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Politik

Kommentar: Aufstand der Mönche

Buddhistische Mönche führen den Aufstand in Birma an - und immer mehr Menschen folgen ihnen. Das Ziel ist klar - die Militärjunta soll gestürzt werden. Sybille Golte kommentiert.

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Täglich steigt die Zahl der Demonstranten in den Straßen Ranguns. Aus dem dünnen Rinnsal rot gewandeter Mönche ist ein mächtiger Strom geworden - mächtig genug - das Militärregime, dass das Land seit Jahrzehnten beherrscht, hinwegzufegen.

Keine Kontrolle

Die Lage droht außer Kontrolle zu geraten: Der Mut der Mönche steckt an. Mehr als eine halbe Million gibt es von ihnen in Birma und die Bevölkerung steht hinter ihnen. Ihr Ziel ist klar: Längst geht es nicht mehr um Preiserhöhungen, das verhasste Militärregime soll gestürzt werden. Wohin die Proteste führen, darüber kann zurzeit nur spekuliert werden.

Schon einmal - vor zwanzig Jahren - hat das Militär eine Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Die charismatische Oppositionsführerin, Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, befindet sich seitdem unter Hausarrest. Nichts spricht dafür, dass die Generäle heute größere Skrupel haben. Ein blutiges Ende der Proteste ist daher nicht ausgeschlossen.

Chinas Interessen

Verhindert wurde es, davon kann man ausgehen, bisher
von Birmas wichtigstem Verbündeten, der kommunistischen Führung in Peking. Im nächsten Sommer treffen sich die Völker der Welt in China zu friedlichen olympischen Spielen. Das Bild von Weltoffenheit und Harmonie nach innen und außen würde allerdings durch rollende und schießende Panzer in den Straßen Ranguns unschön getrübt. Abgesehen davon verfügt Birma über reiche Erdöl- und Erdgasvorkommen, an denen China auch langfristig interessiert ist.

Die Militärjunta in Birma ist ein Regime von Pekings Gnaden. Für den Fall, dass die Generäle den Aufstand der Mönche blutig niederschlagen, drohen Europa und die USA mit Sanktionen und auch der mächtige Verbündete Peking wird dabei zumindest im Ansehen Schaden nehmen.

Andererseits hat auch China seine Probleme mit der buddhistischen Geistlichkeit, wie sich beim Besuch des Dalai Lama im Kanzleramt am vergangenen Wochenende (22.09.) gezeigt hat. Wenn in Birma die Bevölkerung angeführt von Mönchen ein verhasstes Regime abschüttelt, könnte das auch in Tibet als Signal verstanden werden.

Lösung auf Zeit

Gibt es einen dritten Weg neben Umsturz oder Blutbad? Schon einmal hat das Militär in Birma Wahlen durchführen lassen und deren Ergebnis nachträglich mit Gewalt wieder kassiert. Faule Zugeständnisse auf Zeit - das könnte für die Generäle ein Ausweg aus ihrem derzeitigen Dilemma sein. Eine Lösung der Krise wäre es nicht. Birmas tiefgläubige Bettelmönche sind mit Almosen nicht mehr abzuspeisen. Hinter ihrem Protest steht ein ganzes Volk. Vielleicht gelingt es der Junta noch einmal, mit Drohungen und kleinen Zugeständnissen die Lage zu entschärfen - lange wird das nicht halten.

Als Mitgliedsland der weitgehend demokratischen und weltoffenen südostasiatischen ASEAN-Staaten ist Birma mit seinen anhaltenden Menschenrechtsverletzungen ein dauernder Stein des Anstoßes. Es gibt viele gute Gründe für einen Machtwechsel. Man kann nur hoffen, dass sich diese Einsicht auch in Peking durchsetzt.

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