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Europa

Kommentar: Überflüssige Ratschläge

Das französische Außenministerium nannte die Äußerungen Scharons "inakzeptabel". Auch jüdische Organisationen in Frankreich wandten sich gegen die Äußerungen Scharons. Peter Philipp kommentiert.

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Verbale Ausfälle des israelischen Ministerpräsidenten gegen die Palästinenser sind an der Tagesordnung, diesmal hatte er sich aber ein neues "Opfer" ausgesucht: Ariel Scharon beschuldigte Frankreich des "wilden Antisemitismus" und forderte die Juden Frankreichs auf, so schnell möglich nach Israel auszuwandern. Juden in aller Welt seien dazu aufgerufen, für die in Frankreich sei dies aber eine Pflicht.

Scharon löste mit diesen Worten eine tiefe Krise zwischen beiden Ländern aus, denn in Frankreich fühlen Politiker und auch die jüdische Gemeinde brüskiert: Die einen, weil sie entschlossen gegen die - tatsächlich häufigeren - antisemitischen Vorfälle durchgreifen, die anderen, weil sie sich nicht von Scharon vereinnahmen oder aus der französischen Gesellschaft herausdividieren lassen wollen.

Die französische Regierung fordert von Scharon eine Erklärung, die scheint dieser aber schuldig zu bleiben. Er lässt statt dessen verschiedene Sprecher erklären, seine Worte seien letztlich doch nichts ungewöhnliches gewesen. Immer wieder appelliere man an die Juden in der Diaspora, nach Israel zu kommen. In Paris kommen solche Abwiegelungsversuche nicht an und man reagiert sauer: Solange Scharon die Dinge nicht klarstelle, sei er in Frankreich nicht willkommen.

Auch prominente französische Juden zeigen sich offen verärgert über Scharon. Mit 600.000 Angehörigen ist dies die größte jüdische Gemeinde in Europa, die im Gegensatz zu ihren Glaubensgenossen in Deutschland Wert darauf legen, nicht "Juden in Frankreich" genannt zu werden. Und natürlich haben auch sie in letzter Zeit mit Sorge ein Ansteigen feindseliger Akte festgestellt. Aber sie vertrauen den französischen Behörden und wissen, dass diese alles tun, um solche Übergriffe zu unterbinden. Und sie verzichten gerne auf die Ratschläge Scharons, zumal diese vielleicht sogar zu noch mehr Antisemitismus führen könnten:

Wie eine EU-Studie kürzlich herausfand, gehen viele dieser Taten auf das Konto junger Muslime - auch von denen hat Frankreich die größte Gemeinde in Europa - und die Taten seien meist eine Reaktion auf Ereignisse im Nahen Osten. Also auf die Politik Ariel Scharons gegenüber den Palästinensern. Aus dem falschen Verständnis heraus, Scharon, Israel und die Juden seien eins.

Obwohl viele französische Juden - wie andere Juden anderswo auch - sich gefühlsmäßig zu Israel hingezogen fühlen, so machen die meisten von ihnen doch auch immer einen feinen Unterschied zwischen dem Land und der Politik seiner jeweiligen Regierung. Und es ist ja eher der negativen Rolle dieser Regierung zuzuschreiben als der vermeintlichen Blindheit der französischen Juden, dass diese heute keinen Drang verspüren, nach Israel auszuwandern. Und was ihre Sicherheit betrifft, so ist diese in Frankreich vermutlich größer als im Israel Ariel Scharons.