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Deutschland

Kommentar: Auf den Energiemix kommt es an

Die Bundesregierung und die Wirtschaft wollen mit Milliardeninvestitionen den Anstieg von Strompreisen bremsen und die Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten senken. Henrik Böhme kommentiert.

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Atomkraftwerk Grohnde bei Hameln

Ganz klar: Die Energieversorgung eines Landes ist Chefsache. Noch dazu, wenn man so abhängig ist von Importen wie Deutschland. Der Grund für den so genannten Energiegipfel, zu dem Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag (4.4.2006) Manager, Forscher und Minister ins Kanzleramt lud, findet sich allerdings in Moskau. Als Russlands Präsident Putin Anfang des Jahres den Gashahn Richtung Ukraine zudrehen ließ, und dadurch auch weniger Erdgas in Westeuropa eintraf, wurden hierzulande plötzlich alle wach - und fragten laut: Wo kommen Strom und Gas eigentlich her?

Ergebnis des Nachdenkens: Außer Braunkohle hat Deutschland nicht viel zu bieten. Gas und Öl werden fast komplett im Ausland eingekauft, Uran für die Kernkraftwerke sowieso. Steinkohle schließlich wird mit Milliardensubventionen aus 1000 Metern Tiefe mühsam nach oben gebracht - das klingt auch nicht gerade zukunftsträchtig.

Keine Lösung in drei Stunden

Vor zu großen Erwartungen an diese energiegeladene Elefantenrunde war schon im Vorfeld gewarnt worden - was ja richtig ist: Man kann in drei Stunden ein so komplexes Problem nicht lösen. Zu widersprüchlich auch die Erwartungen: Die deutschen Verbraucher sind genervt von massiv gestiegenen Preisen für Strom, Gas und Benzin. Die großen Energieversorger, auf Grund ihrer monopolartigen Marktbeherrschung nicht unschuldig daran, wollen Planungssicherheit für die nächsten Jahrzehnte. Und die Umweltschützer drängen auf eine klimafreundliche Energiepolitik. Insofern ist es richtig, den ersten Energiegipfel als Auftakt eines Dialogs zu sehen - der in einem tragfähigen Energiekonzept münden soll.

Dabei liegen die Ursachen für die gestiegenen Energiepreise ja gar nicht in Deutschland. Denn anders als in vielen anderen Staaten ist der Energieverbrauch hierzulande in den vergangenen Jahren stetig gesunken. Gleichzeitig aber ist der weltweite Verbrauch doppelt so hoch wie zu Beginn der 1970er Jahre. Der gigantische Rohstoffhunger der rasant wachsenden Volkswirtschaften wie China und Indien ist einer der Preistreiber. Das bedeutet: Auch in den deutschen Steckdosen ist die Globalisierung angekommen. Energie ist ein Gut, das den Marktgesetzen folgt. Und sie wird zu einem Faktor, der auch über die Verteilung von Wohlstand entscheidet.

Renaissance der Kernkraft

Worauf es nun ankommt, ist eine möglichst ideologiefreie Debatte über die künftige deutsche Energiepolitik. Sie muss sich zudem einbetten in eine europäische Strategie. Dabei darf es keine schroffe Ablehnung der Kernkraft geben. Denn die erlebt derzeit eine weltweite Renaissance - während in Deutschland der Ausstieg aus dieser umstrittensten Form der Energieversorgung beschlossene Sache ist.

Ein Ausweg aus Deutschlands Importabhängigkeit wurde im Kanzleramt auch aufgezeigt: Es sind die so genannten erneuerbaren Energien: also Sonne, Wind, Wasser und Biomasse. Die Vertreter dieser Branche saßen auf Augenhöhe am Tisch. Schließlich sind sie weltweit Technologie-Führer - und das Export-Volumen kann sich sehen lassen. Deutschland hat also neben der Braunkohle doch etwas zu bieten - etwas, dass das Land unabhängiger macht von Importen - und gleichzeitig jede Menge Arbeitsplätze schafft und das Klima schont.

Wenn die Quellen versiegen

Ehe man nun aber das ganze Land mit Windrädern und Sonnen-Kollektoren zupflastert, sollte auch das klimafreundliche Kohlekraftwerk eine Chance bekommen. Und die Atomkraftwerke sollten so lange laufen, wie sie sicher sind. Denn auf die Mischung kommt es an. In 60 Jahren ist das Erdöl aufgebraucht. Bis dahin muss eine Lösung her - und die wird kommen. Denn schließlich wollen auch die multinationalen Konzerne, die heute ihr Geld mit Öl verdienen, weiter leben. Hier darf man also auf die Kraft des Marktes vertrauen.

Auf alle Fälle gilt: Sparsam umgehen mit dem kostbaren Gut. Mit effizienterer Technik, Sprit sparenden Motoren, besserer Wärmedämmung wäre schon eine Menge gewonnen. Allein der Stand-by-Knopf an Fernseher, Radio und PC: Würden alle ausgeknipst, dann könnten in Deutschland sofort zwei Kraftwerke vom Netz genommen werden.

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  • Datum 04.04.2006
  • Autorin/Autor Henrik Böhme
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8CC5
  • Datum 04.04.2006
  • Autorin/Autor Henrik Böhme
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