Kommentar: Afrikas Jugend wartet auf den Generationswechsel | Kommentare | DW | 27.12.2017
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Standpunkt

Kommentar: Afrikas Jugend wartet auf den Generationswechsel

Mit Machtwechseln in Gambia, Ghana und Simbabwe keimte 2017 in Afrikas Jugend Hoffnung auf. Aber die Aussicht auf 2018 ist alles andere als rosig, meint Claus Stäcker.

Die Rolle des früheren Weltfußballers George Weah in Liberia steht symptomatisch für das Hoffen und Harren des jungen Kontinents. Erfolg im Ausland, eigenes Vermögen, politische Unabhängigkeit - diese Eigenschaften sind der Jugend schon genug, um für einen Kandidaten zu halten. Und mit 51 Jahren ging der Star schon fast als Jugendlicher durch. 

Afrikas Dreiviertel-Mehrheit, die Jugend, sehnt sich nach einem Generationswechsel. Die Hoffnung entflammte 2017, als Gambias Diktator Yahya Jammeh und Simbabwes Langzeitherrscher Robert Mugabe vom Sockel gestürzt wurden. Das Jahr endete mit einem Hoffnungsschimmer aus Südafrika, wo mit der Wahl von Cyril Ramaphosa zum Chef der Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) die Ablösung von Staatspräsident Jacob Zuma in Reichweite rückte.

Machtwechseln folgt Ernüchterung

Aber bei näherer Analyse ist die Euphorie schnell verflogen. Gambias Machtwechsel basierte auf Volkes Wille. Aber ohne das entschlossene Eingreifen der westafrikanischen Gemeinschaft ECOWAS unter der militärischen Führung Senegals hätte der brutale Scharlatan Jammeh nicht von der Macht gelassen. Gambia, das kleinste Land Afrikas, braucht die militärische Hilfe. Das aus der Not geborene Regierungsbündnis aus sieben Parteien hat sich viel vorgenommen, gilt aber als fragil und ungeordnet.

Stäcker Claus Kommentarbild App

Claus Stäcker, Leiter der Afrika-Programme der DW

In Simbabwe ist nach dem bejubelten Ende der bleiernen Mugabe-Jahre schnell Ernüchterung eingekehrt. Statt einer Regierung der nationalen Einheit bildete der neue starke Emmerson Mnangagwa ein Kabinett von Gesinnungsfreunden und berüchtigten Militärs. Vor den für 2018 geplanten Wahlen steht der 75-Jährige zwar für Stabilität und Ordnung, aber kaum für tiefgreifende Reformen, auf die die junge Generation und hunderttausende rückkehrwillige Exil-Simbabwer hoffen.

In Südafrika ist Hoffnungsträger Ramaphosa in der neuen Parteispitze umgeben von Zuma-Getreuen. Der so gespaltene ANC wird sich schwer tun, den gekaperten Staat zu erneuern.

In der Demokratischen Republik Kongo ist die Amtszeit von Präsident Joseph Kabila schon vor einem Jahr abgelaufen. Nun soll Ende 2018 gewählt werden, aber Kabilas bisherige Verzögerungstaktik und sein brutales Vorgehen gegen die Opposition lassen kaum Hoffnung zu, dass er in zwölf Monaten freiwillig und friedvoll die Macht abgibt.

Auch im Südsudan sollen Wahlen stattfinden, sie sind bereits seit 2015 verschoben. Kurz vor Weihnachten wurde das x-te Waffenstillstandsabkommen unterschrieben - aber das durch und durch militarisierte Land hat bis heute keinen Plan, der zu einer dauerhaft stabilen Zivilordnung führen könnte. Demokratie ist nicht in Sicht. Die Jugend Südsudans steht unter Waffen und der Urnengang 2018 in den Sternen.

Im Jahr 2018 ist mit Rückschlägen zu rechnen

In kaum einem anderen Land ist die Sehnsucht nach einem Generationswechsel so groß wie in Kamerun, wo Präsident Paul Biya (84) in sein 35. Amtsjahr geht und sich 2018 womöglich für weitere sieben Jahre bestätigen lässt. Bisher hat sich nur ein einziger Gegenkandidat getraut, seinen Hut in den Ring zu werfen. Paul Biya unterdrückt Oppositionelle und Medien, lässt das Militär mit schockierender Gewalt Gegner ausschalten. Aus Südkamerun, dem früher britischen Teil des Landes, erreichen die Deutsche Welle immer wieder erschütternde Dokumente und Hilferufe. Warum schaut die Welt tatenlos zu, wie das Biya-Regime die Unseren tötet? fragen die Südkameruner, die sich als "Ambazonia" bereits für unabhängig erklärt haben.

Weder für Kamerun noch für Kongo und Südsudan sind demokratische Machtwechsel in Sicht. Auch von den anstehenden Wahlen in Gabun, Mali und Togo sind kaum ermutigende Signale zu erwarten. In Simbabwe und Südafrika ist allenfalls mit minimalen Fortschritten zu rechnen.

Afrikas Aufbruch lässt auf sich warten.

In kaum einer Handvoll Länder gehen wirtschaftlicher Aufschwung und Demokratie Hand in Hand. Die Abwanderung entmutigter junger Leute hält an. Für eine nachhaltige "Fluchtursachen-Bekämpfung", wie es deutsche Entwicklungspolitiker nennen, fehlen überzeugende Rezepte - von außen wie von innen. Der sogenannte "Marshallplan mit Afrika" ist kaum mehr als Wortgeklingel. Und Politiker wie Ghanas Präsident Nana Akufo-Addo, die auf Demokratie und Marktwirtschaft setzen und sich von der Droge Entwicklungshilfe befreien wollen, sind in Afrika eine Minderheit. Vielerorts fehlt eine verantwortungsbewusste Elite, die ihr politisches Handeln konsequent in den Dienst der nachfolgenden Generationen stellt. Afrikas Jugend wird auf diesen Generations- und Paradigmenwechsel drängen. 2018 könnte für sie zu einem Jahr der Rückschläge werden, aber der Druck wird damit nur noch größer.

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