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Nahost

Kommentar: Ahmadinedschads Flucht nach vorn

Irans Präsident Ahmadinedschad warf den USA auf der UN-Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag vor, sein Land mit Atomwaffen zu bedrohen. Damit will er nur von Problemen im eigenen Land ablenken, meint Jamsheed Faroughi.

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DW-Experte Jamsheed Faroughi

Der iranische Präsident Ahmadinedschad liebt die Provokation. Kaum eine Woche vergeht ohne verbale Attacken gegen seine vermeintlichen Erzfeinde. Die UN-Konferenz zum Atomwaffensperrvertrag in New York bot ihm jetzt eine willkommene Plattform, seine wohl kalkulierten Angriffe gegen politische Gegner in bekannt polemischer Form in Szene zu setzen. Für Beobachter bietet sich ein sattsam bekanntes politisches Ritual: Er kommt, er polemisiert und die anderen verlassen den Saal.

Provokation als altbekanntes Ritual

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad (Foto:ap)

Provokateur auf internationaler Bühne: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad

So verließen auch diesmal die Vertreter der USA, Großbritanniens, Frankreichs und mehrerer EU-Staaten den Plenarsaal. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon war sogar schon verschwunden, bevor Ahmadinedschad auftrat. Wie gesagt, die Welt kennt Ahmadinedschad mittlerweile so gut, dass sie weiß, was in einer solchen Situation von ihm zu erwarten ist. Ob bei den Vereinten Nationen oder anderswo – Ahmadinedschad kaschiert eigene Schwächen durch gezielte und polemische Angriffe gegen andere.

So war es auch diesmal. Ahmadinedschad griff erneut die USA an und forderte, die Vereinigten Staaten aus der Führung der Internationalen Atomenergiebehörde hinauszuwerfen. Der Grund dafür: Die Amerikaner bedrohen nach seiner Ansicht andere Länder, darunter auch Iran, mit dem Einsatz von Atomwaffen. Er verstieg sich sogar zu der Behauptung, die USA seien der meist gehasste Staat der Geschichte.

Durchschaubare Ablenkungstaktik

Das iranische Atomkraftwerk in Baschehr (Foto:ISNA)

Das iranische Atomkraftwerk in Baschehr

Bei der vierwöchigen Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags in New York geht es um die Bilanz der Umsetzung des Vertrags und um eine eventuelle Verschärfung der Kontrollmechanismen für Länder wie Iran und Nordkorea, die sich weigern, ihre nuklearen Aktivitäten offenzulegen. Es geht unter anderem um eine noch effektivere Inspektion der Atomanlagen Irans. Das liegt nicht im Interesse des iranischen Präsidenten

Ahmadinedschad will lieber vom umstrittenen iranischen Atomprogramm und den sozialen Missständen im Iran ablenken. Mit seiner wüsten Polemik tritt Ahmadinedschad die Flucht nach vorne an. Er hofft mit nationalistischen Parolen in Sachen Atomprogramm die Menschen im eigenen Land hinter sich zu bringen und das Augenmerk auf vermeintliche äußere Feinde zu lenken Aber diese Taktik funktioniert immer weniger, denn in Iran und auf internationalem Parkett hat man seine provokante Rhetorik längst durchschaut.

Autor: Jamsheed Faroughi
Redaktion: Thomas Latschan

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