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Nahost

Kommentar: Bewährter Verbündeter am Rande des Terrors

Der syrische Bürgerkrieg, die Eskalation im Irak und der aussichtslose Nahostkonflikt setzen auch Jordanien zu. Das Land braucht mehr Unterstützung aus Deutschland und Europa, meint Christoph Strack.

Christoph Strack (Foto: DW)

Christoph Strack

Die Menschen leben in Flüchtlingslagern, in Kellerlöchern und campieren auf freien Flächen der Hauptstadt Amman, sie schlagen Zelte mit dem Logo des UN-Flüchtlingshilfswerks überall im Land gleich am Straßenrand auf. Jordanien ächzt und stöhnt unter der Herausforderung von hunderttausenden Flüchtlingen aus Syrien. Und die einheimische Bevölkerung leidet. Das Land hat rund 6,5 Millionen Einwohner - und beherbergt heute mehr als 600.000 Flüchtlinge aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Syrien. Seit Jahren leben hier zehntausende irakische Flüchtlinge, seit Jahrzehnten hunderttausende Palästinenser, vielfach in einfachsten Quartieren.

So bekommt Jordaniens König Abdullah II. bei seinem Besuch im Bundeskanzleramt Worte des Dankes zu hören. Jordanien, so Hausherrin Angela Merkel, trage "eine große Last bei der Bewältigung der Flüchtlingskatastrophe". Aber wenn die Kanzlerin dann anschließt, auch Deutschland selbst habe - zwar wenig im Vergleich zu Jordanien, aber doch - "eine Vielzahl syrischer Flüchtlinge" aufgenommen, dann wirkt das geradezu befremdend. Wie eine Ironisierung der deutschen Debatte. Ja, einige zehntausend Syrer haben es - als offiziell anerkannte Flüchtlinge, als Asylbewerber oder durch informelle familiäre Kontakte - nach Deutschland geschafft. Einige zehntausend Syrer unter knapp 80 Millionen Deutschen.

Abdullah steht für Stabilität in einer instabilen Region

Die Deutschen und die Europäer könnten gar nicht zu viel tun, um Jordanien (und den ähnlich betroffenen Libanon) zu unterstützen. Heute sind Nahrungsmittel und Benzin für viele Jordanier kaum mehr zu bezahlen. Viele von ihnen haben mehr als einen Job und kommen doch kaum über die Runden. Das Geschäft mit dem Tourismus, einem der wirtschaftlichen Säulen des industrieschwachen Landes, ist seit Beginn des Syrien-Konflikts eingebrochen. Wie Mahnzeichen ragen seit Jahren unvollendete Hochhäuser in den Himmel über Amman. Die Investoren sind weg. Die dramatische Entwicklung im bisherigen Irak, die jetzt die jordanische Grenze erreicht, lässt eine weitere Abwärtsspirale befürchten.

Für den Westen ist Abdullah, der zum wiederholten Male in Berlin zu Gast war, ein Garant von Stabilität in einer instabilen Region. In Jordanien braucht es eine Weile, bis man auch kritische Worte zum Monarchen hört, der doch das Land eint und allerorten im Bild präsent ist. Der in England und den USA ausgebildete und im Westen beliebte Herrscher hält sich auch heutzutage häufig im Ausland auf, nicht wenigen zu häufig. Und gelegentlich spürt man auch das funktionierende System von Kontrolle und Überwachung.

Für ISIS sind auch Jordanien und sein König Feinde

Und doch ist Abdullah ein bewährter Verbündeter, für den die westliche Welt dankbar sein muss. Der Herrscher, der sich selbst auf den islamischen Religionsgründer Mohammed zurückführt, lässt Freiheiten auch für Andersgläubige. Im Stadtzentrum von Amman finden sich Kirchengebäude, und Abdullah fördert bewusst interreligiöse Dialoge. Und er spricht auch mal mit Israels Regierungschef Netanjahu. Jordanien versucht den Ausgleich. Es bietet Bildung und Chancen auch für Mädchen und Frauen, Tradition und Moderne stehen nebeneinander.

Für die sunnitischen Kämpfer des totalitären ISIS sind auch das heutige Jordanien und sein König Feinde - da täusche sich niemand. Es gehe darum, meinte Merkel unter Verweis auf die Ereignisse im Irak, "was auch Deutschland beitragen kann, um die Konfliktsituation zu beruhigen". So viel ist sicher: Deutschland und Europa, sie werden mehr leisten müssen, um dem humanitär verpflichteten und wirtschaftlich Not leidenden Land zu helfen.

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