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Deutschland

Kommentar: Bundesligastart - Wir fiebern wieder!

Es geht los! Sechs Wochen nach dem deutschen Weltmeister-Titel in Brasilien startet die Bundesliga. Und wie! Die Liga ist wirtschaftlich gesund und sportlich unterhaltsam, findet Volker Wagener.

Deutsche Fußball-Clubs zählen nicht zu den reichsten, sie kassieren auch nicht die fettesten TV-Gelder und ihre Transfers gehören mit zum sparsamsten im europäischen Vergleich. Mittelmaß also. Was ist langweiliger als irgendwo dazwischen zu liegen? Doch die Liga brummt. Und das hat viele Gründe.

Partyzone Stadion

Fußball ist Emotion als Gemeinschaftserlebnis und spätestens mit der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land hat das Männerspiel um einen Ball seine Schmuddel-Ecke verlassen. Längst vorbei die Zeiten, in denen zwielichtige Typen die Stehkurven unsicher machten. Seit längerem schon hat sich der Samstagnachmittag im Stadion zum Familientag gewandelt. Ein Blick ins weite Rund genügt: Immer mehr Frauen strömen in die Arenen, umrahmt von ihren Halbwüchsigen. Und die, die für Stimmung sorgen, fallen nicht nur durch gefährliche Pyro-Attacken und Gewalt auf. Der weitaus größere Teil der organisierten Fanclubs könnte inzwischen Kulturförderung beantragen, so sehr begeistert die Choreographie der Fankurve. Und die Stadionbesucher honorieren das. Fast 44.000 Tickets verkauften die Vereine in der vergangenen Saison zwischen Hamburg und München pro Spiel. Ein Schnitt, der über dem der durchschnittlichen Stadionkapazität liegt. In England waren es rund 7.000 weniger, die spanische Primera División lag sogar über 16.000 Besucher zurück.

Gesundes Wirtschaften in Zeiten der Krise

Deutsche Welle Volker Wagener Deutschland Chefredaktion REGIONEN

Deutsche Welle Redakteur Volker Wagener

Und neben dem Spaß stimmt auch die Kasse. Uli Hoeness‘ Bonmot, der FC Bayern habe mit seinen Banken stets nur in Festgeldangelegenheiten zu tun, nie mit der Kreditabteilung, scheint vereinsübergreifend Nachahmer gefunden zu haben. Völlig unabhängig davon, dass der frühere Bayern-München-Manager inzwischen wegen privater Finanzvergehen tief gefallen ist. Von den 36 deutschen Clubs der 1. und 2. Liga haben zwei Drittel die Saison 2013/14 mit Gewinn abgeschlossen, meldeten sie der Unternehmensberatung Ernst & Young. Deutlich mehr als noch vor einem Jahr. Experten sind sich einig: das Fußballmanagement professionalisiert sich. Neue Einnahmequellen werden entdeckt. Bankkredite sind nicht mehr das Allheilmittel bei Investitionen, es werden zunehmend strategische Partner gesucht. Borussia Dortmund liegt mit seiner aktuellen Kapitalaufstockung im Kielwasser der mächtigen Bayern aus München. Der einzige börsennotierte Verein hat sich mit einem Sportartikelhersteller, einer Versicherung und einem Mischkonzern drei Wirtschaftsriesen an die Seite geholt und verschafft sich dadurch rund 140 Millionen Euro mehr Kapitaldecke. Davon fließt ein Großteil in die Schuldentilgung. Ein Schritt, der in England, Spanien und Italien unpopulär zu sein scheint. Dort schmeißen sich die Clubs lieber gleich an die Brust von Oligarchen.

Die Ernte der jungen Wilden

Ein weiteres Plus der Liga ist ihre Nachwuchsarbeit. Die Geduld bei der Ausbildung eigener Stars von morgen hat sich schon bezahlt gemacht. Die Nationalmannschaft profitiert davon. Spektakuläre Spielertransfers sind in diesem Sommer mit der Lupe zu suchen. Der Italiener Ciro Immobile, der für knapp 20 Millionen Euro Turin den Rücken kehrte, um nach Dortmund zu wechseln, bleibt die teuerste Investition bis dato. Zum Vergleich: Allein Barcelona hat 120 Millionen Euro für neues Personal bewegt. Real Madrid spendierte 80 Millionen Euro nur für den kolumbianischen WM-Torschützenkönig James Rodriguez. Macht zusammen 200 Millionen Euro. Ein Betrag, den die 18 Bundesligavereine zusammen für Verstärkungen bis jetzt ausgegeben haben. Nach englischen und schon gar nach spanischen Verhältnissen hat das Portokassen-Niveau.

Interessant auch der Blick auf die TV-Fußballgelder. Unter den fünf größten europäischen Ligen ist Deutschland bei der Vermarktung der TV-Rechte Schlusslicht mit mageren 540 Millionen Euro. Die englischen Proficlubs lassen sich die Übertragungsrechte mit stolzen 2,2 Milliarden Euro vergolden.

Mehr Erfolg bringt ihnen das aber nicht. Anderswo mögen sie ihren Fußball in größenwahnsinnige finanzielle Abenteuer treiben, die deutschen Vereine brauchen solche Experimente nicht, um Begeisterung zu entfachen. So gesehen sollten wir uns auf unsere Mittelmäßigkeit etwas einbilden. Wir fiebern jedenfalls wieder!

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