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Wirtschaft

Kommentar: Coming-out-Vorbild Cook

Apple-Chef Tim Cook hat sich als schwul geoutet. Auch wenn es selbstverständlich sein sollte, dass auch Homosexuelle höchste Ämter haben, ist das Coming-out von Cook dennoch ein wichtiger Schritt, meint Arnd Riekmann.

Ein offenes Geheimnis war es schon seit ein paar Jahren. Doch nun ist es quasi amtlich: Apple-Chef Tim Cook ist homosexuell. Das machte er in einem Beitrag für das US-Wirtschaftsmagazin "Businessweek" deutlich. Er habe nie ein Geheimnis aus seiner sexuellen Orientierung gemacht, schreibt Cook dort, doch er habe sich zuvor nie öffentlich dazu geäußert. Nun gehe es ihm darum, den Weg zu einer gerechteren Welt zu ebnen, Stein um Stein. Und dies sei sein Stein.

Dass ein Konzernchef homosexuell ist, sollte eigentlich nichts Besonderes sein. Dennoch sorgt Cooks Coming-out jetzt für weltweite Schlagzeilen. Der Grund: Der 53-Jährige ist bislang allein auf weiter Flur. Andere Konzernführer und auch -führerinnen haben noch nicht den Mut gefunden, offen schwul oder lesbisch zu leben. In Deutschland beispielsweise gibt es nur wenige Manager, von denen bekannt ist, dass sie homosexuell sind.

Arnd Riekmann (Foto: DW)

Arnd Riekmann

Einer von ihnen ist Harald Christ. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er bekannt, als er 2009 Mitglied im Wahlkampfteam von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier war und damit als möglicher Wirtschaftsminister gehandelt wurde. Schon damals machte der heute 42-Jährige kein Hehl aus seiner Homosexualität. Seiner Karriere scheint sein Coming-out ebenfalls nicht geschadet zu haben. Seit Anfang 2013 sitzt Christ im Vorstand der Postbank. Nach Christs Angaben gibt es viele schwule Top-Manager - rein statistisch gesehen wäre es auch ein Wunder, wenn dem nicht so wäre. Doch sie verheimlichen ihre sexuelle Orientierung, treiben - laut Christ - viel Aufwand, um ihre Homosexualität "in der Öffentlichkeit zu kaschieren".

"Gläserne Decke" als Karrierehemmnis

Warum eigentlich? Durch ihr Versteckspiel verlieren diese Manager viel Energie, die sie lieber in ihren Beruf stecken sollten. Anders gesagt: Obwohl ohnehin sehr erfolgreich, könnten sie noch besser in ihrem Job sein, wenn sie nicht ständig ihrem beruflichen Umfeld etwas vormachen würden. Das gilt übrigens nicht nur für die Top-Etage, sondern in allen Arbeitsbereichen. Unternehmen sollten also großes Interesse daran haben, dass ihre Mitarbeiter - und allen voran Führungskräfte - ganz offen lesbisch oder schwul auftreten können. So wie es heterosexuelle Manager auch machen, indem sie beispielsweise ihre Ehepartner zu Empfängen mitbringen und damit signalisieren, was im heimischen Schlafzimmer passiert.

Allerdings gibt es in vielen Unternehmen offenbar nach wie vor große Widerstände, Menschen ganz oben ans Ruder zu lassen, die nicht den "Heteromacker" herauskehren. Ebenso wie viele Managerinnen - egal welcher sexuellen Orientierung - stoßen offen schwule Männer in Unternehmen immer wieder an eine "gläserne Decke". Ein Aufstieg ist bis zu einem gewissen Punkt möglich, dann geht es - aus scheinbar unerklärlichen Gründen - nicht weiter. In Wirklichkeit steckt in vielen Fällen Frauen- beziehungsweise Schwulenfeindlichkeit dahinter.

Ein erster Türöffner

Damit sich an der in den Männer-Hierarchien des Managements offenkundig noch weit verbreiteten Homophobie etwas ändert, sind Vorbilder wie Tim Cook nötig. Wenn selbst der Chef des wertvollsten Unternehmens der Welt offen schwul lebt, gibt es kein Argument mehr, aufstrebenden Jungmanagern den Karriereweg zu verbauen, nur weil sie schwul sind. Und noch ein Punkt ist in diesem Zusammenhang wichtig: In Unternehmen, die tolerant gegenüber homosexuellen Mitarbeitern sind, dürften es auch Frauen leichter haben, Karriere zu machen, ohne an einer gläsernen Decke zu scheitern.

Insofern kann Tim Cooks medienwirksamer Schritt in die Öffentlichkeit ein erster Türöffner sein. Weitere Leute aus dem Top-Management anderer Konzerne sollten ihm folgen - und sie müssen eigentlich keine Angst haben, diesen Schritt zu wagen. Denn wer - wie der Apple-Chef - auf der Karriereleiter ganz oben angekommen ist, hat eigentlich nichts zu verlieren: Höher geht es nicht. Zudem sind Leute wie Tim Cook in einer Position, wo sie die Regeln sogar maßgeblich mitbestimmen können. Das zeigt sich auch im Engagement von Apple für Minderheiten im Konzern. "Nicht alle haben so viel Glück", schrieb Cook in der "Businessweek" und damit hat er recht. Aber es ist ihm hoch anzurechnen, dass der Apple-Chef für einen ersten Riss in der "gläsernen Decke" gesorgt hat!

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