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Kommentare

Kommentar: Arme Junge, arme Alte

In Deutschland lebt die wohlhabendste Rentner-Generation aller Zeiten. Die heutigen Jungen haben es ungleich schwerer, fürs Alter vorzusorgen. Sie müssen sich auf harte Zeiten einstellen, meint Manuela Kasper-Claridge.

Stellen Sie sich vor, Sie sind 35 Jahre alt und machen sich erste Gedanken über das Alter. Sie wollen reisen, sich vielleicht noch ein Auto kaufen, später die Zeit mit den Enkeln genießen und denen vielleicht auch mal den einen oder anderen Euro zustecken.

Pustekuchen. Alles nur Illusion. Die Enkel werden Sie unterstützen müssen! Das ist die bittere Realität. Denn ab 2030 droht jedem zweiten Deutschen die Altersarmut, so eine aktuelle Studie des Westdeutschen Rundfunks. Die Renten werden zu niedrig sein, um gut davon leben zu können. Von 2030 an wird das Rentenniveau in Deutschland auf nur noch rund 43,5 Prozent des Durchschnittslohns der gesamten Lebensarbeitszeit fallen.

Sparen ist heute nicht einfach

Das ist das staatliche "Dankeschön" für Jahrzehnte harter Arbeit. Darüber muss man sich nicht nur ärgern, sondern aufregen. Was ist das für ein Staat, der den Jungen so viel abverlangt und den Alten in vielen Fällen nur noch ein "Gnadenbrot" zugesteht?

Kasper Claridge Manuela Kommentarbild App

Manuela Kasper-Claridge leitet die Wirtschaftsredaktion

Gut, sie wollen sich nicht aufregen. Sie sagen sich, dann muss ich eben sparen oder vorsorgen, wie es so schön heißt. Aber wer heute als 35-Jähriger mit dem Sparen beginnt, hat ein Riesenproblem: Die Zinsen sind so niedrig, dass sich Sparen nicht lohnt. Bei zwei Prozent Zinsen muss dreimal so viel gespart werden, als wenn die Zinsen bei fünf Prozent lägen, wenn man sich über Jahrzehnte ein Auskommen im Alter sichern will.

Also, die Rentner sind die Dummen, die Jungen auch und die Sparer erst recht. Wohin fließt denn das ganze Geld? Angeblich werden wir doch immer reicher. Ach ja, in Briefkastenfirmen auf Panama- Konten. Oder in neue Edelyachten der wachsenden Zahl von Milliardären. 62 Superreiche besitzen so viel wie die halbe Welt. Das ist empörend.

Bargeld? Das gefällt dem Staat nicht!

Doch was nun? Schnell ganz viel Bargeld abheben und unter dem Kopfkissen horten? Das wäre eine Möglichkeit. Da wissen Sie wenigstens, was sie haben und können jederzeit darüber verfügen. Viele Rentner tun das bereits und werden ihre Enkel dazu ermuntern, es ebenso zu tun.

Tatsächlich ist Bargeld gefragt - trotz zunehmender Digitalisierung. Überall wird Bargeld gebraucht und gehortet, ob in Indien, den USA oder Deutschland. An Schweizer Bankautomaten wird die Ausgabe von Bargeld bereits begrenzt. Denn bei einer Barauszahlung lässt sich kaum überprüfen, wohin der Kunde das Geld trägt. Die Informationen will aber nicht nur die Bank, sondern auch der Staat interessiert sich dafür. Denn der will ja weiter viele Steuern kassieren. Wofür auch immer.

Was ist überhaupt noch sicher?

Unser 35-Jähriger ist angesichts der Ausgangslage schon ganz verschüchtert und bescheiden. Er wollte sein Geld doch nur unters Kopfkissen oder die Matratze packen, damit er wenigstens im Alter noch etwas davon hat. Doch auch das kann ihm schlaflose Nächte bereiten. Denn sicher ist das Geld dort nicht. Man denke nur an steigende Zahl von Einbrüchen. Zum Schutz der Bürger ist nämlich nicht genug Geld da.

Na gut, sagt sich unser Held. Dann kaufe ich eben eine Immobilie fürs Alter. Das könnte sich bei den niedrigen Zinsen doch lohnen. Kredite sind günstig wie selten. Doch Vorsicht: Der nächste Crash kommt bestimmt! Das Risiko von Wertverlusten, wenn die Immobilienpreise irgendwann einmal den Rückwärtsgang einlegen sollten, ist hoch.

Für den potenziellen Ruheständler gibt es deshalb nur eine Gewissheit: Er muss sich auf harte Zeiten einstellen.

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