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Kommentare

Kommentar: Arroganz der Macht

Am "Super Tuesday" in den USA geht es mittlerweile um weit mehr als um Personen. Es geht um die Frage, wie populistisch Politiker sein müssen, um Wahlen überhaupt gewinnen zu können. Ines Pohl kommentiert aus Texas.

Angst macht sich breit in Amerika. Zumindest in weiten Teilen der Bildungselite und des politischen Establishments. Auch am Ende dieses Superwahltages wird es einmal mehr heißen: The Winner is ... Donald Trump. Wieder wird er unangefochten triumphieren und die Talkshows, Twitter-Hashtags und Schlagzeilen beherrschen.

Darauf war niemand vorbereitet. Nicht bei den Demokraten. Und noch schlimmer, auch nicht bei den Republikanern, die offensichtlich weder Konzept noch Gegenkandidaten haben, um diesen Mann zu stoppen. Wie konnte das passieren, ist die Frage dieser Tage. Sie mag den Diskurs bestimmen. Falsch ist sie trotzdem, wenn sie bei Trump verharrt.

Ines Pohl (Foto: DW)

Ines Pohl, USA-Korrespondentin der DW

Donald Trump selbst würde das nicht gerne hören: Aber er ist nicht mehr als ein Produkt seiner Zeit. Er ist nur möglich, weil beide großen Parteien keine Antworten gefunden haben auf die Fragen, die die Menschen umtreiben. Sie nicht reagieren auf die Sorgen der Menschen, in dieser globalisierten Welt unterzugehen. Weil sie keine wirtschaftlichen Konzepte haben, wie mit der Tatsache umzugehen ist, dass die Armen dieser Welt nicht mehr bereit sind, das riesige Gefälle zwischen der ersten, der zweiten und dritten Welt hinzunehmen. Die Armen begehren auf und fordern Teilhabe ein, durchaus mit Gewalt.

Auch die Bushs und Clintons haben dazu beigetragen, dass Donald Trump passiert ist. Nicht nur Amerika selbst, die ganze Welt stöhnte bei der Vorstellung, dass am Ende wieder ein Bush und ein Clinton gegeneinander um den - erneuten - Einzug ins Weiße Haus kämpfen würden. Cartoonisten fanden das super. Die amerikanischen Wählerinnen und Wähler aber fühlten sich instinktiv betrogen. Wie demokratisch kann ein Land mit 322 Millionen Einwohnern sein, wenn man seit Jahrzehnten immer wieder die Auswahl von Mitgliedern zweier Familien hat. Dieses Gefühl des Betrogenseins machte einen Bernie Sanders bei den Demokraten und einen Donald Trump bei den Republikanern überhaupt erst möglich.

Dauererregung in Sozialen Netzwerken

Was Amerika derzeit erlebt, ist weit mehr als nur ein bizarres Spektakel, befeuert von der Dauererregung in den sozialen Netzwerken. Diese Wahl wird zeigen, ob Politiker, die mehr oder weniger fest auf dem Boden demokratischer Grundordnung stehen, den Kampf gegen plumpe Populismen und erschreckenden Nationalismen überhaupt noch gewinnen können.

Zumindest hier in Amerika ist es auch die Arroganz der Macht, die viele blind machte für den wirklichen Zustand ihres Landes und die Bereitschaft so vieler Menschen, ihren gesunden Menschenverstand auszuschalten, um sich in einem amerikanischen Traum zu verlieren, der für immer ausgeträumt ist.

Alles deutet darauf hin, dass Hillary Clinton am "Super Tuesday" die eindeutige Siegerin bei den Demokraten sein wird und es dann nur noch eine Frage der Zeit ist, wann Bernie Sanders aussteigt.

Eine Chance für John Kasich

Bei den Republikanern ist allein spannend, ob Ted Cruz, der Senator aus Texas, wenigstens seinen eignen Staat gewinnen kann. Wenn nicht, wird es eng für ihn. Senator Marco Rubio wird als dritter in Ziel gehen und wohl weitermachen, bis für ihn dann die Entscheidung in Florida fällt. Verliert er dort, ist es auch für ihn definitiv vorbei.

Und John Kasich, der einzig wirkliche moderate Republikaner im verbliebenen Feld? Er sollte aussteigen und die letzte Aufmerksamkeit nutzen, um etwas Unerhörtes zu tun: Hillary Clinton unterstützen. Letztlich würde er den Republikanern einen großen Gefallen damit tun. Denn es ist schwer vorzustellen, wie die Partei eines Abraham Lincoln, der die Sklaverei abgeschafft hat, einen Präsidentschaftskandidaten überleben will, der es noch nicht einmal für nötig hält, sich von dem rassistischen Geheimbund Ku-Klux-Klan zu distanzieren.

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