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Kommentar: Bitter nur für den BVB

Klopps Liverpooler befördern Borussia Dortmund aus der Europa League - in einem Spiel, das man so schnell nicht vergessen wird und das, wie DW-Sportredakteur Stefan Nestler meint, beste Werbung für den Fußball war.

Verrückter geht es kaum. 2:0 führt Borussia Dortmund zur Pause beim FC Liverpool und ist doch eigentlich schon fast durch, steht nach dem 1:1 im Hinspiel schon mit anderthalb Beinen im Halbfinale. Dann ein kurzer Wackler, der 1:2-Anschlusstreffer für die Klopp-Elf, doch kurze Zeit später führt der BVB wieder mit zwei Toren. Jürgen Klopp tobt an der Außenlinie, stinksauer, weil seine Verteidiger geschlafen haben. Eine halbe Stunde ist noch zu spielen, drei Treffer fehlen den "Reds". Dem Ex-BVB-Trainer bleibt gar nichts anderes übrig, als alles auf eine Karte zu setzen. Er bringt zwei frische Spieler, und tatsächlich beginnt die Partie zu kippen. 2:3, 3:3. Die 90. Minute, die Fans der Liverpooler stimmen ihre Hymne "You'll never walk alone" an - fast, als wollten sie ausdrücken: "Ihr habt euer Bestes gegeben, grämt euch nicht, dass es nicht ganz gereicht hat!" Und dann gelingt in der Nachspielzeit dem kroatischen Abwehrspieler Dejan Lovren doch tatsächlich noch der Siegtreffer zum 4:3. Liverpool steht im Halbfinale, der BVB ist raus. Unglaublich!

Über dieses Spiel wird man lange reden

DW-Sportredakteur Stefan Nestler. Foto: DW

Stefan Nestler, DW Sport

Die Erklärung für den Viertelfinal-K.o. der Dortmunder kann nur lauten: Sie selbst haben nicht mehr daran geglaubt, dass ihnen diese Partie noch entgleiten könnte. Und als es dann doch passierte, war es zu spät um gegenzusteuern. Dass Jürgen Klopp ausgerechnet gegen seine alte Liebe Dortmund ein solcher Coup gelingt, hätte sich selbst ein Romancier nicht besser ausdenken können. Wahrscheinlich hätte man jedoch dessen Manuskript zurückgehen lassen, versehen mit dem Kommentar: "Das Ende ist vollkommen unrealistisch." Doch auch wenn sich wohl alle im Stadion und an den Bildschirmen verwundert die Augen gerieben haben dürften, es war real und - die BVB-Fans mögen es verzeihen - einfach fantastisch. Dieser Abend in Liverpool bewies, warum Fußball weltumspannend von so vielen Menschen geliebt wird: eben genau wegen dieser unerwarteten, um nicht zu sagen sensationellen Geschichten, an die man sich noch Wochen, wenn nicht Jahre später erinnert.

Was für ein Spiel!

Jürgen Klopp brachte es nach der Partei auf den Punkt: "Kaum zu glauben, dass das passiert." Vielleicht ist die Freude über dieses verrückte Spiel deswegen so groß, weil der Fußball in den vergangenen Jahren vorhersehbarer geworden ist. Die Schere zwischen den reichen und weniger reichen Vereinen geht immer weiter auseinander. In den meisten Ländern gibt es nur noch wenige Klubs, die ernsthaft um den Meistertitel mitspielen. Das Spannungsmoment droht dadurch abhanden zu kommen, auch in den europäischen Wettbewerben. Doch dann gibt es, wie aus dem Nichts, wieder Partien wie jene in Liverpool: fast surreal. Und am Ende sagen alle - bis auf die BVB-Fans: "Wahnsinn! Was für ein Spiel!"

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