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Politik

Kommentar: Bush sucht Verbündete

US-Präsident Bush hat deutschen Medien Interviews gewährt. Botschaft: Die Ablehnung des Irak-Kriegs ist vergeben, aber in Sachen Iran ist Geschlossenheit gefragt. Peter Philipp kommentiert.

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George W. Bush

Fernschreiber Autorenfoto, Peter Philipp

Die Besuche der deutschen Bundeskanzlerin in Washington wurden in Deutschland von überschwänglichem Beifall begleitet: Angela Merkel verstehe es, den Herrn des Weißen Hauses für sich einzunehmen, die "Chemie" zwischen beiden wird gelobt und der Erfolg der Treffen auch daran gemessen, um wie viele Minuten diese länger dauern als ursprünglich geplant. Oder daran, dass die Kanzlerin für amerikanische Investitionen in Deutschland werben konnte und George W. Bush einen Besuch in Merkels Wahlkreis zugesagt hat.

Unbeholfenes Verständnis

Weitgehend unbeachtet bleibt bei all dem, dass dies letztlich doch nur Kleinigkeiten sind im Vergleich zu dem, was sich da eigentlich abspielt: Hier geht es nämlich nicht um die Charme-Offensive einer deutschen Kanzlerin. Und ohnehin nicht um eine Charme-Offensive des US-Präsidenten: Ganz ohne Charme versucht Bush, Deutschland und die Deutschen für seine Außenpolitik zu gewinnen. Für dieses Ziel ist er plötzlich auch bereit, sich für deutsche Talkshows und Boulevard-Zeitungen interviewen zu lassen. Hierfür hat er auch den Affront der deutschen Ablehnung seines Irak-Krieges geschluckt und bekundet unbeholfen sogar Verständnis hierfür.

Bush geht es ja auch nicht mehr um den Irak, es geht ihm jetzt um den Iran. Und um in dieser Frage voranzukommen, braucht er Unterstützung, wo immer er sie finden kann. In China und Russland findet er sie nicht. Und mit einem Mal wird Moskau in Washington ein schlechtes Demokratie-Zeugnis ausgestellt. Obwohl es da ja wenig Neues gibt und obwohl Bush immerhin noch versichert, mit Putin ein offenes Wort reden zu können. Ein offenes Wort vielleicht. Aber ohne Garantie, dass Putin sich dadurch überreden lässt.

Diplomatie als Nachgeben des Gegners

Von Angela Merkel hat der US-Präsident zumindest einen anderen Eindruck: Während Russland gemeinsam mit China das Haupthindernis für die Umsetzung einer rigorosen Anti-Iran-Strategie Washingtons darstellt, versichert die Regierung von Angela Merkel, die amerikanische Strategie mitzutragen.

Das ist nach außen hin recht unverfänglich. Denn da heißt es, man wolle das Problem auf diplomatischem Wege lösen. Nur: Es ist doch längst bekannt, dass Diplomatie in der Denkweise des Weißen Hauses heißt: Die Gegenseite muss nachgeben. Ist sie dazu aber nicht bereit - und Teheran gibt kein Signal in diese Richtung - dann werde man notfalls auch Gewalt anwenden.

Notfalls zu Taten bereit?

Ist Deutschland dazu wirklich bereit? Hat Bushs Plausch mit der Kanzlerin am Kamin des Weißen Hauses solches bewirkt? Oder etwa Bushs Interview in der "Bild am Sonntag"? Und ist Deutschland auch wirklich bereit und - vor allem - in der Lage, seine Solidaritäts-Bekundungen mit Israel notfalls mit Taten zu verwirklichen? Gerhard Schröders "uneingeschränkte Solidarität" mit den USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 kam bei manchen Deutschen schlecht an. Um wie viel größer wird da wohl die Zurückhaltung im Fall Israels sein?

Wer in Deutschland heute die erneute Annäherung an Washington feiert, der sollte sich nichts vormachen: Bushs ausgestreckter Arm muss nicht eine Einladung zu einer strategischen Partnerschaft sein - er kann ebenso bedeuten, was auf amerikanischen "Uncle Sam"-Rekrutierungs-Plaketen des Ersten Weltkrieges zu sehen war: "I want you!"

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