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Asien

Kommentar: Angriff im Morgengrauen

Die Anschläge in Indonesien wecken Erinnerungen an das schwere Attentat auf der Urlauberinsel Bali, bei dem 2002 mehr als 200 Menschen ums Leben kamen, schreibt Sybille Golte in ihrem Kommentar.

Themenbild Kommentar Grafik Symbolbild

Die Botschaft ist verheerend: Trotz Sicherheitsvorkehrungen und einer aktiven Anti-Terrorpolitik haben Attentäter erneut mitten im Herzen Indonesiens zugeschlagen. Die Anschläge von Jakarta sind eine schwere Hypothek für den gerade wieder gewählten indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono.

Sybille Golte (Foto: DW)

Sybille Golte

In den vergangenen Jahren war es ruhig geworden um den südostasiatischen Al-Kaida-Ableger, die Terror-Organisation Jemaah Islamiyah, die hinter den Anschlägen vermutet wird.

Allenfalls kleine Erfolge der Sicherheitskräfte gegen Mitläufer, die Hinrichtung der Bali-Bomber sorgten noch für Schlagzeilen. Während weltweit die Zahl der Terroranschläge zunahm, schien Indonesien, das lange unter dem Schock der verheerenden Bombenanschläge von Bali 2002 stand, das Problem im Griff zu haben.

Von dieser Illusion muss man sich jetzt verabschieden. Sicherheitsvorkehrungen, wie sie in allen großen Luxushotels der indonesischen Hauptstadt üblich sind, haben die Anschläge nicht verhindert. Und offensichtlich reicht die Infrastruktur der Terroristen für eine koordinierte Aktion an mehreren Schauplätzen der indonesischen Hauptstadt.

Terror in Bali, Angriffe auf die australische Botschaft und schon einmal auf das Marriott Hotel in Jakarta: Wie in den vergangenen Jahren waren das Ziel auch diesmal Ausländer. Beide Luxushotels sind bekannt für ihr internationales Publikum. Die Opfer allerdings sind vor allem Indonesier - am Schauplatz der Bombenanschläge und weit darüber hinaus.

Gerade begann die indonesische Tourismusindustrie sich von den Folgen der Bali-Anschläge zu erholen. Neue Reisewarnungen werden diesem Trend ein Ende setzen. Ob Investoren sich vom Terror abschrecken lassen, bleibt abzuwarten.

Die Bilder von zerbombten Hotelfassaden in Jakarta werden das Image des bevölkerungsreichsten muslimischen Landes der Welt erneut schwer belasten. Das ist ebenso sicher wie ungerecht. Indonesiens Bevölkerung hat mehr als einmal bewiesen, dass fundamentalistische Positionen keinen Platz in der Gesellschaft haben. Selbst religiöse Parteien haben wenig Zulauf und bei Wahlen keine Chance.

Als voriges Jahr das Parlament ein stark religiös geprägtes sogenanntes Anti-Pornographie-Gesetz verabschiedete, gab es heftige Diskussionen in der Bevölkerung, die bis heute nicht abgeebbt sind. Eine wache Zivilgesellschaft und kritische Medien halten die Auseinandersetzung mit konservativ-religiösen Einflüssen und radikalen Predigern immer wieder am Leben.

Indonesien ist nicht nur das bevölkerungsreichste muslimische Land – es ist auch das toleranteste der islamischen Welt. Umso tragischer ist es, dass es nun wieder einmal als Schauplatz terroristischer Aktivitäten weltweit Schlagzeilen macht.

Über die Motive der Attentäter kann zur Stunde nur spekuliert werden. Gelungen ist ihnen sicher, dem Land schweren Schaden zuzufügen. Wenn sie allerdings gehofft haben, mit spektakulären Anschlägen neue Anhänger zu gewinnen, werden sie in Indonesien sicher enttäuscht werden.

Im Gegenteil: Indonesien wird seine Anti-Terrorpolitik verschärfen und Präsident Yudhoyono kann sich dabei auf eine Bevölkerung stützen, die nicht erst seit den Anschlägen von Bali die Nase voll hat von Gewalt und Extremismus.

Autorin: Sybille Golte
Redaktion: Martin Schrader