politische Gefangene Chinas. Immer wieder hatte er sich friedlich für eine Demokratisierung des Landes eingesetzt. Wiederholt war er deswegen nach der gescheiterten Demokratiebewegung 1989 inhaftiert worden. 2008 gehörte Liu Xiaobo zu den Hauptautoren der sogenannten "Charta 08". Ein Manifest, das politische Reformen forderte und dessen Namen auf die "Charta 77" der tschechoslowakischen Bürgerrechtsbewegung anspielt. 2009 wurde er wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Diese Haftstrafe saß Liu ab, bis er Ende Juni wegen "Leberkrebs im späten Stadium" in ein Krankenhaus verlegt wurde.

Bilsky Philipp Kommentarbild App

Philipp Bilsky leitet die China-Redaktion der DW

Immer stärker hat die Volksrepublik China in den vergangenen Monaten versucht, ihr internationales Image aufzupolieren. Angefangen hatte dies mit der Rede des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Davos im Januar, in der sich Xi - in deutlicher Abgrenzung zum neuen US-Präsidenten Donald Trump - als Verfechter des Freihandels gab. Auch in Sachen Klimaschutz versucht sich Peking als verlässlicher Partner der Welt zu präsentieren. Zuletzt folgte in Berlin die "Trumpfkarte" chinesischer Softpower: süße Panda-Bären als Symbol für ein freundliches China.

Der Ruf nach Reform bleibt gefährlich

Der Tod von Liu Xiaobo ist eine deutliche Erinnerung an das andere China: An ein Land, das weltweit in Sachen Meinungs- und Pressefreiheit sehr weit hinten liegt. An ein China, das seine Menschen einsperrt, nur weil sie sich friedlich für politische Reformen aussprechen.

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