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Politik

Kommentar: Antiamerikanische Stimmung in Pakistan verstärkt

Die USA wollten die Nummer Zwei von El-Kaida töten und bombardierten ein Dorf in Pakistan - vergeblich. Stattdessen starben mehrere Zivilisten. In Pakistan sorgt das für Empörung. Ein Kommentar von Thomas Bärthlein.

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Ihn hätte es eigentlich treffen sollen: Ayman al-Sawahiri, zweiter Mann der El Kaida

Auch wenn die offizielle Bestätigung fehlt - es kann wenig Zweifel daran geben, dass amerikanische Sicherheitskräfte für den Luftangriff im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet verantwortlich sind. Die Art des Angriffs am Freitagmorgen (13.1.2006) und besonders die offiziellen Proteste der pakistanischen Regierung sind der beste Beleg dafür, dass die CIA versucht hat, Ayman al-Sawahiri, den zweiten Mann der El Kaida, zu treffen. Höchstwahrscheinlich ist er entkommen. Stattdessen kamen offenbar Zivilisten ums Leben.

Es gibt keine juristische Legitimation für das Vorgehen der USA, die inzwischen völlig nach eigenem Gutdünken entscheiden, wo auf dem Globus sie militärisch aktiv werden. Aber es ist auch politisch falsch. Denn die USA bringen damit nicht nur die pakistanische Bevölkerung gegen sich auf, sie bringen auch die verbündete Regierung von Präsident Pervez Musharraf in eine prekäre Lage.

Antiamerikanische Stimmung in Pakistan

Die antiamerikanische Stimmung in Pakistan verstärkt sich wieder, nachdem die US-Truppen gerade noch mit starkem Einsatz bei der Erdbebenhilfe alles getan hatten, um die Menschen in Pakistan für sich zu gewinnen. Jetzt findet die islamistische Oppositions-Allianz MMA wieder leichtes Gehör für ihre simplen, populistischen Parolen. Washingtons Politik führt dazu, dass sich weite Teile der pakistanischen Bevölkerung pauschal gegen "den Westen" wenden - zu Unrecht, denn für den ist die Bush-Regierung nicht repräsentativ.

Washingtons Politik führt auch dazu, dass radikale Gruppen im Umfeld von El Kaida neuen Zulauf bekommen - auch das ist eine verheerende Entwicklung für die Region, denn die Extremisten haben keine Lösung für die Probleme Pakistans. Es ist erschreckend zu beobachten, dass diese Folgen die Regierung in Washington offenbar nicht kümmern.

Musharraf steht als Handlanger Washingtons da

Musharraf steht in Pakistan wieder einmal als Handlanger Washingtons da. Deutlich ist allerdings erneut geworden, dass auch die USA ihrem Verbündeten nicht vertrauen. Denn sonst könnten sie eine derartige Operation der pakistanischen Armee überlassen, die inzwischen in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan massiv präsent ist und immer wieder selber Luftangriffe durchführt. So sieht sich der
pakistanische Präsident von allen Seiten düpiert.

USA schafft sich Feinde

Wenig stichhaltig wirkt die Kritik seiner Regierung an den USA. Schließlich ist die pakistanische Armee keineswegs zurückhaltender bei der Bekämpfung von Rebellen und mutmaßlichen Terroristen. In den Stammesgebieten an der afghanischen Grenze, aber auch in der Unruheprovinz Belutschistan im Südwesten des Landes geraten dabei
immer wieder Zivilisten ins Schussfeld der Truppen. Das politische System in den Stammesgebieten unterscheidet sich bis heute nicht wesentlich von der Kolonialzeit. Der Militäreinsatz dort unterliegt keiner demokratischen Kontrolle. Erst am Wochenende sind zwei Journalisten verhaftet worden, die über die Lage in Bajaur berichten wollten. Vertrauen in die guten Absichten der Regierung kann so nicht aufkommen.

Luftangriffe, die den Tod von Zivilisten in Kauf nehmen, sind der falsche Weg, um den Terrorismus zu besiegen. Selbst wenn bei solchen Angriffen eines Tages Ayman al-Sawahiri oder sogar Osama bin Laden getötet werden sollte, werden die pakistanischen Truppen und ihre amerikanischen Verbündeten sich in den Stammesgebieten viele neue
Feinde geschaffen haben.

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