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USA

Kommentar: Bannons böser Geist bleibt

Trumps nationalistischer Chefstratege Stephen Bannon hat das Weiße Haus verlassen. Ein längst überfälliger Schritt, meint DW-Washington-Korrespondent Michael Knigge. Donald Trump sollte sich trotzdem Sorgen machen.

Immer wieder freitags: Am fünften Tag der Woche steigen stets die Chancen, dass sich das Personalkarussell im Weißen Haus dreht. Es war ein Freitag im Juli, als Trump-Sprecher Sean Spicer seinen Hut nahm. Am darauffolgenden Freitag wurde Stabschef Reince Prebus vor die Tür gesetzt. Und am Freitag dieser Woche wurde Chefstratege Stephen Bannon aus dem Amt gedrängt.

Doch obwohl alle drei Personalien führende Leute der Trump-Administration betrafen und jeweils freitags öffentlich wurden, gibt es doch einen großen Unterschied zwischen den Abgängen von Spicer, Priebus und Bannon: Letzterer hätte niemals einen Job im Weißen Haus bekommen dürfen.

Um es klarzustellen: Auch Spicer und Priebus waren Fehlbesetzungen in Trumps Team. Doch immerhin sind sie beide Republikaner und spielten zuvor wichtige Rollen in der Regierungspartei. Dadurch waren sie Bindeglieder zum Rest der "Grand Old Party", wie Republikaner ihre Partei liebevoll nennen.

Nationalist im Weißen Haus

Bannon gehörte nicht dazu. Ihm fehlte der republikanische Stallgeruch. Schlimmer noch: Bannon äußerte wiederholt seine Verachtung gegenüber der Partei und ihrer Führung - eine Haltung, die ihn mit Donald Trump verbindet. Er war im Weißen Haus eine Art Brückenkopf der sogenannten Alt-Right-Bewegung. Diese spielte eine wichtige Rolle bei den Ausschreitungen von Rechtsextremisten vergangenes Wochenende in Charlottesville.

Michael Knigge (DW)

DW-Washington-Korrespondent Michael Knigge

Bannon war der Chef des erzkonservativen Breitbart-Onlineportals, bevor er den bis dato stotternden Trump-Wahlkampf in Schwung brachte. Er hatte nicht nur verkündet, Breitbart in eine Alt-Right-Platform zu verwandeln, sondern sich auch damit gebrüstet, ein Nationalist zu sein. Während des Wahlkampfs und seitdem er Chefberater des Präsidenten war, lenkte er Trump offensichtlich auf einen Antimigranten-, Antimuslim- und Antiwelthandelskurs.

Trumps unglücksseliger Einreisebann, die harte Haltung der Administration gegen illegale Einwanderer und die Handelspolitik des US-Präsidenten tragen Bannons Handschrift. Inwieweit all dies wirklich von ihm und seinen Getreuen im Weißen Haus eingestielt wurde, ist schwer zu sagen. Doch in jedem Fall war Bannon ein Anheizer von Trumps eigenen negativen Impulsen - der Chefberater als Pöbler und Demagoge, der Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus im Weißen Haus hoffähig machte.

Rücksichtsloser Strippenzieher

Bannon ist ein nationalistischer Ideologe, und er war ein rücksichtloser Strippenzieher bei den Fehden im Weißen Haus. Er wollte seine Agenda durchsetzen und heuerte dazu ehemalige Breitbart-Leute an. Außerdem versuchte er Kritiker in der Administration kaltzustellen. In einem rätselhaften Interview mit dem liberalen Onlinemedium "American Prospekt" kritisierte Bannon am vergangenen Mittwoch nicht nur ganz offen Trumps Nordkorea-Politik, sondern rühmte sich auch noch damit, die Ostasien-Expertin im Außenministerium, Susan Thornton, loszuwerden.

Ob dieses Interview Bannons Abgang beschleunigte, ist unklar. Denn es kursieren in der Administration sehr unterschiedliche Versionen der Geschichte - wie so oft seit Trumps Amtsantritt. Doch nach wochenlangen Gerüchten um Bannons Ausscheiden, die an Fahrt aufnahmen, als Ex-General John Kelly neuer Stabschef im Weißen Haus wurde, könnte das Interview der Tropfen gewesen sein, der das Fass zum Überlaufen brachte.

"Rückbau des Staates"

Der Abgang des Chefberaters ist eine gute Nachricht, weil dadurch die Verbindung der Alt-Right-Bewegung direkt ins Zentrum der Macht abgeschnitten wird. Aber das heißt noch lange nicht, dass Bannons böser Geist nicht doch weiter durchs Weiße Haus spukt. Es könnte sogar sein, dass der Stratege, befreit von den Zwängen des Amtes, seine nationalistische Agenda noch effektiver vorantreibt - von außerhalb via Breitbart und andere Kanäle.

Bannon, der einmal gesagt hat, "das Dunkle ist gut", bekam globales Gewicht, als er von Trump ins Weiße Haus geholt wurde. Möglicherweise wird es dem Präsidenten nun nicht mehr gelingen, den Geist zurück in die Flasche zu befördern. Denn Bannon könnte recht einfach die Stimmung gegen Trump anheizen, sollte dessen Administration zu weit von der nationalistischen Linie abweichen. Die Unterstützung von Trumps wichtigster Anhängerschaft könnte dann bröckeln.

Bannon hatte sich den "Rückbau des Staates" auf die Fahnen geschrieben, als er sein Amt als Präsidentenberater antrat. Nach einem halben Jahr Dienst im Weißen Haus kann er mit Fug und Recht behaupten, diesem Ziel ein gutes Stück näher gekommen zu sein.

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