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Amerika

Kommentar: Afrika - der fremde Freund

Nigerias Präsident Jonathan zu Besuch in Berlin: Beide Seiten wollen stärker zusammenarbeiten. Doch Afrikaner und Deutsche haben noch keine gemeinsame Basis für eine echte Partnerschaft gefunden, meint Thomas Mösch.

Die Energiewirtschaft ist das Feld, das Nigeria und Deutschland schon vor Jahren ins Zentrum ihrer Beziehungen gerückt haben - zumindest in öffentlichen Reden und auf dem Papier. Nigeria ist der wichtigste Ölproduzent auf dem afrikanischen Kontinent, es besitzt außerdem große Gas-Vorkommen. Deutschland sucht nach sicheren Lieferanten dieser Rohstoffe. Andererseits kann der Rohstoff-Riese Nigeria bisher nicht einmal seine eigene Strom- und Benzinversorgung sichern. Deutschland sieht hier zu Recht einen großen Markt für die eigene hochentwickelte Energiewirtschaft.

Es fehlt an Geduld

Eigentlich sind dies gute Gründe für eine enge Partnerschaft. Trotzdem scheint es beiden Ländern nicht zu gelingen, ihre gemeinsamen Interessen in reale Politik umzusetzen. Die Energiepartnerschaft wurde schon 2008 unterschrieben. Seitdem ist nur wenig passiert. Angela Merkel musste jetzt, vier Jahre nach dem Start, feststellen: Da ist noch sehr viel Raum für Entwicklung.

Immerhin: Präsident Goodluck Jonathan konnte nun ein Geschäft zur Lieferung deutscher Gasturbinen auf den Weg bringen. Angesichts zahlreicher ähnlicher Ankündigungen in der Vergangenheit ist allerdings Skepsis angebracht, ob tatsächlich bald deutsche Turbinen die Stromkrise Nigerias lindern werden. Auch das Ziel, schon in zwei Jahren nigerianisches Flüssiggas nach Deutschland zu liefern, scheint sehr ambitioniert.

Die stockende Zusammenarbeit im wichtigen Energiesektor ist symptomatisch für die Beziehungen Deutschlands zu Afrika insgesamt. Einerseits haben die Deutschen theoretisch verstanden, dass der afrikanische Kontinent sowohl als Rohstofflieferant als auch als Absatzmarkt für die Zukunft der Weltwirtschaft eine große Bedeutung hat. Mit Respekt blicken sie deshalb auf den Schwung, mit dem China sich in Afrika breit macht. Andererseits finden Deutschlands Politker und Manager kein Konzept, um aus dem ausgesprochen positiven Image ihres Landes in Afrika eine dauerhaft feste Beziehung zu entwickeln. Afrika bleibt fremd.

Vor allem fehlt es an Geduld. Unter dem ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler und dem damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier haben wir in der deutschen Politik ein stark gestiegenes Interesse an Afrika erlebt. In der Folge fühlte sich auch die Wirtschaft ermutigt, den Blick nach Afrika zu lenken. Doch dann schieden erst Steinmeier und dann Köhler aus ihren Ämtern und ihre Nachfolger wandten sich anderen Interessengebieten zu.

Ein weiter Weg

Andererseits verstehen offenbar auch die Afrikaner nicht, dass sie die Deutschen immer wieder von neuem davon überzeugen müssen, dass sie ein verlässlicher Partner sind. Auch hier ist Nigeria ein Beispiel: Deutsche Partner beklagen, dass die Botschaft in Berlin heute weniger aktiv ist als noch vor einigen Jahren. Und wenn Präsident Goodluck Jonathan angesichts fast täglicher Terrorangriffe in seinem Land erklärt, seine Regierung habe alles fest im Griff und Investoren bräuchten keine Angst zu haben, dann macht er sich in deutschen Augen unglaubwürdig. Offensichtlich haben beide Seiten noch einen weiten Weg vor sich, wenn sie die Ziele erreichen wollen, die sie jetzt in Berlin erneut verkündet haben.